Und wieder ist viel Zeit vergangen, seitdem ich diesen Weg der Kommnuikation mit der Welt das letzte Mal gewaehlt habe. Was nicht heissen muss, dass ich untaetig war! – Ich habe in verschiedenen Computerrumsitzstunden viele, viele Fotos hochgeladen – was lange dauert. Worueber ich aber jetzt gluecklich bin, es gemacht zu haben. Denn, um es gleich am Anfang zu erzaehlen: Auch Argentinien ist nicht sicher. Im Hostel wurde mir gestern mein kleiner Rucksack geklaut, mit all den Dingen darin, die man immer braucht, die, zwar nicht unbedingt zu wertvoll, aber Nutz- und auf jeden Fall Erinnerungswert haben. So zum Beispiel meine Kamera mit Fotos der ganzen Reise, mein MP3-Player, mein kleines Notizheft und einfach all diese kleinen Dingen, die ich unterwegs gesammelt habe und dir mir wichtig geworden sind. Nunja, ich lasse mich spaeter nochmal darueber aus. Im Moment versuche ich gerade das Hostal, hat es doch schon keine Versicherung, dazu zu ueberreden, mir ein bisschen Geld auszuzahlen. Wahrscheinlich klappts nicht..
Aber um die Chance der Ueberleitung zu nutzen: Das Geld war ja schon am Ende meiner letzten Meldung von Bedeutung. (Es ist es ja auch immer.) Schliesslich machte ich mich auf, um in Lima auf das Eintreffen meiner Geldkarte zu hoffen. Ich weiss nicht ob es Karma ist oder was auch immer, mit Geldangelegenheiten habe ich wohl einfach kein Glueck. Ich wartete vier Tage vergebens.
Nungut, vergebens ist auch nicht ganz richtig. Denn Lima ist, entgegen aller schlechten Meinungen, die ich schon darueber gehoert habe, eigentlich ganz schoen! Vielleicht liegt es aber eben auch genau an diesen, dass ich es schoen fand. Denn man erwartet wenig und ist freudig ueberrascht, wenn es einem doch irgendwie gefaellt.
In Lima angekommen habe ich mich, wie vorher durch nuetzlichnuetzlich Facebook verabredet, mit Willemien getroffen, einem weiteren hollaendischen Maedchen, das ich zwei Monate vorher in Quito kennengelernt habe. Mit ihr und noch ein paar Jungs aus dem Hostel haben wir erstmal das Nachtleben von Perus Hauptstadt ausgetestet. (Es ist gut
) Und zusammen haben wir einen Tag spaeter Silvana und Benjamin in Empfang nehmen duerfen, welche, nachdem sie sich langsam ihren Weg durch Nordperu geschlagen hatten, nun wieder die gleiche Route wie wir hatten.
Zu viert haben wir Lima ein bisschen erkundet und waren, das vor allem uns sehr oft, essen. Denn das Essen da ist einfach umwerfend! Vor allem nach der langen, zaehrenden Durchquerung dieser Wueste einer Esskultur, die Equador, Kolumbien und Venzuela qualvoll einschliesst, waren wir froh, in einem Land angekommen zu sein, dass seine traditionellen Speisen hoch ehrt und einiges darauf setzt sie gut zu praesentieren. Und so billig! Die taeglichen Almuerzo-Menues (Mittag) umschlossen hier eine Suppe, Ceviche (Roher Fisch-Salat), eine Hauptspeise (vor allem leckeren Fisch) und einen Salat nebst Freigetraenk fuer 6 Soles, umgerechnet also knapp 1,50€. Uuuh!
Neben Essen gab es aber noch ein bisschen Kultur. Andere Kultur. Kirchenkunde, koennte man fast sagen! In einer der alten, kolonialen Kirchen der Altstadt naemlich liegen die Gebeine (Und Schaedel und eigentlich alles) von 10.000en von Einwohnern. In der Ersten Jahren der Stadt durfte aus irgendeinem Grund kein Friedhof angelegt werden. Und so wurden die Knochen, wahrscheinlich erst nach Jahren der Verwesung in gesonderten Kammern, sortiert und in Gruben gelegt. Heute ist es ein schauriges Bild, das einen erwatet, wenn man in die dunklen, miefigen Katakomben hinuntergeht und die Knochen gestapelt in Metertiefen Gruben sieht. Leider habe ich kein Foto (mehr).
Die Geldkarte allerdings, wegen der ich ja hauptsaechlich diesen Abtecher nach Lima gemacht habe, blieb fern. Also weiter mit Western Union.
Einen Tag brachen wir auf um unseren Weg an Perus Kueste fortzusetzen. Erstes Ziel: Pisco. Die Stadt selbst ist langweilig und eher bedrueckend. 2 Jahre zuvor wurde sie durch ein ziemlich starkes Erdbeeben nahezu vollstaendig zerstoert – 80 Prozent der Haueser waren zertruemmert und man sieht die Schaeden heute noch ueberall. Der Grund fuer unsere Reise dahin war allerdings eine Inselgruppe, ein weiteres „Gallapagos fuer Arme“, wo man nocheinmal zwar nicht die konzentrierte Schoenheit des Originals, aber immerhin ein paar der vielen Tiere beobachten kann, die beruehmt fuer diesen Teil der Welt sind. So sind wir mit einem der vielen Touristenboote um die Inseln herumgefahren und konnten, unter hoellischem Laerm und mit Kopfbedeckung zum Schutz gegen Bombardements, Humboldt-Pinguine, Seeloewen, verschiedene Abarten der Blaufusstoelpel und andere Vogeltypen beobachten. Ach da sind mal schoene Fotos entstanden. Gottseidank habe ich eine kleine Auswahl schon letzte Woche hochgeladen.
Spannender und deutlich actionreicher wurde es dann in Huacachina. Huacachina, ca. 5 Busstunden suedlich von Lima, liegt direkt in der Wueste und sieht, von oben aus betrachtet, wie eine Comicoase aus: Ein paar Haeuser um einen mit Palmen umsaehten See inmitten der sandigen, grenzenlosen Wueste. (Okay, die Swimmingpools verfaelschen das Bild ein wenig.) Und es ist tatsaechlich so: Schaut man Richtung Meer, das ein paar Hundert Kilometer entfernt ist, sieht man nicht anderes als Sand ueber Sand. Der Blick gen Osten zeigt einem den Uebergang zu anderen Terretorien: Steil emporragende Berge, die, trocken wie die ganze Landschaft, vom zusaetzlich anwehenden Sand eine helle Ostseite haben und ferner im Horizont langsam gruenere, fruchtbarere Landschaften markieren. Als ich in der Wueste ankam, fuehlte ich mich an Erzaehlungen, Geschichten, Filme erinnert. Das typische Bild des fast Verdursteten, der nach tagelanger Wanderung in der Wueste nichtmehr unterscheiden kann ob es eine Fatamorgana ist, die er sieht oder doch eine echte Wasserquelle.
Die Action hierbei heisst: Sandboarden! Es ist natuerlich supertouristisch und gehoert eigentlich zum Beschaeftigungsbereich einer Touristenart, die ich normalerweise meide. Doch das war super! Im Duehnenbuggy ging es in einer kleinen Gruppe superschnell durch die Wueste, rauf auf die Duehnen und wieder runter. Da man in der Wueste wenige Anhaltspunkte hat um sagen zu koennen wie schnell man sich tatsaechlich fortbewegt, ist es schwer fuer mich, es auf eine Geschwindigkeit festzulegen.. Aber soviel sei gesagt: Es war sehr schnell!
Ab und zu stoppte der Buggy dann am Rande einer hohen Duehne. Von Mal zu mal wurden sie hoeher und steiler. Aber: Es ist nicht zu schlimm. Obwohl ich noch nie Snowboard gefahren bin, habe ich es nach ein paar Uebungsrunden schon ganz gut hinbekommen, cool aussehend den Berg hinunterzurutschen. Hier gab es sogar mal ein Video..
Das naechste Ziel war Nasca. Durch die vielen Erzaehlungen irgendwo getroffener Bagpacker waren wir schon vorbereitet und die Entaeuschung war nicht allzu gross, als wir dann tatsaechlich ankamen. In der Ferne hat man ein sehr romatisches Bild davon: Die uralten Linien, von zwar geklaertem Alter aber noch immer ungeklaerter, mystisch umschwaermter Herkunft. Ein Besuch da in Realitaet heisst aber: Eine Entscheidung treffen zwischen einem voellig ueberteuerten Rundflug bei dem Vielen vor lauter Uebelkeit alles Interesse vergeht, oder aber einen Aussichtspunkt ersteigen, von dem man ein paar der Linien im Sand einfach so sehen kann. Fuer zweiteres entschieden fuer uns – natuerlich. Der Aussichtspunkt sollte direkt an der Strasse vor dem Ort Nasca liegen und so waren wir erstaunt, als uns der Busfahrer inmitten der flachen Einoede sagte: Hier ist es, hier muesst ihr raus. Unten im Text findet ihr ein Foto dieses Miradors. Sucht nach einem etwa 20 Meter hohen Turm von dem aus ihr auch ein paar verschwaschene (es fing auch noch an zu regnen) Fotos der Linien sehen koennt. Naja, die Entauschung war dann doch wieder recht gross.
In Nasca trennten sich die Wege von mir und meinen Gefaehrten wieder einmal, da diese noch Machu Picchu sehen wollten, dass ich ja schon im Alleingang besucht hatte. Also fuhren die drei anderen nach Cusco und ich weiter an der Kueste, nach Arequipa.
Arequipa liegt auf etwa 2500 Meter Hoehe und in einem, noch immer sehr trockenen Gebiet. Folglich gibt es einige Probleme mit der Wasserversorgung. Auch wenn Hostels und arme aber reiche Traveller davon nicht betroffen werden.
Ich wollte dort ein paar Tage ausruhen, ein bisschen was unternehmen und auf meine Freunde warten, die wohl eine Woche fuer Cusco und Rest brauchen wuerden. Also unternahm ich was: Ich versuchte mich im Bergsteigen. Nicht klettern, keine Sorge, nur kraxeln. Arequipa liegt naemlich in einer bergigen Zone. Die zwei Riesen, die es Tag und Nacht bewachen, sind um die 6000 Meter hoch und gelten, da vulkanischer Herkunft und nicht zu steil, als einfachste ihrer Art. Und so wollte ich, ungelert aber optimistisch, den Chinchero besteigen: 6080m. Ich buchte also eine Tour und am naechsten Tag gings los: Mit dem Jeep in 3 Stunden holpriger Fahrt bis hoch auf 5100m, wo nach Packen der Kraxen und Checken der Auruestung der erste Teil der Strecke zurueckgelegt werden sollte. Der Jeep fuhr zurueck und wir, eine Gruppe von 5 Personen und 2 Guides, machten uns auf den Weg ins 300 Hoehenmeter entfernte Basislager. Der Aufstieg in dieser Hoehe verlaeuft ungefaher im Tempo einer Schnecke. Man kann zwar streckenweise ein bisschen schneller laufen, aber hinterher nimmt es einem den Atem fuer eine verhaeltnismaessig lange und nicht lohnende Zeit. Davon abgesehen, dass man immer Probleme mit der Hoehe haben kann und das der Koerper, solche Regionen und rapiden Druckunterschiede nicht gewoehnt, sehr komisch reagieren kann. Diese Erfahrung musste leider auch ich machen. Im Basecamp angekommen und nach dem Aufbauen der Zelte fuehlte ich schon, dass etwas nicht stimmt. Beim Essen konnte ich kaum etwas herunterkriegen, ich hatte schlagende Kopfschmerzen und, trotz Einnahme einer Hoehenkrankheitstablette, die wohl den Koerper nur unterstuetzt und nicht schon Bestehendes aendern kann, war mir schwindlig. Als ich dann auch das wenig gegessene wieder ausbrach, wandte ich mich an die Guides um zu beraten, was zu machen sei. Die meinten, da geplant sei um 1 Uhr nachts den Aufstieg zu machen, koennte ich entweder hier ausharren bis die anderen in etwa 10 Stunden zurueck seien oder ein wenig herunter gehen und dort mein Zelt aufbauen um alleine zu warten oder aber, die sicherste Variante, einen Rettungsjeep anheuern, der mich wieder nach unter bringt. Da die Guides in jedem Fall zu zweit mit auf den Gipfel mussten, um da fuer die noetige Sicherheit zu sorgen, sah ich mich, nur der Variante einer ewig langen Wartezeit in lebensunfreundlichster Umgebebung gegenueberstehend, gezwungen, Variante drei zu waehlen – also den teuren Rettungsjeep. Der wurde angeheuert und es sollte etwa drei Stunden dauern, bis ich, bei voelliger Dunkelheit und von einem der Guides gefuehrt, wieder die 300 Meter runterrutschen konnte, wo mich der Jeep aussammeln sollte. Bis zur Zeit des Abstiegs aber musste ich noch im Zelt ausharren. Da machte ich die Erfahrung, was „Hoehenschlaflosigkeit“ heisst und wie kalt es tatsaechlich ist, auf 5.400 Metern. Es ist sehr kalt. (Minus 8 Grad war es wohl.) Leider wusste ich nicht, dass man seine Schuhe selbst im Schlafsack lieber anbehaelt und so wurden meine Fuesse, ohne Schuhe und trotz zwei paar dicker Socken darueber, so kalt, dass ich die Zehen nicht mehr spueren konnte und mich, ein bisschen aengstlich geworden, doch wieder fuer die Schuhe entschied.
Als der Jeep dann wie geplant ankam und mich auf die teuerste Zweitundenfahrt meiner Reise nahm, wurde es aber mit jedem Meter nach unten besser und in Arequipa angekommen ging es mir schon wieder, von Entaeuschung und Muedigkeit mal abgesehen, wieder sehr gut.
Interessant ist: Alle 4 anderen Mitglieder meiner Gruppe hatten keinerlei Problem. Aber allesamt kamen sie direkt aus Puno oder Cusco und waren so eine Hoehe von 3.600m gewohnt. Das war wohl entscheidend. Kam ich ja schliesslich von Lima und damit von Meereshoehe. Nungut, eine Erfahrung mehr.
Die naechsten Tage verbrachte ich mit Museen-Besuchen, rumlaufen und Entspannen. Eines der berichtenswerten Museen war das der Juanita. Die „Eisprinzessin“ selbst war zwar wegen Restaurierung und Forschung nicht ausgestellt. Dafuer allerdings eine ihrer nicht minder eindrucksvollen Schwestern. Da sie ziemlich bekannt sind nehme ich mal an, dass Ihr wisst, dass sie zwei der auf knapp 6000m von den Inkas zu Ehren des Sonnen- und Mondgottes geopferten Kinder sind, die, nach Hunderten von Jahren im Eis bestens konserviert, nun noch immer mit Haut und Haaren zu bestaunen sind. Auch ein bisschen gruselig..
Ausserdem in Arequipa, dieser schoenen, „weissen“ Kolonialstadt, habe ich das erste Mal Voluntaersarbeit gemacht. Zwar nur fuer einen Tag, aber nun immerhin ueberhaupt mal. In meinem Hostel sah ich die Werbung fuer das „Freiwilliger fuer einen Tag“-Projekt, wo man u.A. laenger da arbeitenden Freiwilligen einen Tag lang beim Ausbau einer Schule in einem der sehr trockenden und sehr armen Vororte zur Hand gehen kann. Die Schule war, als ich dort anfing, halb fertig. Zwei der vier geplanten Klassenraeume wurden schon zum Unterricht genutzt, die anderen waren erst halbfertig. Da wir an diesem Tag nur du dritt waren und die Arbeit die noch zu tun war nur allzu deutlich zu sehen war, fuehlte ich mich gut, als ich mit meinen Faehigkeiten hier ein wenig helfen konnte: Fuer die Elektrik haette normalerweise ein Elektriker kommen muessen, der Lampen, Schalten und Steckdosen in einem der neuen Raeume montiert. Da es aber nicht so schwer ist und elektrische Dinge in diesen Laendern sowieso immer haarstraeubenst aussehen und trotzdem funktionieren (auch mit Elektoschock in der Dusche), war mein Wissen ausreichend, dort diese Dinge zu installieren und somit einen kleinen, kleinen Beitrag geleistet zu haben – auch wenn die Arbeit, die den Freiwilligen noch bevorsteht, sehr umfangreich ist.
Ich habe auch ein paar Fotos von dem Bezirk gemacht, wo die Nachmittagsschule gebaut wurde. Da es so trocken ist und Wasser Mangelware, kamen auch einige Kinder zu uns, um nach Wasser zu fragen. Die Vaeter und Muetter arbeiten entweder in der Stadt oder auf den Bergen gleich neben der Tuer, wo sie auf die Huegel steigen und das sproede Gestein nur durch Bewerfen mit anderen Steinen zum Rutschen bringen. Unten wird es dann gesiebt und das zerkleinerte Material kann als Mischzugabe fuer Baustoffe verkauft werden. Eine sehr langwierige und sehr gefaehrliche Arbeit.
Nach eine Woche kamen wie geplant Silvana, Ben und Willemien nach Arequipa, um mit mir zusammen den Colca Canyon zu bewandern: Den tiefsten Canyon der Welt.
Er nicht wirklich wie man sich einen Canyon den vorstellt, z.B. wie der Gran Canyon in den Staaten, er ist mehr eine Schlucht die sich, wenn man von weither sehend kommt, zwar ploetzlich im Boden auftut, wenn man naeher kommt sich aber eher wie ein langen, breites Tal zwischen den Bergen anfuehlt.
Nach irgendeiner Definition darf und soll man es aber Canyon nennen und so ist das kleine Fluesschen am Boden desselbigen eben der Fluss, der, neben dem Wind im Uebrigen, der Faktor fuer das Entstehen dieses nun also tiefsten Canyons der Welt ist.
Die Gegend ist, wie schon gesagt, sehr trocken. Normalerweise regnet es um diese Jahreszeit dort auch sehr viel doch haben Ozonloch und Erderwaermung auch hier endlich zugeschlagen und begruenden noch mehr Duerre, Wassermangel und Landwirtschaftprobleme also ohnehin schon.
In eben dieser Landschaft wollten wir wandern. Die Gegend ist bekannt und beliebt da man hier unter anderem auch Kondore sehen kann. Die meissten nehmen geplante Zwei- oder Dreitagestouren durch den Canyon aber man kann es ohne Probleme auch selbst organisieren. So sind wir vier plus Gael, ein noch im Hostel aufgegabeltes Maedchen, los, um den Bus dorthin zu nehmen. Auf dem Weg stoppte der Bus am Cruz der Condor, wo wir dann auch tatsaechlich welche beobachten und fotografieren konnten. Nach zwei Stunden warten.
Die Wanderung fuehrte am ersten Tag vom Ausgangsdorf Cobanaconde in den Canyon – ueber 3500 Hoehenmeter nach unten. Dort gibt es ein Handvolle kleiner aber sehr netter Familienunterkuenfte die, dank Solarzellentechnik, sogar heisses Wasser produzieren und den Touristen so einen kleinen Standart an Komfort bieten. Nach einer Nacht in dieser wanderten wir einen ganzen Tag -gut, eher einen halben, es war nicht sehr weit- bis zur „Oase“, wo auf einem kleinen gruenen Streifen inmitten des Flusses am Grunde des Canyons gleich fuenf Unterkuenfte nebst Pool gegeneinander konkurrierten. Am Fusse der zu besteigenden Seite des Canyons gelegen, ging es dann nach ruhiger Nacht am fruehen Morgen los zum vielbefuerchteten Aufstieg. Statt geplanten vier Stunden legten wir diesen aber ruhigen Schrittes in zweieinhalb zurueck und goennten uns als Belohnung eine Portion Alpaca-Fleisch. Bilder dieses niedlichen Tieres muesste ich auch hochgeladen haben. Und es ist wirklich lecker!
Zurueck in Arequipa, kurz vor dem Aufbruch Richtung Bolivien sagten wir noch Adios zu Benjamin, der seinen Weg ueber Chile gehen wollte, so dass ich nurnoch allein mit den zwei hollaendischen Maedchen war. Ausserdem musste ich kurz vor der Abfahrt leider feststellen, dass man mir in der Western Union-filiale beim Auszahlen einer Ueberweisung im Stapel gut versteckte falsche Dollarnoten gebeben hatte. Ein Besuch in der Fililiale brachte allerdings nichts und so reihte sich dieses Erlebnis in die inzwischen erschreckend lange Liste unangenehmer Vorkommnisse ein.
Auf nach Bolivien. Um dahin und zu unserem ersten Ziel dort, dem Titicacasee zu kommen, durchkreuzten wir Puno. Und da kann man, wie man auf den Suedamerikanischen Gringopfaden wandelnd stetig mitgeteilt bekommt, die schwimmenden Inseln sehen. Es haette mich schon sehr gereizt, diese anzuschauen, erinnern sich mich in ersten Linie doch an Jim Knopf, der zusammen mit Lukas dem Lokomotivfuehrer eine dieser schwimmenden Inseln an seine kleine Lok bindet und -die Lok geteert und fugendicht gemacht- sie an seine Heimatinsel zieht, um dort neben seinen Freunden mehr Platz zum Wohnen zu schaffen. Doch wie man uns vorher sagte: Es sind mehr schwimmende Touristeninseln als alles andere und ein Besuch ist zwar schoen aber wird durch die vielen, vielen Besucher einfach ruiniert. Also waren wir genau da nicht.
Stattdessen sind wir schnell durch Puno durchgefahren und nach einer weiteren langen Busfahrt (ueber Laenge von Busfahrten und wie man diese fuehlt kann man im uebrigen ganze Passagen schreiben.. mache ich vielleicht noch mal) und einer recht unkomplozierten Grenzueberquerung waren wir schon drin, im Land der Superlativen.
Bolivien hat eine spannende Geschichte. Einst einmal deutlich groesser gewesen, verlor es in der zweiten Haelfte des 19. Jahrhunderts im Salpeterkrieg gegen Chile weite Teile an dieses – unter anderem seinen Zugang zum Meer. In weiteren Kriegen gegen Paraguay verlor es weitere Teile des Landes, wurde stark geschawaecht und resultierend aus weniger Moeglichkeiten zum Wirtschaftswachstum wegen fehlenden Meereszugang hat das Land nie einen grossen Aufschwung erlebt. Es ist das hoechste Land der Welt, das aermste (und billigste) Suedamerikas und das Land mit dem groessten Anteil an indigener Bevoelkerung: 80% des Landes sind Quechua, Aymaras oder kleinere Indio-Voelkergruppen. Mit Evo Morales ist schon seit Jahren der erste indigene Praesident an der Macht, der gerade in den letzten Jahren fuer Schlagzeilen gesorgt hat. Er ist unbestreitbar links gerichtet, arbeitet mit Hugo Chavez und, nach dem Rausschmiss der US-Botschafter aus dem Land, vermehrt auch mit Russland zusammen und hat erst kuerzlich mit Russland eine staerkere militaerische Zusammenarbeit beschlossen und, Gott weiss warum, Marinetechnik gekauft. Letztes Jahr versuchte er durch ein Referendum seine unendliche Wiederwahl zu erreichen, fehlte aber da, wo Hugo Chavez vor kurzer Zeit beim zweiten Versuch Erfolg hatte.
Und dahin fuhren wir nun also.
Nach der Grenzueberquerung war der Weg nach Copacabano nicht mehr weit – der Stadt am Titicacasee, von der man aus die wunderschoene Isla der Sol erreichen kann. Das taten wir dann auch gleich. Nach langer Bootsfahrts ueber den blauen See erreichten wir die Insel am Nachmittag – gerade noch rechzeitig um ein paar Inkaruinen zu besichtigen – die letzten auf meiner Reise. Nach einer Unterkunft mussten wir nicht suchen. Als das Boot anlegte kamen etwa 20 kleine Kinder auf den Stek gerannt und fragten „nececita habitacion?“ – Brauchst du eine Unterkunft? Nein, wir hatten schon eine. Die Kinder, die das allerdings jeden Tag und ueberhaupt die ganze Zeit taten, gaben nicht auf zu fragen, waren aber auch nicht beleidigt wenn man nein sagte. Sie waren scheinbar einfach nur voellig darangewoehnt diese 2 Worte zu fragen, denn als ich sie ein bisschen was zurueckfragte antworteten sie erst garnicht und fragten gleich darauf wieder: Nececita habitacion? Es war ein bisschen gruselig. Doch gibt es auf der Insel wohl auch eine Schule, die die Kinder normalerweise besuchen, nur waren gerade eben Schulferien.
Der Blick von der Isla del Sol auf den Titicacasee ist wunderschoen. Bei klarem Wetter am morgen sieht man die letzten Berge ganz weit hinten am Horizont aufklaffen und am Nachmittag, wenn die Wolken darueber ziehen und vom Himmel durch ihre Absolute Weisse nichtmehr zu unterscheiden sind, sieht es aus, als waere der See ein Meer. Auf der Insel ist es ruhig, was nicht normal ist: Normal ist dauerhafte Beschallung aus allen Ecken mit meisst furchtbar schlechter Musik: Modernem, pervers-einoedenen Raeggeton oder kreischigen, taditionell-modernisierten Indigena-Songs. Da aber nicht.
Am zweiten Tag, und viele neue Freundschaften zu den zu der Zeit staendig und ueberall herumreisenden Argentiniern spaeter, fuhren wir mit dem Schiff auf den Suedteil der Insel, um auch dort nochmal eine Nacht in der so erfrischenden Stille zu uebernachten. Am naechsten Tag ging es dann nach La Paz.
La Paz ist, im hoechsten Land der Welt nach dem Besuchen des hoechsten Sees der Welt, die hoechgelegenste Hauptstadt der Welt. Offiziell ist es das zwar noch nicht -das ist noch immer Sucre- doch Regierungsgebaeude und das Hauptstadtleben sind in La Paz. Die Stadt selbst ist nicht besonders schoen, zeichnet sich nur durch seine Hoehe aus. Und die Dinge, die man von da unternehmen kann.
Da gibt es zum einen die sogenannte Todesstrasse. Ist es sie zwar nichtmehr heute, so war es sie zweifellos einige Jahre zuvor. Sie windet sich im Norden der Stadt von hohen 4000m in den 3500 Meter weiter unten gelegenen Djungel und ist, zwar ein wenig befestigt, doch staendigen Erdrutschen, schlechten Wetterverhaeltnissen im allgemeinen und vor allem voellig verrueckten Fahrern ausgesetzt. Nachdem 2001 ein vollbesetzter Bus in die Tiefe stuerzte, demonstrierten die Menschen von La Paz (Bolivier protestieren eigentlich immer) fuer eine neue, geteerte Strasse, die dann auch letztes Jahr fertig gestellt wurde. Seitdem ist die Touristenindustrie dort in die Hoehe gesprungen. Die gab es allerdings auch schon vorher, mit viel Verkehr! Nun, gibt es auf der alten Strasse mehr Fahrraeder als Autos. Diese fahren aber noch immer und machen den sehr actionreichen, viertstuendigen Downhillride auch noch ein bisschen gefaehrlicher. Nichtsdestotrotz kommen taeglich viele, viele Touristen, um diese Mountainbikabfahrt zu erleben. Denn nebem dem Kick, dem einen die Saga um die „Most dangerous Road of the World“ gibt, ist die Landschaft die man, wenn man ab und an mal von der Strasse vor einem wegschaut oder sogar man anhaelt, wunderschoen. Erst kahl und kalt in den oberen Teilen sieht man die Vegetation im Nu sich Aendern und schwitzt, unter 1500 Metern angekommen, doch schon ziemlich stark. Am Ende bekommt man ein Buffet in einer der vielen, extra dafuer eingerichteten Djungel-Lounges und ein T-Shirt als Beweis, dass man ueberlebt hat.
Ausserdem und nicht weniger superlativ ist das San Pedro Prison. Mitten in La Paz liegt dieses, einen ganzen Block einnehmende Gefaengnis, dass schon seit Jahren in der Travellerszene bekannt ist. Umso mehr seit ein paar Jahren, als der Anwalt eines dort wegen Drohenhandels einsitzenden Englaenders ein Buch ueber diese verrueckte Institution schrieb.
Man geht auf den Plaza San Pedro und steht herum. Dann kommt der viel-beschriebene Jimmy, ein Suedafrikaer, zu einem, und fragt wie es geht und ob man denn nicht das Gefaengnis sehen wolle. Das Gefaengnis? Na klar, warum nicht, ist man doch schon einmal hier. Und schon gehts rein in den voellig verrueckten, aber gewohnten und taeglich mehrfach ablaufenden Vorgang. Die Gruppe geht zum Eingang und wird zu einem nahe gelegenen Raum geschleust. Dort bezahlt recht viel Geld und wird gebeten seine Emailadresse geben (machen natuerlich alle) und seine Kameras in die Hosentaschen zu packen. Die Polizei am Eingang kontrolliert naemlich nur die Rucksaecke und Umhaengetaschen. Und dann gehts auch schon rein und man wird begruesst von Luis, der allerdings nur einer der Gefangenen ist, die den Tourismus im Gefaengnis betreiben. Er erzaehlt einem beim dreistuendigen Rundgang eine Menge ueber die Geschiche des Gefaengnisses und noch mehr Geschichten ueber den Alltag und das Leben hier drin. Es gibt sechs Bloecke, die alleine schon sehr gross sind. Jeder Block hat mehr als 100 Zellen, die sich die Insassen, je nachdem wie lange sie einsitzen, mieten oder auch kaufen koennen. Es gibt bessere Bloeck und schlechtere und sogar einen fuer Internationale Gefangene. Zwischen den Bloecken kann jeder hin und her laufen. Im Gefaengnis gibt es keine oder nur sehr wenige und nur tagsueber postierte Polizisten. An jeder Ecke gibt es kleine Laeden, Restaurant, Kunsthandwerksstaende, die zwar meisst fuer die Insassen selbst sind, sich inzwischen aber auch schon auf die Touristenindustrie eingelassen haben. Waerend die Gruppe durch das Gefaegnis gefuehrt wird, bewachen Bodyguards (andere Insassen) die Umgebung. Aber die Blicke all der hier lebenden Menschen verraten, dass sie sehr gewohnt sind, an die aenglich dreinschaeuenden und stetig fotografierenden Touristen. Selbst zu gut angezogenen Frauen (es gibt wirklich sehr daemliche Touristen) wird nicht uebermaessig zufiel hinterhergepfiffen. Es sind ja schliesslich auch viele Frauen der Insassen hier. Obwohl es ein reines Maennergefaengnis ist, leben hier viele der rund 1500 Maenner mit ihren Familien. Sie sind meisst diejenigen, die Restaurants und kleinere Betriebe betreiben. Die Frauen und Kindern gehen ein uns aus wie sie wollen. Ab und kommen Kinder und Maenner zu den Touristen und machen mit Gesten auf sich aufmerksam. Die Maenner wollen Zigaretten, die Kinder Suessigkeiten. Beides haben die Touristen meisst schon deshalb mit sich. Wenn man will, kann man sich sogar Bodyguards und eine Zelle fuer die Nacht mieten. Aber dann, so meint Luis, wird es krtisch. In den fruehen Morgenstunden ziehen die Gangs in den Gaengen entlang und loesen ihre Konflikte. Luis zeigt auf den kleinen Pool im Innenhof eines der Bloecke und meint: Niemand geht dort baden. Dort holen die Polizisten am Morgen die Opfer dieser Bandenkriege heraus. Dann erklaert Luis das Prioritaetssystem in San Pedro: Wer Geld hat kann alles machen, wer keines hat muss Arbeiten und hat deutlich schlechtere Chancen auf Ueberleben. Die Insassen sind wegen unterschiedlichster Gruende hier – die meissten allerdings wegen Kokainschmuggels. Er selbst, Luis, wollte ein grosses Paket halb fertigen Kokains in sein Heimatland Portugal schmuggeln und wurde am Flughafen abgefangen, nachdem ein Hund ihn verraten hatte. Aber im Gefaengnis ist Kokain ueberhaupt kein Problem, es ist wahrscheinlich auch einer der grossen Produkteure der Stadt. Am Ende der Tour bietet Luis auch jedem etwas an. Weil er es muss, sagt er, er selbst will es garnicht. Er muss moch weitere sechs Monate drin bleiben und bis dahin 2000 Dollar aufgetrieben haben – soviel moechte der Richter haben um ihn danach gehen zu lassen.
Eine weitere Besonderheit Boliviens ist das Koka. Die Geschichte ist sehr verworren. Zum einen sind Kokablaetter hoechst traditionell, seit jeher mit der Geschichte verbunden und von den Menschen zum kauen benutzt. Andererseits gibt es vielen illegalen Anbau der Pflanzen, was Bolivien nach Kolumbien zum zweitgroessten Kokainhersteller der Welt macht. Das war der offizielle Grund fuer George Bush, Bolivien auf die Schwarze Liste der Laender mit zu wenig Aktionen gegen den Drogenanbau zu setzen. Zwei Tage zuvor allerdings hatte Bolivien den amerikanischen Botschafter nach langen Zoegern des Landes verwiesen, weil er sich „fuer die Opposition stark machte und so die politische Spaltung des Landes vorrantrieb“.
Und tatsaechlich sind Koka und sein mit Chemikalien durchwalktes Endprodukt allgegenwaertig. Man kann beides fast ueberall kaufen, das eine legal, das andere sogutwie. Das eine fuer die Einheimischen, das andere wohl eher fuer die Touristen. Das ist superlativ.
Nach ein paar Tagen in La Paz also, wo ich beim Artesanial-Shopping am letzten Tag neben einem schoenen Alpaca-Pullover fuer mich auch die meissten meiner Mitbringel gekauft habe (seit gespannt..), fuhren wir weiter. Jetzt in die offizielle Hauptstadt, die zwar nicht die Stadt mit den meissten Menschen ist, doch aber die Hauptstadt der reicheren Teiles des Landes, der seit ca. einem Jahr gegen die Regierung Morales auftritt und eine seperate Regierung fordert.
Sucre ist eine weitere, sehr schoene Kolonialstadt im Herzen Boliviens, inmitten des alten, ganz fruehen Inkareichs und der spaeter wichtigen oekonomischen Zentren der Spanier.
Wir allerdings schliefen nur eine Nacht da und nahmen am Tag darauf einen Bus nach Potosi. Silvana musste sich beeilen um puenktlich zum Karneval in Rio zu sein und Willemien bekam Besuch von ihren Eltern in Buenos Aires. Ich selbst hatte ja noch einiges vor und obwohl ich gerne mehr von dem so erstaunlichen Bolivien gesehen haette ging ich mit den beiden, um auch noch laenger in netter und vertrauter Begleitung zu sein. Schliesslich sind die Personen mit denen man reist ja mindestens genauso wichtig wie die Orte die man sieht. Ein Ort kann noch so schoen sein – wenn man ihn alleine besucht, hat man einfach niemanden dem man sagen kann, wie toll es ist. Und wenn es an sich keinen gibt, des es schaehrt was man denn so treibt, dann ist der ganze Moment umsonst. Was nicht heissen soll, dass man nicht auch alleine Spass haben kann – Gerade dann hat man manchmal sogar bessere und auf jeden Fall intensivere Erfahrungen! Doch kann ich, soviel weiss ich inzwischen, das nur Geniessen wenn ich weiss, dass es jemanden gibt dem ich das Erlebte auch erzaehlen kann. Dass ich wohin zurueckgehen kann, eine Basis habe von der aus ich selbststaendige Ausfluege unternehmen kann. – Soviel zu meiner Rechfertigung.
In Sucre, jedenfalls und noch immer, habe ich nur beim Vorbeilaufen und sehr zufaellig, ein deutsches Konsulat entdeckt, dass neben dem Buero ein Restaurant betreibt, dass deutsche Speisen in einem alten, kolonialen Haus anbietet. Eigentlich wollte ich den deutschen Konsul fragen, was er mit der besonderen Verbindung Bolivien mit Deutschland auf sich hat. Schon vorher war mir aufgefallen, dass es in ganz Bolivien vielmehr deutsche Baeckereien, Restaurantes und ueberhaupt Namen gibt, als in den Laendern in denen ich schon gewesen bin. Ein kleines Tonflugzeug auf dem Indigena-Artensial Markt hatte auf seinem Bauch zum Beispiel „Deutschland-Bolivien“ stehen. Leider habe ich mich letzlich nicht getraut, den Deuschen Konsul bei der Arbeit zu stoeren. Wenn es also jemand von Euch weiss, dass sage er bitte was. Allerdings habe ich dort seit langem mal wieder eine Deutsche Speise gegessen. Ich habe vergessen was, doch wurde es mit Sauerkraut serviert.
Am Morgen machten wir uns nun also auf nach Potosi. Leider fuhren die Busse sehr unguenstig, so dass wir erst mittags ankamen und schon Angst hatten, einen Tag lang umsonst in der sonst nicht sehr besonderen Stadt zu bleiben, nur um die Tour in die alten Silberminen zu machen, die wir unbedingt noch sehen wollten. Aber es war nicht zu spaet, wir kamen gerade recht zum Beginn einer Tour der besseren Agenturen (wir wollten hier nun doch mal auf ein wenig mehr Sicherheit setzen) und starteten also gleich nach Ankuft in der Stadt. Ein Jeep pickte uns drei und fuenf weitere auf, um uns zusammen mit zwei Guides zum Ersten Punkt der Tour zu fuehren: Dem Minenarbeitermarkt. Hier bekam man erstes zur Mine erklaert und was man zur Geschichte noch nicht wusste, konnte man von den erstaunlich gut englich sprechenden Guides erfahren.
Eine kurze Zusammenfassung der Geschichte der Minen: Schon zu Inkazeiten wurde im Cerro Rico, dem reichen Berg, Silber abgebaut. Als die Spanier kamen und die Inkas ueberrannen, entdeckten sie die Minen und nach anfaenglich noch ruhigem Abbau wuchs Potosi nach einigen Jahren zu einer der Weltgroessten Staedte heran. Uebere mehrere Jahrhunderte war der Silberabbau im Cerro Rico einer der wichtigsten finanziellen Stuetzen der Spanier. In den Bergwerken, die menschenunwuerdigste Verhaeltnisse hatten, kamen in der Besatzungszeit der Spanier geschaetze acht Millionen Menschen um – Zwangsarbeiter aus der Gegend und ganz Suedamerika uns verschiffte Sklaven aus Afrika. Frueher arbeiteten um die 14.ooo Menschen gleichzeitig in den Bergwerken. Heute sind sie verstaatlicht und die Bergarbeiter in Kooperativen organisiert. In den noch immer nicht oder schlecht gesicherten Stollen kriechen noch heute ca. 1500 Arbeiter durch voellige Dunkelheit, nur durchhaltend durch staendiges kauen von Koka.
Wir also waren auf dem Arbeitermarkt. Nach den einfuehrenden Worten des Guides, wurden wir gebeten Coca-Cola zu kaufen und auch etwas Dynamit – als Geschenk fuer die Arbeiter, durch deren Stollen wir uns zwengen wuerden. Und ausserdem auch noch ein bisschen Dynamit fuer uns selbst.
Nach dem Eindecken mit hochexplosiven Sprengstoffen ging es zum naechsten Teil der Tour, zur Fabrik. Man erklaerte uns, wie die aus dem Berg geholten Steinhaufen gefiltert, gewaessert, chemisch aussortiert wurden, um das gewollte Produkt letzlich in Saecke zu verpacken und zu verkaufen. Und dann ging es auch schon in den Berg, in die voellige Dunkelheit.
Die ersten Meter, die man herein laeuft sind noch nicht s0 schlimm. Der Stollen ist hoch, man kann aufrecht gehen und die Kopflampe auf dem Kopf leuchtet alles so gut aus, dass man das gefuehl hat, einen Raum zu betreten. Nach etwa 50 Metern wird die Vorstellung mit dem Raum unrealistisch und nach weiteren 50 Metern die Luft heisser und stickiger. Dann ging es ploetzlich runter und der Guide meinte: Das ist das zweite Level. Insgesamt gibt es sieben, wir wuerden aber nur drei sehen. Die Luft ist zu schlecht ganz unten und ungeuebte Touristen koennten da nicht umherwandeln. Und wirklich war die Luft schon da sehr schlecht und man haette das Tuch, das man sich schuetzender Weise vor den Mund gebunden hatte, am liebsten heruntergerisen, um Luft atmen zu koennen. Ersticken muss schrecklich sein.
Dann ging es ein weiteres Level hinab. Den Bahngleisend foldgend meinte der Fuehrer bald: Aufpassen, gleich kommt eine Lore! Und nach schnellem zur Seite treten kam der mit tonnenschweren, metallhaltigen Stein angefuellte Metallwaggon vorbei, gezogen von zwei schnaufenden Kumpel und geschoben von zwei weiteren.
An einer der Lifte konnten wir dann auch beobachten, wie Loren entleert werden und mit welcher Haeufigkeit Material angeschafft wurde. Eigentlich ist es genau so, wie man es sich vorstellt: Simpel. Es gibt kaum Technik, die Mineros haben zwar Kopflampen, wenn sie jedoch die Loecher in den Stein schlagen, um Platz fuer Dynamit zu schaffen, arbeiteten sie, geuebt, praezise auf den Meissel schlagend, in voelliger Dunkelheit. Mit Druckluft, dass in langen Rohr-Schlauch Kombinationen in die Tiefe gefuehrt wird, werden die Lifte betrieben – soviel ist Technik. Aber darueber hinaus geht es nicht. Keine Schutzanzuege, keine Atemmasken. Nur Koka. Die Mineros sterben nach durchschnittlich 10 Jahren stetigen Arbeitens an Staublunge, das Durchschnittsalter betraegt 35. Viele sterben frueher durch Unfaelle. Aber es arbeiten auch viele Kinder da – der Guide meinte, der Juengste sei acht Jahre alt. Er selbst begann mit neun Jahren, in den Minen zu arbeiten. So wie sein Vater und seine Brueder. Dass er jetzt Touristen durch die Stollen fuehrt, ist wahrscheinlich seine Rettung. Und bringt, wenn auch weniger Ehre, so mit Sicherheit mehr Geld ein. Im Durchschnitt stirbt noch heute jeden Tag ein Arbeiter.
Im Hostel traf ich dann auch einen Kanadier, der versuchte ein Freiwilligenprojekt auf die Beine zu stellen: Zum Aufbau eines Gemeindezentrums. Es wollte ein Bewusstsein schaffen, gegen die Kinderarbeit und fuer eine allgemein menschlichere Gemeinschaft. Er hatte wohl schon mit Politikern gesprochen und versucht ein wenig aufzustacheln. Aber im so armen Bolivien wird es wohl ausser Bagpackern wenige erreichen, die sich wirklich dafuer einsetzen. Die Probleme liegen einfach woanders und sind zu gross.
Eigentlich wollten wir Potosi noch am selben Tag verlassen. Aber schon als wir in die Minen gingen, ging es Silvana sehr schlecht und beim Herausgehen konnte sie kaum mehr laufen. Der Arzt, den die Touragentur fuer uns bestellte, bestaetigte auch gleich die Selbstdiagnose: Sie hatte eine Nierenentzuendung. Um ihr guten Schlaf und einen Tag Ruhe zu goennen, brachen wir also erst einen Tag spaeter auf. Dann nach Tupiza.
Tupiza zeichnet sich durch nichts aus. Ausser dass sie eine der Ausgangsbesuche fuer die Tour durch die Salar de Uyuni darstellt, gibt es keinen Grund dieses Staedtchen zu besuchen. Aber genau deshalb waren wir ja auch da.
einen Abend vor der Tour feierten wie noch Abschied. Silvana hatte entschieden, die Tour ihrer Gesundheit zuliebe nicht zu machen und statt dessen gemaechlicher nach Rio zu reisen. Keine schlechte Idee, aber schade wars schon. Und so assen wir erst gut Pizza, bevor wir uns aufmachten dem Urprung der lauten Musik zu folgen, zu dem scheinbar auch die ganze Stadt pilgerte. Einheimische erzaehlten uns dann, es sei der Beginn der Karnevalswoche, der hier mit der Wahl der Reyna del Carneval beginnt, der Koenigin des Karnevals. Im Grunde war es nichts anderes als eine Schoenheitskoenigin, aber es war interessant anzusehen, wie jeder Bezirk fuer die ihrige Kandidatin bruellte und nach und nach die schoenste unter der Maedchen ausgewaehlt wurde.
Fuer die Wuestentour mussten wir frueh aufstehen. Zusammen mit 2 deutschen Jungs und einem Englaender quetschen Willemien und ich uns in der recht engen Jeep und die Fahrt ging los.
Ich hoffe die Fotos koennen mehr ueber die total verrueckte Landschaft aussagen, als ich es zu beschreiben faehig bin. Teile der Strecke fuhren wir durch Gegenden, die auch gut als Drehplatz fuer Mondfilme haetten dienen koennen, andere erinnerten eher an Science Fiction-Streifen auf dem Mars.
Die ersten drei Tage ging es durch diese staubige, trockene Landschaft, die sich, bestaendig durch Bergketten und komischste Steinformationen besetzt, langsam abflachte und am Ende gar sandwuestige Verhaeltnisse aufzeigte. In kleinen Doerfern auf dem Weg gab es sehr einfache Unterkuenfte, in denen die extra dafuer mitfahrende Koechin erstaunlich gutes Essen zubereite, bevor man im Schlafsack vor der Kaelte zuflucht nahm. Denn es ging ziemlich hoch hinaus: Die Huetten lagen zwischen 4000 und 5000 Hoehenmetern. Am dritten Tag fuhren wir mit dem Jeep sogar bis auf 5100m, um dort ein beeindruckendes Naturschauspiel zu bestaunen: In eisiger Kaelte stehend und gegen den Wind ankaempfend, der einem Schneekristalle ins Gesicht schoss, sah man den Boden dampfend vor sich. Nur der starke Schwefelgeruch, der aus blubbernden Pfuetzen zu uns herueberwehte, verriet uns, dass es kein Nebel war. Es stiessen hier also heisse Quellen aus dem Inneren der Erde mit frostig, versteinerten Boden auf ueber 5000 Meter ueber dem Meeresspiegel zusammen. Um die Loecher im Boden war es, durch Bakterien, die in genau diesen heissen Gebieten ueberleben koennen, moosig und der Boden leuchtete frisch gruen auf. Es schien wie eine andere Art von Oase inmitten unwirtlichster Gegend.
Und trotzdem leben Menschen da. Vereinzelt sah man Doerfer – wir durchfuhren eines, dass, nachdem die Berge der Region keine Metalle mehr ausgespuckten, voellig ausgestorben war und nun als Geisterschaft inmitten des Nichts auf seinen entgueltigenVerfall wartete.
Am dritten Tag, in schon Flacheren Gebieten, taten sich zu beiden Seiten Felsbrocken auf. Die wie Findlinge anmutenden Kolosse sassen unabhaengig voneinander im Sand und schienen, als sollte ihre erstaunliche Form irgendeine Botschaft ausdruecken. In einer Anhaeufung dieser Wunderlinge stoppten wir dann auch (als eine von ungefaehr 20 Reisegruppen) um das broeckelige Gestein aus der Naehe zu beobachten und ein paar bessere Aufnahmen machen zu koennen. Die Fotos finden Ihr unter dem Beitrag.
Der vierte Tag allerdings, der letzte dieser Tour, brachte das Highlight: Die Salzwueste selbst.
Frueh am Morgen, noch in der Dunkelheit brachen wir auf, um des Sonnenaufgang ueber dieser endlos scheinenden, absolut flachen Wueste zu sehen. Durch die langen Schatten, die die so flach stehende Sonne warf, gab es lustige Bilder zu Hauf.
In der Wueste, durch die zu fahren ein eigentuemliches Gefuehl ist, machten wir zuerst Station auf der Kakteeninsel. Der Name beschreibt den Ort eigentlich perfekt: Auf einem ploetzlich aus der Wueste herausragendem Felsen finden sich hunderte von Kakteen, die in lustigen Verraekelungen zum Himmel aufragen. Wanderwege ueber die kleine Oase gaben einen wunderschoenen Ausblick ueber das endlose Weiss der Wueste, das erst vonweit hinter dem Horizont hervorragenden Bergketten ihr Ende eingesteht.
Nach dem Mittagessen in der brennenden Hitze ging es weiter ueber die Flaeche zum naechsten Punkt: Dem Nichts. Wahrscheinlich war es ungefaehr die Mitte der Wueste – jedenfalls konnte man fast nicht als Weiss sehen vor lauter Salz Himmel- und so ergaben sich tolle Moeglichkeiten fuer Bilder mit Perspektivspielereien. Ausserdem erklaerte der Guide, der gleichzeitig auch der Jeepfahrer war, die Beschaffenheiten der Wueste: Auf ueber 12.000km2 ist die Salzschicht der groessten Salzwueste der Welte im Durchschnitt 10m dick, an manchen Stellen sogar bis zu 60m. Wenn es regnet wird sie ausserdem zum groessten Salzsee der Welt.
Nachdem wir die Nacht zuvor schon im Salzhostel geschlafen hatten, dass aus Mauern aus Salzbloecken errichtet wurde, konnte man inmitten der Wueste jetzt noch ein komplett aus Salz bestehendes Haus beobachten. Deutlich mehr touristisch als tradiotionell waren die Salzstuehle und -tische, Betten, Fenster und Figuren unterschiedlichster Art trotzdem sehr komisch anzusehen.
Nach ueber 1000 zurueckgelegten Kilomtern Im Jeep endete die Tour zurueck in Tupiza am Abend des vierten Tages.
Um die letzte Stadt auf unserem Weg durch Bolivien moeglichst bald zu erreichen, nahmen wir noch in der gleichen Nacht einen Bus zur Grenze: Nach Villazon, wo es ausser der Grenze aber nichts zu sehen gab. Somit hatten wir nurnoch die Grenze zu ueberqueren, um nach Argentinien zu kommen. Dem letzten Land auf der Liste derer die ich bereisen wollte. Wir sagten also Adios zu Bolivien, dem Land dem ich, trotz der verhaeltnismaessig kurzen Zeit die wir in ihm verbrachten, den Titel meines Beitrages gewidmet habe. Ich haette gerne noch mehr gesehen, noch mehr gewandert um auch abseits der Touristenroute ein wenig das authentischere Bolivien kennenzulernen. Aber der Weg den ich noch vor mir hatte war lang und Argentinien bietet noch viel mehr Moeglichkeiten. Ausserdem wollten wir endlich das Rindersteak probieren, auf das ich mich schon so lange freute!
Und so auch getan. Gleich nach der Ankunft in Salta, der ersten grossen Stadt im noerdlichen Argentinen, machten wir uns auf, die Stadt und das Essen zu erkunden. Der erste Eindruck der Argentinier war fuer unsere Augen unglaublich: Die sehen ja aus wie wir, die Stadt erinnert an Suedeuropa und ueberhaupt kommt man sich ja hier wie in Italien vor!
Was auch nicht sonderlich beeidruckend waere, weiss man doch, dass die Suedamerikaner ein grosser Mischmasch aus Europaern, vorwiegend Italienern und Spanieren, aber auch Deutschen, Polen, Oesterreichern, usw. sind. Doch fuer uns, die wir frisch aus dem indigenen Bolivien kamen, war es schon schon sehr erstaunlich, den Kontrast von einem so armen Land wie Bolivien zu einem so europaeisierten Land wie Argentinien zu erleben.
Das Steak war allerdings schlecht. Um ein moeglichst guenstiges Angebot in moeglichst angenehmer Atmosphaere zu finden suchten wir lange. Am Ende, den Kopf vom Hunger brummend, setzen wir uns nur an den naechstbesten Tisch, was zu Folge hatte, dass das Steak nicht billig und nicht gut war. Aber gut, meine Restzeit in Argentinen war ja noch lang und Steak gab es ueberall.
Nur das Problem mit den Preisen sollte sich nicht loesen. Seid dem Druck des Lonely Planets waren ja schon 2 Jahre vergangen und Argentinien hatte scheinbar erst kuerzlich eine Inflation erlebt – so waren alle Prise um fast das doppelte gestiegen. Addiert mit dem sowieso noch immer schwachen Euro sollte Argentinen nach all den verhaeltnismaessig billigen Laendern nun wirklich noch einmal zum Problem werden.
In Salta sagte ich auch der letzten verbliebenen einer urspruenglich deutlich groesseren Reisegruppe Lebewohl: Willemien fuhr nach Buenos Aires um ihren Vater, der auf zwei Wochen Besuch kam zu begruessen und zu den Hauptattraktionen Argentiniens zu begleiten. Also war ich wieder allein und erkundete so noch ein bisschen Salta: Ein Fussmarsch auf den Stadthuegel mit Blick auf das Zentrum und ein Museeum. Nunja, alleine ist es ja immer langweiliger.
Also machte ich mich bald auf. Um auf dem Weg nach Cordoba noch einen Zwischenhalt zu machen, schlief ich noch einen Nacht in Tucuman, dass aber ziemlich unbeeindruckend war.
In Cordoba kam ich dann Samstag Abend an. Gerade rechtzeitig um Mitternacht, um die erste der so beruehmten Partynaechte der Argentinier zu erleben. Denn Party in Argentinien heisst: Essen gegen 11 Uhr Abends, Rumsitzen und Trinken bis 2-3 Uhr und Ausgehen bis 6-7 Uhr. Als wir, ein paar Leute aus dem recht netten Hostal im Studententeil der Stadt und ich gegen 4 Uhr gen Disko liefen, mussten wir noch eine halbe Stunde davor warten – die Warteschlange war einfach zu lang.
Cordoba besteht aus Studenten. So scheint es einem zumindest. Ist aber auch kein Wunder, hat es doch sieben Universitaeten und ist nach Buenos Aires die groesste Studentenstadt Argentiniens. Die Stadt, die an sich keine besondere aber doch recht schoene argentinische Stadt im Quadratsaufbau ist, bekommt dadurch eine unglaublich junge und moderne Ausstrahlung und es macht einfach nur Spass durch die Strassen zu gehen oder auf dem Plaza Independencia zu sitzen und den vorbeischlendernden Menschen nachzusehen.
Um Cordoba herum, was vielleicht einige von euch schon wissen, waren Agnes und Gordon doch vor fuenf (?) Jahren schon hier, gibt es tolle Natur. Mit Susan und Cole aus dem Hostel unternahm ich zwei Eintagestouren in zwei der beruehmten Plaetze. Leider habe ich davon keine Fotos mehr – werde aber hoffentlich noch welche von den beiden anderen geschickt bekommen.
Zum einen besuchten wir den Geburtsort von Che. Che Guevara, der mehr als weltbekannte Revolutionaer, wohnte in seinen Kinder- und zeitigen Jugendjahren in diesem nun ausgestellten Haus im Reichenviertel in Alta Gracia. Zu sehen gibt es Fotos aus dieser Zeit. Briefe von und an Eltern geben Vorstellung ueber seine so aussergewoehnliche Beruehmtheit.
Anderentags fuhren wir in ein kleines Doerfchen in der naehe von Villa General Belgrano. Die Stadt wirkte, was nach fuenf Monaten puren Suedamerika ein bisschen erschreckend war, sehr deutsch. Die Haeuser sahen aus als kaemen sie direkt aus dem Schwarzwald und auch die Natur, vor allem aber die von reckeckig beschnitten Hecken umzaeunte Gaertchen um Haeuschen mit Giebelholzverbalkung erinnern eher an einen Ort irgendwo in den Alpen. Holzschilder mit deutschen Namen und Begriffen erwecken ein komisches Gefuehl. Doch hoerte man die Menschen sprechen, so wusste man, dass man dich auf einem anderen Kontinent befand. Es sollte zwar noch deutschsprachige Menschen geben, doch ist zumindest die Sprache laengst argentinisiert worden.
Noch ein paar Tagen Cordoba also verliess ich diese schoene Stadt, um meine garnicht mehr so reichlich verbliebene Zeit auch auszunutzen. Ich fuhr also nach Mendoza, wo ich auch jetzt noch bin. Da ich diesen Artikel schon seit vier Tagen schreibe, hat sich auch schon wieder einiges getan hier. Zum Beispiel war ich die letzten zwei Tage Wandern. Mit Michael, einem jungen Israeli, bestieg ich den Gipfel des Penitentes, einem 4.300m hohen Berg der einen wunderbaren Blick auf den Aconcagua gab – dem hoechsten Berg ausserhalb des Himalaya.
Nach dem Eindecken mit genug Essen fuer 2-3 Tage, einem Zelt, Wasser und ausreichend Kleidung machten wir uns also auf, um vom Ort Penitentes aus die vier Stunden entfernt gelegene Berghuette zu erreichen. Bis dahin folgten wir einem klaren und eiskaltes Wasser bringenden Bergfluss, der nur wenige hundert Meter von der Huette entfernt seinen Ursprung hatte. Und nach einer Nacht im kalten Steinhaus wagten wir am fruehen morgen den Aufstieg. Der Weg, der uns nocheinmal 1100 Meter hinauf fuehren wolle, war gut zu erkennen. Probleme machte also nur der stetig steile Anstieg, der uns bis hinauf auf den Gipfel fast fuenf Stunden kostete. Dafuer wurde man dort angekommen mit einem atemberaubenden Rundblick auf die gesammte, einen umgebende Bergkette belohnt – gekroent vom schneebeckten und Angst einfloessenden Aconcagua.
Zurueck ging es am gleichen Tag – das Herunterschlittern im Kies kostete uns nur zwei Stunden und weitere zwei brauchten wir um bis ins Dorf hinterzugelangen. Dort hatten wir, bevor wir den letzten Bus zurueck nach Mendoza nahmen auch noch die Gelegenheit die Puente del Inka anzusehen: Diese Natuerliche Bruecke ueber den Talfluss ist aus purem Gestein und die daneben gelegen heisen Quellen sind wohl auch der Grund fuer diese eigentuemliche Naturkonstruktion. Es gibt ein paar Theorien zur Entstehung der Bruecke, doch eigentlich weiss niemand so recht, wie so etwas enstanden sein koennte. Fotos davon gibt es spaeter.
Der Ausflug war sehr schoen und das Erkunden der Natur auf diese Weise sehr befriedigend. Doch was mir, wenn ich an Mendoza denke wohl am staerksten in Erinnerung bleiben wird ist mein geklauter Rucksack. Ich habe ja nun wirklich schon einige Abschiede von Materiellen Dingen nehmen muessen, auf dieser Reise, doch das wurde nun mein aergster Verlust. Neben der Kamera und allen Fotos all meiner Unternehmungen, die ich dummerweise vorher nicht gesichtert hatte, waren auch tausend anderer kleine Dinge darin, die mir wichtig waren. Erfahrene Traveller kennen das: Der kleine Tagesrucksack ist normalerweise immer mit dabei, denn er enthaelt alles wichtige was man jederzeit braucht und all das, was man eben so aufsammelt und einem etwas bedeutet. Denn darauf passt man staendig auf, er ist immerzu bei einem. Und ich war auch gewoehnt daran! Nur hatte ich nicht erwartet dass, waehrend ich auf der Couch neben der Rezeption schlief um die Zeit bis zum Check-In zu ueberbruecken jemand meinen Rucksack klauen wuerde, der direkt neben mir, neben meinem Kopd stand. Waehrend die Rezeption besetzt war und andere Traveller herumsassen. Aber so war es nun also. Und nun muss ich die letzten Tage ohne all diese Dinge auskommen – was es ein bisschen schwieriger macht, da man steaendig an den Verlust erinnert wird. Ich moechte nicht darueber weinen, doch will ich nur die Wichtigkeit deses Ereignisses klar machen. Der Rucksack, so hatte ich erst ein paar Tage vorher festgestellt, ist das Haus des Reisenden. Es ist sein Reich, sein Eigentum und somit die eigenste und die einzige Kontiinutaet, die dieser hat. Er verlaesst sich jeden Tag darauf und ist mit ihm und deinem gesamten Inhalt eins. Der Verlust dieses ist also, also braeche jemand in ein Haus ein – es ist ein Eindringen in Privatsphaere, in das eigeneste was man denn hat.
Jetzt, da meine Internetzeit schon wieder fast abgelaufen ist und ich sowieso schon viel zu viel Zeit ueber dem Schreiben desen Beitrages gesessen habe, moechte ich diesen nun endlich abschliessen. Die Fotos im Anhang sind leier nicht ganz sortiert da sie von verschiedenen Kameras stammen. Doch ihr fitzt euch schon durch. Es sind auch die einzigen, die ich noch habe.
Entschuldigen moechte ich mich, falls der Beitrag zu lang ist. Und fuer meinen Stil, bzw die Stilbrueche, die ich, das weiss ich, wohl der haeufig habe. Zum einen kommt das, da ich in mehreren Tagesetappen geschrieben habe und meine Gefuehle dabei immer anders waren. Zum anderen, wenn es denn stimmt, liegt es an Thomas Mann. Sein Zauberberg hat mich nun schon seit drei Monaten begleitet und war mein einziger andauernder Kontakt mit der deutschen Sprache. Da habe ich wohl auch einiges aufgepickt. Doch damit ist es seit dem Rucksackklau ja auch zu Ende.
Ich verabschiede mich aus Mendoza und melde mich wahrscheinlich aus Buenos Aires wieder. In meinen verbliebenen 11 Tagen moechte ich noch Bariloche und ein bisschen mehr vom Suedzipfel Argentiniens -Patagonien- sehen, bevor ich noch eine Woche zum Erkunden von Buenos Aires habe. Feuerland werde ich wohl nicht mehr sehen – dafuer ist auf dieser Reise einfach keine Zeit mehr.
Ich hoffe euch gehts gut und ihr habt den nunmehr fast im Ende befindenen Winter in Deutschland gut uebestanden.
Bis Bald,
Euer Mathis









































































































































































































































