Vom Land der Superlativen

März 3, 2009 - 2 Antworten

Und wieder ist viel Zeit vergangen, seitdem ich diesen Weg der Kommnuikation mit der Welt das letzte Mal gewaehlt habe. Was nicht heissen muss, dass ich untaetig war! – Ich habe in verschiedenen Computerrumsitzstunden viele, viele Fotos hochgeladen – was lange dauert. Worueber ich aber jetzt gluecklich bin, es gemacht zu haben. Denn, um es gleich am Anfang zu erzaehlen: Auch Argentinien ist nicht sicher. Im Hostel wurde mir gestern mein kleiner Rucksack geklaut, mit all den Dingen darin, die man immer braucht, die, zwar nicht unbedingt zu wertvoll, aber Nutz- und auf jeden Fall Erinnerungswert haben. So zum Beispiel meine Kamera mit Fotos der ganzen Reise, mein MP3-Player, mein  kleines Notizheft und einfach all diese kleinen Dingen, die ich unterwegs gesammelt habe und dir mir wichtig geworden sind. Nunja, ich lasse mich spaeter nochmal darueber aus. Im Moment versuche ich gerade das Hostal, hat es doch schon keine Versicherung, dazu zu ueberreden, mir ein bisschen Geld auszuzahlen. Wahrscheinlich klappts nicht..
Aber um die Chance der Ueberleitung zu nutzen: Das Geld war ja schon am Ende meiner letzten Meldung von Bedeutung. (Es ist es ja auch immer.) Schliesslich machte ich mich auf, um in Lima auf das Eintreffen meiner Geldkarte zu hoffen. Ich weiss nicht ob es Karma ist oder was auch immer, mit Geldangelegenheiten habe ich wohl einfach kein Glueck. Ich wartete vier Tage vergebens.
Nungut, vergebens ist auch nicht ganz richtig. Denn Lima ist, entgegen aller schlechten Meinungen, die ich schon darueber gehoert habe, eigentlich ganz schoen! Vielleicht liegt es aber eben auch genau an diesen, dass ich es schoen fand. Denn man erwartet wenig und ist freudig ueberrascht, wenn es einem doch irgendwie gefaellt.
In Lima angekommen habe ich mich, wie vorher durch nuetzlichnuetzlich Facebook verabredet, mit Willemien getroffen, einem weiteren hollaendischen Maedchen, das ich zwei Monate vorher in Quito kennengelernt habe.  Mit ihr und noch ein paar Jungs aus dem Hostel haben wir erstmal das Nachtleben von Perus Hauptstadt ausgetestet. (Es ist gut ;) ) Und zusammen haben wir einen Tag spaeter Silvana und Benjamin in Empfang nehmen duerfen, welche, nachdem sie sich langsam ihren Weg durch Nordperu geschlagen hatten, nun wieder die gleiche Route wie wir hatten.
Zu viert haben wir Lima ein bisschen erkundet und waren, das vor allem uns sehr oft, essen. Denn das Essen da ist einfach umwerfend! Vor allem nach der langen, zaehrenden Durchquerung dieser Wueste einer Esskultur, die Equador, Kolumbien und Venzuela qualvoll einschliesst, waren wir froh, in einem Land angekommen zu sein, dass seine traditionellen Speisen hoch ehrt und einiges darauf setzt sie gut zu praesentieren. Und so billig! Die taeglichen Almuerzo-Menues (Mittag) umschlossen hier eine Suppe, Ceviche (Roher Fisch-Salat), eine Hauptspeise (vor allem leckeren Fisch) und einen Salat nebst Freigetraenk fuer 6 Soles, umgerechnet also knapp 1,50€. Uuuh!
Neben Essen gab es aber noch ein bisschen Kultur. Andere Kultur. Kirchenkunde, koennte man fast sagen! In einer der alten, kolonialen Kirchen der Altstadt naemlich liegen die Gebeine (Und Schaedel und eigentlich alles) von 10.000en von Einwohnern. In der Ersten Jahren der Stadt durfte aus irgendeinem Grund kein Friedhof angelegt werden. Und so wurden die Knochen, wahrscheinlich erst nach Jahren der Verwesung in gesonderten Kammern, sortiert und in Gruben gelegt. Heute ist es ein schauriges Bild, das einen erwatet, wenn man in die dunklen, miefigen Katakomben hinuntergeht und die Knochen gestapelt in Metertiefen Gruben sieht. Leider habe ich kein Foto (mehr).
Die Geldkarte allerdings, wegen der ich ja hauptsaechlich diesen Abtecher nach Lima gemacht habe, blieb fern. Also weiter mit Western Union.

Einen Tag brachen wir auf um unseren Weg an Perus Kueste fortzusetzen. Erstes Ziel: Pisco. Die Stadt selbst ist langweilig und eher bedrueckend. 2 Jahre zuvor wurde sie durch ein ziemlich starkes Erdbeeben nahezu vollstaendig zerstoert – 80 Prozent der Haueser waren zertruemmert und man sieht die Schaeden heute noch ueberall. Der Grund fuer unsere Reise dahin war allerdings eine Inselgruppe, ein weiteres „Gallapagos fuer Arme“, wo man nocheinmal zwar nicht die konzentrierte Schoenheit des Originals, aber immerhin ein paar der vielen Tiere beobachten kann, die beruehmt fuer diesen Teil der Welt sind. So sind wir mit einem der vielen Touristenboote um die Inseln herumgefahren und konnten, unter hoellischem Laerm und mit Kopfbedeckung zum Schutz gegen Bombardements, Humboldt-Pinguine, Seeloewen, verschiedene Abarten der Blaufusstoelpel und andere Vogeltypen beobachten. Ach da sind mal schoene Fotos entstanden. Gottseidank habe ich eine kleine Auswahl schon letzte Woche hochgeladen.
Spannender und deutlich actionreicher wurde es dann in Huacachina. Huacachina, ca. 5 Busstunden suedlich von Lima, liegt direkt in der Wueste und sieht, von oben aus betrachtet, wie eine Comicoase aus: Ein paar Haeuser um einen mit Palmen umsaehten See inmitten der sandigen, grenzenlosen Wueste. (Okay, die Swimmingpools verfaelschen das Bild ein wenig.) Und es ist tatsaechlich so: Schaut man Richtung Meer, das ein paar Hundert Kilometer entfernt ist, sieht man nicht anderes als Sand ueber Sand. Der Blick gen Osten zeigt einem den Uebergang zu anderen Terretorien: Steil emporragende Berge, die, trocken wie die ganze Landschaft, vom zusaetzlich anwehenden Sand eine helle Ostseite haben und ferner im Horizont langsam gruenere, fruchtbarere Landschaften markieren. Als ich in der Wueste ankam, fuehlte ich mich an Erzaehlungen, Geschichten, Filme erinnert. Das typische Bild des fast Verdursteten, der nach tagelanger Wanderung in der Wueste nichtmehr unterscheiden kann ob es eine Fatamorgana ist, die er sieht oder doch eine echte Wasserquelle.
Die Action hierbei heisst: Sandboarden! Es ist natuerlich supertouristisch und gehoert eigentlich zum Beschaeftigungsbereich einer Touristenart, die ich normalerweise meide. Doch das war super! Im Duehnenbuggy ging es in einer kleinen Gruppe superschnell durch die Wueste, rauf auf die Duehnen und wieder runter. Da man in der Wueste wenige Anhaltspunkte hat um sagen zu koennen wie schnell man sich tatsaechlich fortbewegt, ist es schwer fuer mich, es auf eine Geschwindigkeit festzulegen.. Aber soviel sei gesagt: Es war sehr schnell!
Ab und zu stoppte der Buggy dann am Rande einer hohen Duehne. Von Mal zu mal wurden sie hoeher und steiler. Aber: Es ist nicht zu schlimm. Obwohl ich noch nie Snowboard gefahren bin, habe ich es nach ein paar Uebungsrunden schon ganz gut hinbekommen, cool aussehend den Berg hinunterzurutschen. Hier gab es sogar mal ein Video..
Das naechste Ziel war Nasca. Durch die vielen Erzaehlungen irgendwo getroffener Bagpacker waren wir schon vorbereitet und die Entaeuschung war nicht allzu gross, als wir dann tatsaechlich ankamen. In der Ferne hat man ein sehr romatisches Bild davon: Die uralten Linien, von zwar geklaertem Alter aber noch immer ungeklaerter, mystisch umschwaermter Herkunft. Ein Besuch da in Realitaet heisst aber: Eine Entscheidung treffen zwischen einem voellig ueberteuerten Rundflug bei dem Vielen vor lauter Uebelkeit alles Interesse vergeht, oder aber einen Aussichtspunkt ersteigen, von dem man ein paar der Linien im Sand einfach so sehen kann. Fuer zweiteres entschieden fuer uns – natuerlich. Der Aussichtspunkt sollte direkt an der Strasse vor dem Ort Nasca liegen und so waren wir erstaunt, als uns der Busfahrer inmitten der flachen Einoede sagte: Hier ist es, hier muesst ihr raus. Unten im Text findet ihr ein Foto dieses Miradors. Sucht nach einem etwa 20 Meter hohen Turm von dem aus ihr auch ein paar verschwaschene (es fing auch noch an zu regnen) Fotos der Linien sehen koennt. Naja, die Entauschung war dann doch wieder recht gross.
In Nasca trennten sich die Wege von mir und meinen Gefaehrten wieder einmal, da diese noch Machu Picchu sehen wollten, dass ich ja schon im Alleingang besucht hatte. Also fuhren die drei anderen nach Cusco und ich weiter an der Kueste, nach Arequipa.
Arequipa liegt auf etwa 2500 Meter Hoehe und in einem, noch immer sehr trockenen Gebiet. Folglich gibt es einige Probleme mit der Wasserversorgung. Auch wenn Hostels und arme aber reiche Traveller davon nicht betroffen werden.

Ich wollte dort ein paar Tage ausruhen, ein bisschen was unternehmen und auf meine Freunde warten, die wohl eine Woche fuer Cusco und Rest brauchen wuerden. Also unternahm ich was: Ich versuchte mich im Bergsteigen. Nicht klettern, keine Sorge, nur kraxeln. Arequipa liegt naemlich in einer bergigen Zone. Die zwei Riesen, die es Tag und Nacht bewachen, sind um die 6000 Meter hoch und gelten, da vulkanischer Herkunft und nicht zu steil, als einfachste ihrer Art. Und so wollte ich, ungelert aber optimistisch, den Chinchero besteigen: 6080m. Ich buchte also eine Tour und am naechsten Tag gings los: Mit dem Jeep in 3 Stunden holpriger Fahrt bis hoch auf 5100m, wo nach Packen der Kraxen und Checken der Auruestung der erste Teil der Strecke zurueckgelegt werden sollte. Der Jeep fuhr zurueck und wir, eine Gruppe von 5 Personen und 2 Guides, machten uns auf den Weg ins 300 Hoehenmeter entfernte Basislager. Der Aufstieg in dieser Hoehe verlaeuft ungefaher im Tempo einer Schnecke. Man kann zwar streckenweise ein bisschen schneller laufen, aber hinterher nimmt es einem den Atem fuer eine verhaeltnismaessig lange und nicht lohnende Zeit. Davon abgesehen, dass man immer Probleme mit der Hoehe haben kann und das der Koerper, solche Regionen und rapiden Druckunterschiede nicht gewoehnt, sehr komisch reagieren kann. Diese Erfahrung musste leider auch ich machen. Im Basecamp angekommen und nach dem Aufbauen der Zelte fuehlte ich schon, dass etwas nicht stimmt. Beim Essen konnte ich kaum etwas herunterkriegen, ich hatte schlagende Kopfschmerzen und, trotz Einnahme einer Hoehenkrankheitstablette, die wohl den Koerper nur unterstuetzt und nicht schon Bestehendes aendern kann, war mir schwindlig. Als ich dann auch das wenig gegessene wieder ausbrach, wandte ich mich an die Guides um zu beraten, was zu machen sei. Die meinten, da geplant sei um 1 Uhr nachts den Aufstieg zu machen, koennte ich entweder hier ausharren bis die anderen in etwa 10 Stunden zurueck seien oder ein wenig herunter gehen und dort mein Zelt aufbauen um alleine zu warten oder aber, die sicherste Variante, einen Rettungsjeep anheuern, der mich wieder nach unter bringt. Da die Guides in jedem Fall zu zweit mit auf den Gipfel mussten, um da fuer die noetige Sicherheit zu sorgen, sah ich mich, nur der Variante einer ewig langen Wartezeit in lebensunfreundlichster Umgebebung gegenueberstehend, gezwungen, Variante drei zu waehlen – also den teuren Rettungsjeep. Der wurde angeheuert und es sollte etwa drei Stunden dauern, bis ich, bei voelliger Dunkelheit und von einem der Guides gefuehrt, wieder die 300 Meter runterrutschen konnte, wo mich der Jeep aussammeln sollte. Bis zur Zeit des Abstiegs aber musste ich noch im Zelt ausharren. Da machte ich die Erfahrung, was „Hoehenschlaflosigkeit“ heisst und wie kalt es tatsaechlich ist, auf 5.400 Metern. Es ist sehr kalt. (Minus 8 Grad war es wohl.) Leider wusste ich nicht, dass man seine Schuhe selbst im Schlafsack lieber anbehaelt und so wurden meine Fuesse, ohne Schuhe und trotz zwei paar dicker Socken darueber, so kalt, dass ich die Zehen nicht mehr spueren konnte und mich, ein bisschen aengstlich geworden, doch wieder fuer die Schuhe entschied.
Als der Jeep dann wie geplant ankam und mich auf die teuerste Zweitundenfahrt meiner Reise nahm, wurde es aber mit jedem Meter nach unten besser und in Arequipa angekommen ging es mir schon wieder, von Entaeuschung und Muedigkeit mal abgesehen, wieder sehr gut.
Interessant ist: Alle 4 anderen Mitglieder meiner Gruppe hatten keinerlei Problem. Aber allesamt kamen sie direkt aus Puno oder Cusco und waren so eine Hoehe von 3.600m gewohnt. Das war wohl entscheidend. Kam ich ja schliesslich von Lima und damit von Meereshoehe. Nungut, eine Erfahrung mehr.
Die naechsten Tage verbrachte ich mit Museen-Besuchen, rumlaufen und Entspannen. Eines der berichtenswerten Museen war das der Juanita. Die „Eisprinzessin“ selbst war zwar wegen Restaurierung und Forschung nicht ausgestellt. Dafuer allerdings eine ihrer nicht minder eindrucksvollen Schwestern. Da sie ziemlich bekannt sind nehme ich mal an, dass Ihr wisst, dass sie zwei der auf knapp 6000m von den Inkas zu Ehren des Sonnen- und Mondgottes geopferten Kinder sind, die, nach Hunderten von Jahren im Eis bestens konserviert, nun noch immer mit Haut und Haaren zu bestaunen sind. Auch ein bisschen gruselig..
Ausserdem in Arequipa, dieser schoenen, „weissen“ Kolonialstadt, habe ich das erste Mal Voluntaersarbeit gemacht. Zwar nur fuer einen Tag, aber nun immerhin ueberhaupt mal. In meinem Hostel sah ich die Werbung fuer das „Freiwilliger fuer einen Tag“-Projekt, wo man u.A. laenger da arbeitenden Freiwilligen einen Tag lang beim Ausbau einer Schule in einem der sehr trockenden und sehr armen Vororte zur Hand gehen kann. Die Schule war, als ich dort anfing, halb fertig. Zwei der vier geplanten Klassenraeume wurden schon zum Unterricht genutzt, die anderen waren erst halbfertig. Da wir an diesem Tag nur du dritt waren und die Arbeit die noch zu tun war nur allzu deutlich zu sehen war, fuehlte ich mich gut, als ich mit meinen Faehigkeiten hier ein wenig helfen konnte: Fuer die Elektrik haette normalerweise ein Elektriker kommen muessen, der Lampen, Schalten und Steckdosen in einem der neuen Raeume montiert. Da es aber nicht so schwer ist und elektrische Dinge in diesen Laendern sowieso immer haarstraeubenst aussehen und trotzdem funktionieren (auch mit Elektoschock in der Dusche), war mein Wissen ausreichend, dort diese Dinge zu installieren und somit einen kleinen, kleinen Beitrag geleistet zu haben – auch wenn die Arbeit, die den Freiwilligen noch bevorsteht, sehr umfangreich ist.
Ich habe auch ein paar Fotos von dem Bezirk gemacht, wo die Nachmittagsschule gebaut wurde. Da es so trocken ist und Wasser Mangelware, kamen auch einige Kinder zu uns, um nach Wasser zu fragen. Die Vaeter und Muetter arbeiten entweder in der Stadt oder auf den Bergen gleich neben der Tuer, wo sie auf die Huegel steigen und das sproede Gestein nur durch Bewerfen mit anderen Steinen zum Rutschen bringen. Unten wird es dann gesiebt und das zerkleinerte Material kann als Mischzugabe fuer Baustoffe verkauft werden. Eine sehr langwierige und sehr gefaehrliche Arbeit.

Nach eine Woche kamen wie geplant Silvana, Ben und Willemien nach Arequipa, um mit mir zusammen den Colca Canyon zu bewandern: Den tiefsten Canyon der Welt.
Er nicht wirklich wie man sich einen Canyon den vorstellt, z.B. wie der Gran Canyon in den Staaten, er ist mehr eine Schlucht die sich, wenn man von weither sehend kommt,  zwar ploetzlich im Boden auftut, wenn man naeher kommt sich aber eher wie ein langen, breites Tal zwischen den Bergen anfuehlt.
Nach irgendeiner Definition darf und soll man es aber Canyon nennen und so ist das kleine Fluesschen am Boden desselbigen eben der Fluss, der, neben dem Wind im Uebrigen, der Faktor fuer das Entstehen dieses nun also tiefsten Canyons der Welt ist.
Die Gegend ist, wie schon gesagt, sehr trocken. Normalerweise regnet es um diese Jahreszeit dort auch sehr viel doch haben Ozonloch und Erderwaermung auch hier endlich zugeschlagen und begruenden noch mehr Duerre, Wassermangel und Landwirtschaftprobleme also ohnehin schon.
In eben dieser Landschaft wollten wir wandern. Die Gegend ist bekannt und beliebt da man hier unter anderem auch Kondore sehen kann. Die meissten nehmen geplante Zwei- oder Dreitagestouren durch den Canyon aber man kann es ohne Probleme auch selbst organisieren. So sind wir vier plus Gael, ein noch im Hostel aufgegabeltes Maedchen, los, um den Bus dorthin zu nehmen. Auf dem Weg stoppte der Bus am Cruz der Condor, wo wir dann auch tatsaechlich welche beobachten und fotografieren konnten. Nach zwei Stunden warten.
Die Wanderung fuehrte am ersten Tag vom Ausgangsdorf Cobanaconde in den Canyon – ueber 3500 Hoehenmeter nach unten. Dort gibt es ein Handvolle kleiner aber sehr netter Familienunterkuenfte die, dank Solarzellentechnik, sogar heisses Wasser produzieren und den Touristen so einen kleinen Standart an Komfort bieten. Nach einer Nacht in dieser wanderten wir einen ganzen Tag -gut, eher einen halben, es war nicht sehr weit- bis zur „Oase“, wo auf einem kleinen gruenen Streifen inmitten des Flusses am Grunde des Canyons gleich fuenf Unterkuenfte nebst Pool gegeneinander konkurrierten. Am Fusse der zu besteigenden Seite des Canyons gelegen, ging es dann nach ruhiger Nacht am fruehen Morgen los zum vielbefuerchteten Aufstieg. Statt geplanten vier Stunden legten wir diesen aber ruhigen Schrittes in zweieinhalb zurueck und goennten uns als Belohnung eine Portion Alpaca-Fleisch. Bilder dieses niedlichen Tieres muesste ich auch hochgeladen haben. Und es ist wirklich lecker!
Zurueck in Arequipa, kurz vor dem Aufbruch Richtung Bolivien sagten wir noch Adios zu Benjamin, der seinen Weg ueber Chile gehen wollte, so dass ich nurnoch allein mit den zwei hollaendischen Maedchen war. Ausserdem musste ich kurz vor der Abfahrt leider feststellen, dass man mir in der Western Union-filiale beim Auszahlen einer Ueberweisung im Stapel gut versteckte falsche Dollarnoten gebeben hatte. Ein Besuch in der Fililiale brachte allerdings nichts und so reihte sich dieses Erlebnis in die inzwischen erschreckend lange Liste unangenehmer Vorkommnisse ein.

Auf nach Bolivien. Um dahin und zu unserem ersten Ziel dort, dem Titicacasee zu kommen, durchkreuzten wir Puno. Und da kann man, wie man auf den Suedamerikanischen Gringopfaden wandelnd stetig mitgeteilt bekommt, die schwimmenden Inseln sehen. Es haette mich schon sehr gereizt, diese anzuschauen, erinnern sich mich in ersten Linie doch an Jim Knopf, der zusammen mit Lukas dem Lokomotivfuehrer eine dieser schwimmenden Inseln an seine kleine Lok bindet und -die Lok geteert und fugendicht gemacht- sie an seine Heimatinsel zieht, um dort neben seinen Freunden mehr Platz zum Wohnen zu schaffen. Doch wie man uns vorher sagte: Es sind mehr schwimmende Touristeninseln als alles andere und ein Besuch ist zwar schoen aber wird durch die vielen, vielen Besucher einfach ruiniert. Also waren wir genau da nicht.
Stattdessen sind wir schnell durch Puno durchgefahren und nach einer weiteren langen Busfahrt (ueber Laenge von Busfahrten und wie man diese fuehlt kann man im uebrigen ganze Passagen schreiben.. mache ich vielleicht noch mal) und einer recht unkomplozierten Grenzueberquerung waren wir schon drin, im Land der Superlativen.

Bolivien hat eine spannende Geschichte. Einst einmal deutlich groesser gewesen, verlor es in der zweiten Haelfte des 19. Jahrhunderts im Salpeterkrieg gegen Chile weite Teile an dieses – unter anderem seinen Zugang zum Meer. In weiteren Kriegen gegen Paraguay verlor es weitere Teile des Landes, wurde stark geschawaecht und resultierend aus weniger Moeglichkeiten zum Wirtschaftswachstum wegen fehlenden Meereszugang hat das Land nie einen grossen Aufschwung erlebt. Es ist das hoechste Land der Welt, das aermste (und billigste) Suedamerikas und das Land mit dem groessten Anteil an indigener Bevoelkerung: 80% des Landes sind Quechua, Aymaras oder kleinere Indio-Voelkergruppen. Mit Evo Morales ist schon seit Jahren der erste indigene Praesident an der Macht, der gerade in den letzten Jahren fuer Schlagzeilen gesorgt hat. Er ist unbestreitbar links gerichtet, arbeitet mit Hugo Chavez und, nach dem Rausschmiss der US-Botschafter aus dem Land, vermehrt auch mit Russland zusammen und hat erst kuerzlich mit Russland eine staerkere militaerische Zusammenarbeit beschlossen und, Gott weiss warum, Marinetechnik gekauft. Letztes Jahr versuchte er durch ein Referendum seine unendliche Wiederwahl zu erreichen, fehlte aber da, wo Hugo Chavez vor kurzer Zeit beim zweiten Versuch Erfolg hatte.

Und dahin fuhren wir nun also.
Nach der Grenzueberquerung war der Weg nach Copacabano nicht mehr weit – der Stadt am Titicacasee, von der man aus die wunderschoene Isla der Sol erreichen kann. Das taten wir dann auch gleich. Nach langer Bootsfahrts ueber den blauen See erreichten wir die Insel am Nachmittag – gerade noch rechzeitig um ein paar Inkaruinen zu besichtigen – die letzten auf meiner Reise. Nach einer Unterkunft mussten wir nicht suchen. Als das Boot anlegte kamen etwa 20 kleine Kinder auf den Stek gerannt und fragten „nececita habitacion?“ – Brauchst du eine Unterkunft? Nein, wir hatten schon eine. Die Kinder, die das allerdings jeden Tag und ueberhaupt die ganze Zeit taten, gaben nicht auf zu fragen, waren aber auch nicht beleidigt wenn man nein sagte. Sie waren scheinbar einfach nur voellig darangewoehnt diese 2 Worte zu fragen, denn als ich sie ein bisschen was zurueckfragte antworteten sie erst garnicht und fragten gleich darauf wieder: Nececita habitacion? Es war ein bisschen gruselig. Doch gibt es auf der Insel wohl auch eine Schule, die die Kinder normalerweise besuchen, nur waren gerade eben Schulferien.
Der Blick von der Isla del Sol auf den Titicacasee ist wunderschoen. Bei klarem Wetter am morgen sieht man die letzten Berge ganz weit hinten am Horizont aufklaffen und am Nachmittag, wenn die Wolken darueber ziehen und vom Himmel durch ihre Absolute Weisse nichtmehr zu unterscheiden sind, sieht es aus, als waere der See ein Meer. Auf der Insel ist es ruhig, was nicht normal ist: Normal ist dauerhafte Beschallung aus allen Ecken mit meisst furchtbar schlechter Musik: Modernem, pervers-einoedenen Raeggeton oder kreischigen, taditionell-modernisierten Indigena-Songs. Da aber nicht.
Am zweiten Tag, und viele neue Freundschaften zu den zu der Zeit staendig und ueberall herumreisenden Argentiniern spaeter, fuhren wir mit dem Schiff auf den Suedteil der Insel, um auch dort nochmal eine Nacht in der so erfrischenden Stille zu uebernachten. Am naechsten Tag ging es dann nach La Paz.
La Paz ist, im hoechsten Land der Welt nach dem Besuchen des hoechsten Sees der Welt, die hoechgelegenste Hauptstadt der Welt. Offiziell ist es das zwar noch nicht -das ist noch immer Sucre- doch Regierungsgebaeude und das Hauptstadtleben sind in La Paz. Die Stadt selbst ist nicht besonders schoen, zeichnet sich nur durch seine Hoehe aus. Und die Dinge, die man von da unternehmen kann.

Da gibt es zum einen die sogenannte Todesstrasse. Ist es sie zwar nichtmehr heute, so war es sie zweifellos einige Jahre zuvor. Sie windet sich im Norden der Stadt von hohen 4000m in den 3500 Meter weiter unten gelegenen Djungel und ist, zwar ein wenig befestigt, doch staendigen Erdrutschen, schlechten Wetterverhaeltnissen im allgemeinen und vor allem voellig verrueckten Fahrern ausgesetzt. Nachdem 2001 ein vollbesetzter Bus in die Tiefe stuerzte, demonstrierten die Menschen von La Paz (Bolivier protestieren eigentlich immer) fuer eine neue, geteerte Strasse, die dann auch letztes Jahr fertig gestellt wurde. Seitdem ist die Touristenindustrie dort in die Hoehe gesprungen. Die gab es allerdings auch schon vorher, mit viel Verkehr! Nun, gibt es auf der alten Strasse mehr Fahrraeder als Autos. Diese fahren aber noch immer und machen den sehr actionreichen, viertstuendigen Downhillride auch noch ein bisschen gefaehrlicher. Nichtsdestotrotz kommen taeglich viele, viele Touristen, um diese Mountainbikabfahrt zu erleben. Denn nebem dem Kick, dem einen die Saga um die „Most dangerous Road of the World“ gibt, ist die Landschaft die man, wenn man ab und an mal von der Strasse vor einem wegschaut oder sogar man anhaelt, wunderschoen. Erst kahl und kalt in den oberen Teilen sieht man die Vegetation im Nu sich Aendern und schwitzt, unter 1500 Metern angekommen, doch schon ziemlich stark. Am Ende bekommt man ein Buffet in einer der vielen, extra dafuer eingerichteten Djungel-Lounges und ein T-Shirt als Beweis, dass man ueberlebt hat.

Ausserdem und nicht weniger superlativ ist das San Pedro Prison. Mitten in La Paz liegt dieses, einen ganzen Block einnehmende Gefaengnis, dass schon seit Jahren in der Travellerszene bekannt ist. Umso mehr seit ein paar Jahren, als der Anwalt eines dort wegen Drohenhandels einsitzenden Englaenders ein Buch ueber diese verrueckte Institution schrieb.
Man geht auf den Plaza San Pedro und steht herum. Dann kommt der viel-beschriebene Jimmy, ein Suedafrikaer, zu einem, und fragt wie es geht und ob man denn nicht das Gefaengnis sehen wolle. Das Gefaengnis? Na klar, warum nicht, ist man doch schon einmal hier. Und schon gehts rein in den voellig verrueckten, aber gewohnten und taeglich mehrfach ablaufenden Vorgang. Die Gruppe geht zum Eingang und wird zu einem nahe gelegenen Raum geschleust. Dort bezahlt recht viel Geld und wird gebeten seine Emailadresse geben (machen natuerlich alle) und seine Kameras in die Hosentaschen zu packen. Die Polizei am Eingang kontrolliert naemlich nur die Rucksaecke und Umhaengetaschen. Und dann gehts auch schon rein und man wird begruesst von Luis, der allerdings nur einer der Gefangenen ist, die den Tourismus im Gefaengnis betreiben. Er erzaehlt einem beim dreistuendigen Rundgang eine Menge ueber die Geschiche des Gefaengnisses und noch mehr Geschichten ueber den Alltag und das Leben hier drin. Es gibt sechs Bloecke, die alleine schon sehr gross sind. Jeder Block hat mehr als 100 Zellen, die sich die Insassen, je nachdem wie lange sie einsitzen, mieten oder auch kaufen koennen. Es gibt bessere Bloeck und schlechtere und sogar einen fuer Internationale Gefangene. Zwischen den Bloecken kann jeder hin und her laufen. Im Gefaengnis gibt es keine oder nur sehr wenige und nur tagsueber postierte Polizisten. An jeder Ecke gibt es kleine Laeden, Restaurant, Kunsthandwerksstaende, die zwar meisst fuer die Insassen selbst sind, sich inzwischen aber auch schon auf die Touristenindustrie eingelassen haben. Waerend die Gruppe durch das Gefaegnis gefuehrt wird, bewachen Bodyguards (andere Insassen) die Umgebung. Aber die Blicke all der hier lebenden Menschen verraten, dass sie sehr gewohnt sind, an die aenglich dreinschaeuenden und stetig fotografierenden Touristen. Selbst zu gut angezogenen Frauen (es gibt wirklich sehr daemliche Touristen) wird nicht uebermaessig zufiel hinterhergepfiffen. Es sind ja schliesslich auch viele Frauen der Insassen hier. Obwohl es ein reines Maennergefaengnis ist, leben hier viele der rund 1500 Maenner mit ihren Familien. Sie sind meisst diejenigen, die Restaurants und kleinere Betriebe betreiben. Die Frauen und Kindern gehen ein uns aus wie sie wollen. Ab und kommen Kinder und Maenner zu den Touristen und machen mit Gesten auf sich aufmerksam. Die Maenner wollen Zigaretten, die Kinder Suessigkeiten. Beides haben die Touristen meisst schon deshalb mit sich. Wenn man will, kann man sich sogar Bodyguards und eine Zelle fuer die Nacht mieten. Aber dann, so meint Luis, wird es krtisch. In den fruehen Morgenstunden ziehen die Gangs in den Gaengen entlang und loesen ihre Konflikte. Luis zeigt auf den kleinen Pool im Innenhof eines der Bloecke und meint: Niemand geht dort baden. Dort holen die Polizisten am Morgen die Opfer dieser Bandenkriege heraus. Dann erklaert Luis das Prioritaetssystem in San Pedro: Wer Geld hat kann alles machen, wer keines hat muss Arbeiten und hat deutlich schlechtere Chancen auf Ueberleben. Die Insassen sind wegen unterschiedlichster Gruende hier – die meissten allerdings wegen Kokainschmuggels. Er selbst, Luis, wollte ein grosses Paket halb fertigen Kokains in sein Heimatland Portugal schmuggeln und wurde am Flughafen abgefangen, nachdem ein Hund ihn verraten hatte. Aber im Gefaengnis ist Kokain ueberhaupt kein Problem, es ist wahrscheinlich auch einer der grossen Produkteure der Stadt. Am Ende der Tour bietet Luis auch jedem etwas an. Weil er es muss, sagt er, er selbst will es garnicht. Er muss moch weitere sechs Monate drin bleiben und bis dahin 2000 Dollar aufgetrieben haben – soviel moechte der Richter haben um ihn danach gehen zu lassen.

Eine weitere Besonderheit Boliviens ist das Koka. Die Geschichte ist sehr verworren. Zum einen sind Kokablaetter hoechst traditionell, seit jeher mit der Geschichte verbunden und von den Menschen zum kauen benutzt. Andererseits gibt es vielen illegalen Anbau der Pflanzen, was Bolivien nach Kolumbien zum zweitgroessten Kokainhersteller der Welt macht. Das war der offizielle Grund fuer George Bush, Bolivien auf die Schwarze Liste der Laender mit zu wenig Aktionen gegen den Drogenanbau zu setzen. Zwei Tage zuvor allerdings hatte Bolivien den amerikanischen Botschafter nach langen Zoegern des Landes verwiesen, weil er sich „fuer die Opposition stark machte und so die politische Spaltung des Landes vorrantrieb“.
Und tatsaechlich sind Koka und sein mit Chemikalien durchwalktes Endprodukt allgegenwaertig. Man kann beides fast ueberall kaufen, das eine legal, das andere sogutwie. Das eine fuer die Einheimischen, das andere wohl eher fuer die Touristen. Das ist superlativ.

Nach ein paar Tagen in La Paz also, wo ich beim Artesanial-Shopping am letzten Tag neben einem schoenen Alpaca-Pullover fuer mich auch die meissten meiner Mitbringel gekauft habe (seit gespannt..), fuhren wir weiter. Jetzt in die offizielle Hauptstadt, die zwar nicht die Stadt mit den meissten Menschen ist, doch aber die Hauptstadt der reicheren Teiles des Landes, der seit ca. einem Jahr gegen die Regierung Morales auftritt und eine seperate Regierung fordert.
Sucre ist eine weitere, sehr schoene Kolonialstadt im Herzen Boliviens, inmitten des alten, ganz fruehen Inkareichs und der spaeter wichtigen oekonomischen Zentren der Spanier.
Wir allerdings schliefen nur eine Nacht da und nahmen am Tag darauf einen Bus nach Potosi. Silvana musste sich beeilen um puenktlich zum Karneval in Rio zu sein und Willemien bekam Besuch von ihren Eltern in Buenos Aires. Ich selbst hatte ja noch einiges vor und obwohl ich gerne mehr von dem so erstaunlichen Bolivien gesehen haette ging ich mit den beiden, um auch noch laenger in netter und vertrauter Begleitung zu sein. Schliesslich sind die Personen mit denen man reist ja mindestens genauso wichtig wie die Orte die man sieht. Ein Ort kann noch so schoen sein – wenn man ihn alleine besucht, hat man einfach niemanden dem man sagen kann, wie toll es ist. Und wenn es an sich keinen gibt, des es schaehrt was man denn so treibt, dann ist der ganze Moment umsonst. Was nicht heissen soll, dass man nicht auch alleine Spass haben kann – Gerade dann hat man manchmal sogar bessere und auf jeden Fall intensivere Erfahrungen! Doch kann ich, soviel weiss ich inzwischen, das nur Geniessen wenn ich weiss, dass es jemanden gibt dem ich das Erlebte auch erzaehlen kann. Dass ich wohin zurueckgehen kann, eine Basis habe von der aus ich selbststaendige Ausfluege unternehmen kann. – Soviel zu meiner Rechfertigung.
In Sucre, jedenfalls und noch immer, habe ich nur beim Vorbeilaufen und sehr zufaellig, ein deutsches Konsulat entdeckt, dass neben dem Buero ein Restaurant betreibt, dass deutsche Speisen in einem alten, kolonialen Haus anbietet. Eigentlich wollte ich den deutschen Konsul fragen, was er mit der besonderen Verbindung Bolivien mit Deutschland auf sich hat. Schon vorher war mir aufgefallen, dass es in ganz Bolivien vielmehr deutsche Baeckereien, Restaurantes und ueberhaupt Namen gibt, als in den Laendern in denen ich schon gewesen bin. Ein kleines Tonflugzeug auf dem Indigena-Artensial Markt hatte auf seinem Bauch zum Beispiel „Deutschland-Bolivien“ stehen. Leider habe ich mich letzlich nicht getraut, den Deuschen Konsul bei der Arbeit zu stoeren. Wenn es also jemand von Euch weiss, dass sage er bitte was. Allerdings habe ich dort seit langem mal wieder eine Deutsche Speise gegessen. Ich habe vergessen was, doch wurde es mit Sauerkraut serviert.
Am Morgen machten wir uns nun also auf nach Potosi. Leider fuhren die Busse sehr unguenstig, so dass wir erst mittags ankamen und schon Angst hatten, einen Tag lang umsonst in der sonst nicht sehr besonderen Stadt zu bleiben, nur um die Tour in die alten Silberminen zu machen, die wir unbedingt noch sehen wollten. Aber es war nicht zu spaet, wir kamen gerade recht zum Beginn einer Tour der besseren Agenturen (wir wollten hier nun doch mal auf ein wenig mehr Sicherheit setzen) und starteten also gleich nach Ankuft in der Stadt. Ein Jeep pickte uns drei und fuenf weitere auf, um uns zusammen mit zwei Guides zum Ersten Punkt der Tour zu fuehren: Dem Minenarbeitermarkt. Hier bekam man erstes zur Mine erklaert und was man zur Geschichte noch nicht wusste, konnte man von den erstaunlich gut englich sprechenden Guides erfahren.
Eine kurze Zusammenfassung der Geschichte der Minen: Schon zu Inkazeiten wurde im Cerro Rico, dem reichen Berg, Silber abgebaut. Als die Spanier kamen und die Inkas ueberrannen, entdeckten sie die Minen und nach anfaenglich noch ruhigem Abbau wuchs Potosi nach einigen Jahren zu einer der Weltgroessten Staedte heran. Uebere mehrere Jahrhunderte war der Silberabbau im Cerro Rico einer der wichtigsten finanziellen Stuetzen der Spanier. In den Bergwerken, die menschenunwuerdigste Verhaeltnisse hatten, kamen in der Besatzungszeit der Spanier geschaetze acht Millionen Menschen um – Zwangsarbeiter aus der Gegend und ganz Suedamerika uns verschiffte Sklaven aus Afrika. Frueher arbeiteten um die 14.ooo Menschen gleichzeitig in den Bergwerken. Heute sind sie verstaatlicht und die Bergarbeiter in Kooperativen organisiert. In den noch immer nicht oder schlecht gesicherten Stollen kriechen noch heute ca. 1500 Arbeiter durch voellige Dunkelheit, nur durchhaltend durch staendiges kauen von Koka.
Wir also waren auf dem Arbeitermarkt. Nach den einfuehrenden Worten des Guides, wurden wir gebeten Coca-Cola zu kaufen und auch etwas Dynamit – als Geschenk fuer die Arbeiter, durch deren Stollen wir uns zwengen wuerden. Und ausserdem auch noch ein bisschen Dynamit fuer uns selbst.
Nach dem Eindecken mit hochexplosiven Sprengstoffen ging es zum naechsten Teil der Tour, zur Fabrik. Man erklaerte uns, wie die aus dem Berg geholten Steinhaufen gefiltert, gewaessert, chemisch aussortiert wurden, um das gewollte Produkt letzlich in Saecke zu verpacken und zu verkaufen. Und dann ging es auch schon in den Berg, in die voellige Dunkelheit.
Die ersten Meter, die man herein laeuft sind noch nicht s0 schlimm. Der Stollen ist hoch, man kann aufrecht gehen und die Kopflampe auf dem Kopf leuchtet alles so gut aus, dass man das gefuehl hat, einen Raum zu betreten. Nach etwa 50 Metern wird die Vorstellung mit dem Raum unrealistisch und nach weiteren 50 Metern die Luft heisser und stickiger. Dann ging es ploetzlich runter und der Guide meinte: Das ist das zweite Level. Insgesamt gibt es sieben, wir wuerden aber nur drei sehen. Die Luft ist zu schlecht ganz unten und ungeuebte Touristen koennten da nicht umherwandeln. Und wirklich war die Luft schon da sehr schlecht und man haette das Tuch, das man sich schuetzender Weise vor den Mund gebunden hatte, am liebsten heruntergerisen, um Luft atmen zu koennen. Ersticken muss schrecklich sein.
Dann ging es ein weiteres Level hinab. Den Bahngleisend foldgend meinte der Fuehrer bald: Aufpassen, gleich kommt eine Lore! Und nach schnellem zur Seite treten kam der mit tonnenschweren, metallhaltigen Stein angefuellte Metallwaggon vorbei, gezogen von zwei schnaufenden Kumpel und geschoben von zwei weiteren.
An einer der Lifte konnten wir dann auch beobachten, wie Loren entleert werden und mit welcher Haeufigkeit Material angeschafft wurde. Eigentlich ist es genau so, wie man es sich vorstellt: Simpel. Es gibt kaum Technik, die Mineros haben zwar Kopflampen, wenn sie jedoch die Loecher in den Stein schlagen, um Platz fuer Dynamit zu schaffen, arbeiteten sie, geuebt, praezise auf den Meissel schlagend, in voelliger Dunkelheit. Mit Druckluft, dass in langen Rohr-Schlauch Kombinationen in die Tiefe gefuehrt wird, werden die Lifte betrieben – soviel ist Technik. Aber darueber hinaus geht es nicht. Keine Schutzanzuege, keine Atemmasken. Nur Koka. Die Mineros sterben nach durchschnittlich 10 Jahren stetigen Arbeitens an Staublunge, das Durchschnittsalter betraegt 35. Viele sterben frueher durch Unfaelle. Aber es arbeiten auch viele Kinder da – der Guide meinte, der Juengste sei acht Jahre alt. Er selbst begann mit neun Jahren, in den Minen zu arbeiten. So wie sein Vater und seine Brueder. Dass er jetzt Touristen durch die Stollen fuehrt, ist wahrscheinlich seine Rettung. Und bringt, wenn auch weniger Ehre, so mit Sicherheit mehr Geld ein. Im Durchschnitt stirbt noch heute jeden Tag ein Arbeiter.
Im Hostel traf ich dann auch einen Kanadier, der versuchte ein Freiwilligenprojekt auf die Beine zu stellen: Zum Aufbau eines Gemeindezentrums. Es wollte ein Bewusstsein schaffen, gegen die Kinderarbeit und fuer eine allgemein menschlichere Gemeinschaft. Er hatte wohl schon mit Politikern gesprochen und versucht ein wenig aufzustacheln. Aber im so armen Bolivien wird es wohl ausser Bagpackern wenige erreichen, die sich wirklich dafuer einsetzen. Die Probleme liegen einfach woanders und sind zu gross.

Eigentlich wollten wir Potosi noch am selben Tag verlassen. Aber schon als wir in die Minen gingen, ging es Silvana sehr schlecht und beim Herausgehen konnte sie kaum mehr laufen. Der Arzt, den die Touragentur fuer uns bestellte, bestaetigte auch gleich die Selbstdiagnose: Sie hatte eine Nierenentzuendung. Um ihr guten Schlaf und einen Tag Ruhe zu goennen, brachen wir also erst einen Tag spaeter auf. Dann nach Tupiza.

Tupiza zeichnet sich durch nichts aus. Ausser dass sie eine der Ausgangsbesuche fuer die Tour durch die Salar de Uyuni darstellt, gibt es keinen Grund dieses Staedtchen zu besuchen. Aber genau deshalb waren wir ja auch da.
einen Abend vor der Tour feierten wie noch Abschied. Silvana hatte entschieden, die Tour ihrer Gesundheit zuliebe nicht zu machen und statt dessen gemaechlicher nach Rio zu reisen. Keine schlechte Idee, aber schade wars schon. Und so assen wir erst gut Pizza, bevor wir uns aufmachten dem Urprung der lauten Musik zu folgen, zu dem scheinbar auch die ganze Stadt pilgerte. Einheimische erzaehlten uns dann, es sei der Beginn der Karnevalswoche, der hier mit der Wahl der Reyna del Carneval beginnt, der Koenigin des Karnevals. Im Grunde war es nichts anderes als eine Schoenheitskoenigin, aber es war interessant anzusehen, wie jeder Bezirk fuer die ihrige Kandidatin bruellte und nach und nach die schoenste unter der Maedchen ausgewaehlt wurde.

Fuer die Wuestentour mussten wir frueh aufstehen. Zusammen mit 2 deutschen Jungs und einem Englaender quetschen Willemien und ich uns in der recht engen Jeep und die Fahrt ging los.
Ich hoffe die Fotos koennen mehr ueber die total verrueckte Landschaft aussagen, als ich es zu beschreiben faehig bin. Teile der Strecke fuhren wir durch Gegenden, die auch gut als Drehplatz fuer Mondfilme haetten dienen koennen, andere erinnerten eher an Science Fiction-Streifen auf dem Mars.
Die ersten drei Tage ging es durch diese staubige, trockene Landschaft, die sich, bestaendig durch Bergketten und komischste Steinformationen besetzt, langsam abflachte und am Ende gar sandwuestige Verhaeltnisse aufzeigte. In kleinen Doerfern auf dem Weg gab es sehr einfache Unterkuenfte, in denen die extra dafuer mitfahrende Koechin erstaunlich gutes Essen zubereite, bevor man im Schlafsack vor der Kaelte zuflucht nahm. Denn es ging ziemlich hoch hinaus: Die Huetten lagen zwischen 4000 und 5000 Hoehenmetern. Am dritten Tag fuhren wir mit dem Jeep sogar bis auf 5100m, um dort ein beeindruckendes Naturschauspiel zu bestaunen: In eisiger Kaelte stehend und gegen den Wind ankaempfend, der einem Schneekristalle ins Gesicht schoss, sah man den Boden dampfend vor sich. Nur der starke Schwefelgeruch, der aus blubbernden Pfuetzen zu uns herueberwehte, verriet uns, dass es kein Nebel war. Es stiessen hier also heisse Quellen aus dem Inneren der Erde mit frostig, versteinerten Boden auf ueber 5000 Meter ueber dem Meeresspiegel zusammen. Um die Loecher im Boden war es, durch Bakterien, die in genau diesen heissen Gebieten ueberleben koennen, moosig und der Boden leuchtete frisch gruen auf. Es schien wie eine andere Art von Oase inmitten unwirtlichster Gegend.
Und trotzdem leben Menschen da. Vereinzelt sah man Doerfer – wir durchfuhren eines, dass, nachdem die Berge der Region keine Metalle mehr ausgespuckten, voellig ausgestorben war und nun als Geisterschaft inmitten des Nichts auf seinen entgueltigenVerfall wartete.
Am dritten Tag, in schon Flacheren Gebieten, taten sich zu beiden Seiten Felsbrocken auf. Die wie Findlinge anmutenden Kolosse sassen unabhaengig voneinander im Sand und schienen, als sollte ihre erstaunliche Form irgendeine Botschaft ausdruecken. In einer Anhaeufung dieser Wunderlinge stoppten wir dann auch (als eine von ungefaehr 20 Reisegruppen) um das broeckelige Gestein aus der Naehe zu beobachten und ein paar bessere Aufnahmen machen zu koennen. Die Fotos finden Ihr unter dem Beitrag.
Der vierte Tag allerdings, der letzte dieser Tour, brachte das Highlight: Die Salzwueste selbst.
Frueh am Morgen, noch in der Dunkelheit brachen wir auf, um des Sonnenaufgang ueber dieser endlos scheinenden, absolut flachen Wueste zu sehen. Durch die langen Schatten, die die so flach stehende Sonne warf, gab es lustige Bilder zu Hauf.
In der Wueste, durch die zu fahren ein eigentuemliches Gefuehl ist, machten wir zuerst Station auf der Kakteeninsel. Der Name beschreibt den Ort eigentlich perfekt: Auf einem ploetzlich aus der Wueste herausragendem Felsen finden sich hunderte von Kakteen, die in lustigen Verraekelungen zum Himmel aufragen. Wanderwege ueber die kleine Oase gaben einen wunderschoenen Ausblick ueber das endlose Weiss der Wueste, das erst vonweit hinter dem Horizont hervorragenden Bergketten ihr Ende eingesteht.
Nach dem Mittagessen in der brennenden Hitze ging es weiter ueber die Flaeche zum naechsten Punkt: Dem Nichts. Wahrscheinlich war es ungefaehr die Mitte der Wueste – jedenfalls konnte man fast nicht als Weiss sehen vor lauter Salz Himmel- und so ergaben sich tolle Moeglichkeiten fuer Bilder mit Perspektivspielereien. Ausserdem erklaerte der Guide, der gleichzeitig auch der Jeepfahrer war, die Beschaffenheiten der Wueste: Auf ueber 12.000km2 ist die Salzschicht der groessten Salzwueste der Welte im Durchschnitt 10m dick, an manchen Stellen sogar bis zu 60m. Wenn es regnet wird sie ausserdem zum groessten Salzsee der Welt.
Nachdem wir die Nacht zuvor schon im Salzhostel geschlafen hatten, dass aus Mauern aus Salzbloecken errichtet wurde, konnte man inmitten der Wueste jetzt noch ein komplett aus Salz bestehendes Haus beobachten. Deutlich mehr touristisch als tradiotionell waren die Salzstuehle und -tische, Betten, Fenster und Figuren unterschiedlichster Art trotzdem sehr komisch anzusehen.
Nach ueber 1000 zurueckgelegten Kilomtern Im Jeep endete die Tour zurueck in Tupiza am Abend des vierten Tages.
Um die letzte Stadt auf unserem Weg durch Bolivien moeglichst bald zu erreichen, nahmen wir noch in der gleichen Nacht einen Bus zur Grenze: Nach Villazon, wo es ausser der Grenze aber nichts zu sehen gab. Somit hatten wir nurnoch die Grenze zu ueberqueren, um nach Argentinien zu kommen. Dem letzten Land auf der Liste derer die ich bereisen wollte. Wir sagten also Adios zu Bolivien, dem Land dem ich, trotz der verhaeltnismaessig kurzen Zeit die wir in ihm verbrachten, den Titel meines Beitrages gewidmet habe. Ich haette gerne noch mehr gesehen, noch mehr gewandert um auch abseits der Touristenroute ein wenig das authentischere Bolivien kennenzulernen. Aber der Weg den ich noch vor mir hatte war lang und Argentinien bietet noch viel mehr Moeglichkeiten. Ausserdem wollten wir endlich das Rindersteak probieren, auf das ich mich schon so lange freute!

Und so auch getan. Gleich nach der Ankunft in Salta, der ersten grossen Stadt im noerdlichen Argentinen, machten wir uns auf, die Stadt und das Essen zu erkunden. Der erste Eindruck der Argentinier war fuer unsere Augen unglaublich: Die sehen ja aus wie wir, die Stadt erinnert an Suedeuropa und ueberhaupt kommt man sich ja hier wie in Italien vor!
Was auch nicht sonderlich beeidruckend waere, weiss man doch, dass die Suedamerikaner ein grosser Mischmasch aus Europaern, vorwiegend Italienern und Spanieren, aber auch Deutschen, Polen, Oesterreichern, usw. sind. Doch fuer uns, die wir frisch aus dem indigenen Bolivien kamen, war es schon schon sehr erstaunlich, den Kontrast von einem so armen Land wie Bolivien zu einem so europaeisierten Land wie Argentinien zu erleben.
Das Steak war allerdings schlecht. Um ein moeglichst guenstiges Angebot in moeglichst angenehmer Atmosphaere zu finden suchten wir lange. Am Ende, den Kopf vom Hunger brummend, setzen wir uns nur an den naechstbesten Tisch, was zu Folge hatte, dass das Steak nicht billig und nicht gut war. Aber gut, meine Restzeit in Argentinen war ja noch lang und Steak gab es ueberall.
Nur das Problem mit den Preisen sollte sich nicht loesen. Seid dem Druck des Lonely Planets waren ja schon 2 Jahre vergangen und Argentinien hatte scheinbar erst kuerzlich eine Inflation erlebt – so waren alle Prise um fast das doppelte gestiegen. Addiert mit dem sowieso noch immer schwachen Euro sollte Argentinen nach all den verhaeltnismaessig billigen Laendern nun wirklich noch einmal zum Problem werden.
In Salta sagte ich auch der letzten verbliebenen einer urspruenglich deutlich groesseren Reisegruppe Lebewohl: Willemien fuhr nach Buenos Aires um ihren Vater, der auf zwei Wochen Besuch kam zu begruessen und zu den Hauptattraktionen Argentiniens zu begleiten. Also war ich wieder allein und erkundete so noch ein bisschen Salta: Ein Fussmarsch auf den Stadthuegel mit Blick auf das Zentrum und ein Museeum. Nunja, alleine ist es ja immer langweiliger.
Also machte ich mich bald auf. Um auf dem Weg nach Cordoba noch einen Zwischenhalt zu machen, schlief ich noch einen Nacht in Tucuman, dass aber ziemlich unbeeindruckend war.
In Cordoba kam ich dann Samstag Abend an. Gerade rechtzeitig um Mitternacht, um die erste der so beruehmten Partynaechte der Argentinier zu erleben. Denn Party in Argentinien heisst: Essen gegen 11 Uhr Abends, Rumsitzen und Trinken bis 2-3 Uhr und Ausgehen bis 6-7 Uhr. Als wir, ein paar Leute aus dem recht netten Hostal im Studententeil der Stadt und ich gegen 4 Uhr gen Disko liefen, mussten wir noch eine halbe Stunde davor warten – die Warteschlange war einfach zu lang.
Cordoba besteht aus Studenten. So scheint es einem zumindest. Ist aber auch kein Wunder, hat es doch sieben Universitaeten und ist nach Buenos Aires die groesste Studentenstadt Argentiniens. Die Stadt, die an sich keine besondere aber doch recht schoene argentinische Stadt im Quadratsaufbau ist, bekommt dadurch eine unglaublich junge und moderne Ausstrahlung und es macht einfach nur Spass durch die Strassen zu gehen oder auf dem Plaza Independencia zu sitzen und den vorbeischlendernden Menschen nachzusehen.
Um Cordoba herum, was vielleicht einige von euch schon wissen, waren Agnes und Gordon doch vor fuenf (?) Jahren schon hier, gibt es tolle Natur. Mit Susan und Cole aus dem Hostel unternahm ich zwei Eintagestouren in zwei der beruehmten Plaetze. Leider habe ich davon keine Fotos mehr – werde aber hoffentlich noch welche von den beiden anderen geschickt bekommen.
Zum einen besuchten wir den Geburtsort von Che. Che Guevara, der mehr als weltbekannte Revolutionaer, wohnte in seinen Kinder- und zeitigen Jugendjahren in diesem nun ausgestellten Haus im Reichenviertel in Alta Gracia. Zu sehen gibt es Fotos aus dieser Zeit. Briefe von und an Eltern geben Vorstellung ueber seine so aussergewoehnliche Beruehmtheit.
Anderentags fuhren wir in ein kleines Doerfchen in der naehe von Villa General Belgrano. Die Stadt wirkte, was nach fuenf Monaten puren Suedamerika ein bisschen erschreckend war, sehr deutsch. Die Haeuser sahen aus als kaemen sie direkt aus dem Schwarzwald und auch die Natur, vor allem aber die von reckeckig beschnitten Hecken umzaeunte Gaertchen um Haeuschen mit Giebelholzverbalkung erinnern eher an einen Ort irgendwo in den Alpen. Holzschilder mit deutschen Namen und Begriffen erwecken ein komisches Gefuehl. Doch hoerte man die Menschen sprechen, so wusste man, dass man dich auf einem anderen Kontinent befand. Es sollte zwar noch deutschsprachige Menschen geben, doch ist zumindest die Sprache laengst argentinisiert worden.

Noch ein paar Tagen Cordoba also verliess ich diese schoene Stadt, um meine garnicht mehr so reichlich verbliebene Zeit auch auszunutzen. Ich fuhr also nach Mendoza, wo ich auch jetzt noch bin. Da ich diesen Artikel schon seit vier Tagen schreibe, hat sich auch schon wieder einiges getan hier. Zum Beispiel war ich die letzten zwei Tage Wandern. Mit Michael, einem jungen Israeli, bestieg ich den Gipfel des Penitentes, einem 4.300m hohen Berg der einen wunderbaren Blick auf den Aconcagua gab – dem hoechsten Berg ausserhalb des Himalaya.
Nach dem Eindecken mit genug Essen fuer 2-3 Tage, einem Zelt, Wasser und ausreichend Kleidung machten wir uns also auf, um vom Ort Penitentes aus die vier Stunden entfernt gelegene Berghuette zu erreichen. Bis dahin folgten wir einem klaren und eiskaltes Wasser bringenden Bergfluss, der nur wenige hundert Meter von der Huette entfernt seinen Ursprung hatte. Und nach einer Nacht im kalten Steinhaus wagten wir am fruehen morgen den Aufstieg. Der Weg, der uns nocheinmal 1100 Meter hinauf fuehren wolle, war gut zu erkennen. Probleme machte also nur der stetig steile Anstieg, der uns bis hinauf auf den Gipfel fast fuenf Stunden kostete. Dafuer wurde man dort angekommen mit einem atemberaubenden Rundblick auf die gesammte, einen umgebende Bergkette belohnt – gekroent vom schneebeckten und Angst einfloessenden Aconcagua.
Zurueck ging es am gleichen Tag – das Herunterschlittern im Kies kostete uns nur zwei Stunden und weitere zwei brauchten wir um bis ins Dorf hinterzugelangen. Dort hatten wir, bevor wir den letzten Bus zurueck nach Mendoza nahmen auch noch die Gelegenheit die Puente del Inka anzusehen: Diese Natuerliche Bruecke ueber den Talfluss ist aus purem Gestein und die daneben gelegen heisen Quellen sind wohl auch der Grund fuer diese eigentuemliche Naturkonstruktion. Es gibt ein paar Theorien zur Entstehung der Bruecke, doch eigentlich weiss niemand so recht, wie so etwas enstanden sein koennte. Fotos davon gibt es spaeter.
Der Ausflug war sehr schoen und das Erkunden der Natur auf diese Weise sehr befriedigend. Doch was mir, wenn ich an Mendoza denke wohl am staerksten in Erinnerung bleiben wird ist mein geklauter Rucksack. Ich habe ja nun wirklich schon einige Abschiede von Materiellen Dingen nehmen muessen, auf dieser Reise, doch das wurde nun mein aergster Verlust. Neben der Kamera und allen Fotos all meiner Unternehmungen, die ich dummerweise vorher nicht gesichtert hatte, waren auch tausend anderer kleine Dinge darin, die mir wichtig waren. Erfahrene Traveller kennen das: Der kleine Tagesrucksack ist normalerweise immer mit dabei, denn er enthaelt alles wichtige was man jederzeit braucht und all das, was man eben so aufsammelt und einem etwas bedeutet. Denn darauf passt man staendig auf, er ist immerzu bei einem. Und ich war auch gewoehnt daran! Nur hatte ich nicht erwartet dass, waehrend ich auf der Couch neben der Rezeption schlief um die Zeit bis zum Check-In zu ueberbruecken jemand meinen Rucksack klauen wuerde, der direkt neben mir, neben meinem Kopd stand. Waehrend die Rezeption besetzt war und andere Traveller herumsassen. Aber so war es nun also. Und nun muss ich die letzten Tage ohne all diese Dinge auskommen – was es ein bisschen schwieriger macht, da man steaendig an den Verlust erinnert wird. Ich moechte nicht darueber weinen, doch will ich nur die Wichtigkeit deses Ereignisses klar machen. Der Rucksack, so hatte ich erst ein paar Tage vorher festgestellt, ist das Haus des Reisenden. Es ist sein Reich, sein Eigentum und somit die eigenste und die einzige Kontiinutaet, die dieser hat. Er verlaesst sich jeden Tag darauf und ist mit ihm und deinem gesamten Inhalt eins. Der Verlust dieses ist also, also braeche jemand in ein Haus ein – es ist ein Eindringen in Privatsphaere, in das eigeneste was man denn hat.

Jetzt, da meine Internetzeit schon wieder fast abgelaufen ist und ich sowieso schon viel zu viel Zeit ueber dem Schreiben desen Beitrages gesessen habe, moechte ich diesen nun endlich abschliessen. Die Fotos im Anhang sind leier nicht ganz sortiert da sie von verschiedenen Kameras stammen. Doch ihr fitzt euch schon durch. Es sind auch die einzigen, die ich noch habe.
Entschuldigen moechte ich mich, falls der Beitrag zu lang ist. Und fuer meinen Stil, bzw die Stilbrueche, die ich, das weiss ich, wohl der haeufig habe. Zum einen kommt das, da ich in mehreren Tagesetappen geschrieben habe und meine Gefuehle dabei immer anders waren. Zum anderen, wenn es denn stimmt, liegt es an Thomas Mann. Sein Zauberberg hat mich nun schon seit drei Monaten begleitet und war mein einziger andauernder Kontakt mit der deutschen Sprache. Da habe ich wohl auch einiges aufgepickt. Doch damit ist es seit dem Rucksackklau ja auch zu Ende.

Ich verabschiede mich aus Mendoza und melde mich wahrscheinlich aus Buenos Aires wieder. In meinen verbliebenen 11 Tagen moechte ich noch Bariloche und ein bisschen mehr vom Suedzipfel Argentiniens -Patagonien- sehen, bevor ich noch eine Woche zum Erkunden von Buenos Aires habe. Feuerland werde ich wohl nicht mehr sehen – dafuer ist auf dieser Reise einfach keine Zeit mehr.
Ich hoffe euch gehts gut und ihr habt den nunmehr fast im Ende befindenen Winter in Deutschland gut uebestanden.

Bis Bald,
Euer Mathis

Que Chevere!

Januar 8, 2009 - 3 Antworten

Ajajaj, schon wieder fast fuenf Wochen her, seit dem letzten Eintrag und schon wieder gibt es so viel zu schreiben. Und schon wieder habe ich wohl die Haeflte vergessen und werde auch davon nur die Haelfte aufschreiben koennen. Aber nun, frisch ans Werk.

Heute, an einem der ersten Januartage, haenge ich so in Cusco rum. DER Stadt, um Ausfluege ins Inkaland und dem unvermeidlichen Machu Picchu zu machen. Aber der Weg hierhin ist, wenn ich den Standort meines letzten Beitrages so betrachte, ziemlich weit..

Die Frage vom letzten Mal war ja: Was ist eine Chiva? Ich muss selbst gerade ueberlegen, so lange wie es her ist.. Achja: Ein Partybus! Ein doppelstoppiger Bus, der, mit einer lokalen Musikkapelle auf dem Dach, durch die Stadt faehrt und, laut und schwankend durch die Strassen brausend, ziemlich viel Aufmerksamkeit erregt. Und es wird viel Alkohol ausgeschenkt, damit es auch zum echten Erlebnis wird. Nun, so sollte es sein. Unsere Chiva war jedoch wohl eher eine Sparversion dessen. Mit einer voellig uebermuedeten Band, einem kaum alkoholischen Halbwarmgetraenk und einer Polizeikontrolle mitten in der Stadt zaehlt es wohl nicht zu den Dingen, die ich weiterempfehlen wuerde. Aber andere sagten mir, dass es auch richtig Spass machen kann. Nun, jedenfalls so oder so aehnlich liefen die Tage in Cusco ab. Recht viel rumhaengen und von den langen Naechten erholen. Und deswegen machten wir uns auf nach Baños.

Baños ist wohl den meissten Reisenden hier bekannt; es ist eines der Haupttouristenziele und liegt auf der sogenannten Gringoroute. Aber nichtsdestotrotz hat das kleine Oertchen im equadorianischen Hochland einen sehr angenehmen Charme. Bekannt ist es fuer die (namensgebenden ([Banjos] bedeuted Baeder)) heissen Quellen, die, natuerlich, eine heilende Wirkung haben, wenn man sie denn regelmaessig nutzt. Durch die touristische Nutzung der Stadt ergeben sich da aber auch viele andere Moeglichkeiten die Tage auszufuellen. So haben wir eine Tagesfahrradtour gemacht, die, in Baños beginnend, einer sich zwischen den Bergen nach unten schlaengelnder Strasse folgt. Die Route heisst „La ruta de la cascadas“, die Route des Wasserfaelle. Insgesamt kann man glaub ich neun davon sehen, die mehr oder weniger herausragend schoen sind. Aber der Weg selbst und die Natur drumherum ist schon ziemlich beeindruckend. Ausserdem konnte man an einer der Bruecken, die man ueberquert, in die Tiefe springen. Mit einer Art Bungee (Wohl eher Pendelsprung, denn man pendelt, am Seil haengend, zwischen den zwei Bruecken) kann man sich da in eine Schlucht herunterstuerzen. Auch ich musste (gezwungen da die anderen es vormachten) aufs Gelaender klettern und die ungeheure Angst ueberwinden, den letzten Schritt nach vorn zu machen und herunterzufallen. Das Wissen, dass es eigenntlich voellig unnuetz ist und das Gefuehl, den eigenen Koerper zu ueberwinden, der sich im Grunde mit jeder Muskel dagegen strebt, ist sehr besonders und hinterher ist die Freude umso groesser, wenn man es denn wirklich gemacht hat. Ein sehr intensives Erlebnis.

Vielleicht angestachelt davon, sind wir am naechsten Tag gleich ins naechste Abenteuer gesprungen und haben eine Raftingtour teilgenommen. Das Wasser war zwar schrecklich kalt und hat den Spass ein wenig gemildert, doch insgesamt ist es schon ziemlich cool, durch Stromschnellen zu paddeln, sich mit den Fuessen im Boot festzukrallen und in riesige Wellen zu rasen. Sehr schoen!

Ohjeh, ich merke schon, wenn ich so detailliert weiterschreibe, werde ich nichtmehr fertig, mit dem heute noch aufzuschreibenden Monat voller Erlebnisse. Also von nun an Fokus auf einzelne Dinge und in der Gesamtheit kuerzer gefasst.

Nach den paar erholsamen Tagen wollten wir eigentlich direkt an die Kueste, um auch mal die equadorianischen Straende kennezulernen. Doch in Quito war DAS Jahresfest und wir mussten sowieso durch die Stadt um nach Osten zu kommen und so blieben wir, wieder einmal, ein paar Tage dort. Stierkampf haben wir keinen gesehen, aber dafuer die voellig ueberfuellte Stadt und froehlich tanzende Menschen an jeder Ecke. Vielleicht ein bisschen so, wie man sich Suedamerika zu Karnelvalszeiten vorstellt. Nagut, wohl ein bisschen weniger noch und auch deutlich kaelter, aber es war sehr schoen anzusehen und mitzumachen.

Nun schon vor einem Monat haben wir dann endlich Quito verlassen und sind die 12 Stunden an die Kueste gefahren, nach Montañita, was wohl im verhaeltnis genauso touristisch, dafuer aber umso kleiner und angenehmer ist als Quito. Es ist eigentlich ein absolutes Surferdudedorf. „The Wave“ ist scheinbar ganz gut da und so sieht man viele stolz herumlaufende Buddies, die ihre Boards und ihre Koeper zur Schau stellen. Lustig durchbrochen wird diese Gruppe von ein paar im Dorf haengengeblieben Hippies, die ihre Kunstprodukte verkaufen, einem Dutzend Strassenhunde, dass immer dort ist wo die Menschen sind und allen auf den Geist geht, und auch ein paar Travellern, die nur ein paar Tage am Strand verbringen moechten. So auch wir, die wir dort fast eine Woche waren, um, kurz vor der equadorianischen Hochsaison, in der (gefuehlte) alle Bewohner des Landes an die Kueste pilgern, noch ein misschen Sonne zu tanken. Ich habe auch ein bisschen probiert zu surfen und habe sogar ein paar Wellen erwuescht, aber auf dem Brett stehen zu bleiben und die Welle entlang zu surfen ist eine Faehigkeit, die man sich lange lange erarbeiten muss.

Im Land herumreisend wurde die ehemalig recht grosse Gruppe von Reisenden, die wir uns in und um Quito zusammengefunden hatten, immer kleiner und als auch noch Larissa und Jonathan in Montañita blieben um dort Weihnachten zu verbringen, waren wir beim verlassen des Dorfes nurnnoch 3 Personen: Silvana, Benjamin und ich. Zusammen nahmen wir dann einen Bus nach Guayaquil, der groessten Stadt Equadors, die aber nicht besonders schoen ist und nebenbei auch erdrueckend heiss und ein bisschen gefaehrlich ist. Deswegen also blieben wir nur einen Tag da und gingen sobald wie moeglich nach Riobamba weiter, zurueck ins Hochland von Equador. Die Stadt liegt ziemlich nahe am Chimborazo, dem hoechsten Berg des Landes. Der Gipfel des Berges ist der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernte Punkt (Die Erdkruemmung entlang des Aequators) und kann man ihn auch besteigen, was wir eigentlich versuchen wollten. Doch einen Tag nach Meeresniveau geht das nicht und mehr Zeit zum akklimatisieren hatten wir nicht also wurde daraus nichts. Denn am naechsten Tag wollten wir schon wieder weiter. Mit dem beruehmten Hochlandzug (Zuege gibts nicht so viele hier) eine Tagestour zur „nariz del diablo“, zur Teufelsnase machen, einer Steinformation in den Bergen. Leider ging der Zug in der ersten Etappe nach einer halben Stunde kaputt (Gottseidank wollte der Lokfuehrer nicht ohne funktionierende Vorderbremsen weiterfahren) und wir hatten nur ca. eine Stunde statt geplanten drei bis vier.

Nach der Zugfahrt, es war schon Mitte Dezember, wollte ich langsam meinen Weg nach Peru einschlagen, um puenktlich zu Weihnachten im fernen Cusco anzukommen. Doch auf dem Weg nach Cuenca, was der naechste logische Schritt und dazu eine sehr schoene Stadt im suedlichen Equador war, machten wir noch in Ingapirca halt. Ingapirca ist der Name der groessten, schon ausgegrabenen Inkaanlage von Equador und lohnt auf jeden Fall einen Besuch. Auch wenn es, wie ich jetzt weiss, nicht an die in Peru hinterbliebenen Festungs- und Stadtanlagen herankommt. Nun, das wusste ich da ja noch nicht und so machten wir uns auf dem Weg, um mit verschiedenen Kleinbussen das abgelegene Dorf zu erreichen. Mit uns, auch von der etwas entaeuschenden Zugfahrt kommend, waren eine handvoll Kanadier, mit denen wir zusammen die Ruinen besuchten. Zum ersten mal in meinem Leben habe ich dort auch Joga probiert (Caroline macht das fast beruflich). Die Staette dafuer war bestimmt ganz toll, aber, wie mir auch schon vorher berichtet wurde, das erste Mal ist meisst mehr komisch als entspannend und so war ich hinterher nicht allzu verwirrt. Umsomehr dafuer die ansaessigen Indigenas, die unglaeubig tratschend auf uns zeigten.

Im Bus nach Cuenca musste ich leider feststellen, dass einer meiner MP3-Player wohl aus meinem Rucksack rausgeklaut wurde. Jetzt habe ich, nachdem ja auch schon mein Handy in Quito geblieben ist, nurnoch ein Viertel meiner urspruenglichen Musiksammlung bei mir und die Busfahrten werden desto langweiliger, je weniger Auswahl man hat. Auch die verbliebenen Bands tuen mir leid, werde ich sie zurueck in Deutschland wohl erstmal ein Jahr lang nichtmehr anhoeren koennen.

Cuenca ist beruehmt fuer seine sehr schoene Altstadt, die auch immerzu mit der Quitos verglichen wird. Wirklich erkunden konnte ich sie leider nicht; ich musste mich schon auf den Weg nach Peru machen. Doch der Stadtvibe war ziemlich beeindruckend; gerne waere ich laenger geblieben.

In Cuenca musste ich Ben und Silvana leider verlassen. Sie wollten nicht nach Cusco durchhetzten, wie ich es vorhatte und Weihnachten lieber noch in Equador verbringen. Nach sechs Wochen zusammen reisen, haben wir uns schon recht gut angefreundet und gerade dann, wenn man wieder aus der faulig-trottigen Gewohnheit des Gemeinschaftsbeschlusses rausgeworfen wird, ist es ein bisschen komisch, wieder alleine einen Plan zu machen. Aber ganz alleine war ich ja nicht. Zusammen mit den Kanadiern habe ich die Grenzuebergangsnervereien ueberstanden und habe einen sonnigen Tag in Mancora, einem weiteren heissen Surferstaedtchen an der Kueste vebracht. Dann musste ich aber auch ihnen Lebewohl sagen und mich auf meine lange Reise nach Cusco machen. Die stelle sich doch ein bisschen schwieriger heraus, als gedacht.

Der Bus nach Lima war zwar noch kein Problem, abgesehen vom Preis, der, weil alle Leuten dann fahren moechten, um die Weihnachtszeit kraeftig in die Hoehe geht. Nach 20 Stunden in Lima angekommen war vielmehr das Problem, einen Bus nach Cusco zu finden, denn auch dahin wollen wohl alle Menschen kurz vor Jahresende. Nach einer Stunde verweifelten Abklapperns von Busunternehmen entschied ich mich also Stueck fuer Stueck zu reisen und den Umweg ueber eine etwas laengere Route zu gehen. So fuehrte mich mein Weg nach Ica und von dort nach Nasca. Nasca ist ziemlich beruehmt fuer die Nascalinien – riesige, in die Wueste gehauene Linien, die man nur von weit oben aus der Luft wahrnehmen kann. Genau die jedenfalls habe ich nicht gesehen, denn in Nasca fand ich gluecklicherweise einen Bus nach Cusco, der nocheinmal knapp 18 Stunden dauern sollte. Es war ja auch schon am Abend des 22. Dezembers.

Nungut, nach langer, langweiler Reise in teuren Bussen kam ich also nach 44 Stunden Busfahrt in Cusco an und marschierte schnurstracks zur Post, um das so sehr erhoffte Weihnachtspaket abzuoholen, dass die Eltern mir zugesandt hatten. Es war auch schon da, doch sollte ich es erst am naechsten Tag abholen koenen, so die Postfrau.

Am 24. Dezember war hier, abgesehen von vielen Weihnachtsbaeumen, ein paar Lichterketten, Jesusfiguren ueberall und elektronische Weinachtsliederdudelern von Weihnachten selbst nicht viel zu spueren. Das Paket konnte ich immernochnicht abholen, weil der Beamte, der dafuer zustaendig ist, nicht da war und so blieb von den Traditionen, die ich bisher all meine 20 Jahre mitgemacht habe, keine einzige uebrig. Aber zumind. im riesigen Loki-Hostal trafen sich alle Reisenden zu einem Christmas Eve Dinner und so war ich nicht ganz allein. Auch wenn ich das Feiern zu Hause mit Familie und Freunden schon ziemlich vermisst habe. Aber ansonsten gehts mir ja besser hier ;)

Silvester habe ich in einem kleineren Kreis verbracht – dafuer umso angenehmer. Nach Weihnachten bin ich in ein anderes (billigeres) Hostal gezogen, dass, anstatt dem indem ich zuvor war, nur 15 statt 150 Betten hatte und indem ich noch immer wohne. Zum Neujahrwechsel kommen dann auch wirklich alle Menschen nach Cusco und so waren hier Jugendliche aus Peru, Argentinien, Irland, Englang, Oesterreich und Deutschland. Mit Wachsgiessen und Gluehwein habe ich auch ein paar deutsche Traditionen eingracht. Und um Mitternacht, was wir allerding ein wenig verpasst haben, gingen wir auf den Plaza del Armas, den Hauptplatz, um, wie alle alle anderen, dort weiterzufeiern. Der den ganzen Tag schon ahaltende Regen vermasselte aber leider eine gute Feier. Mit Schuhen voller Wasser leasst es sich nicht so gut tanzen. Aber schoen wars trotzdem.

Das wichtigste, und fuer alle in Deutschland bleibende sicherlich am interessantesten, ist ja aber Machu Picchu. Da war ich naemlich zwischen Weihnachten und Silvester.

In dem kleineren, netteren Hostal habe ich Beo und Bibi kennengelernt, ein Paerchen aus Oesterreich. Und die kannten von Zuhause einen Peruaner, dessen Familie sie nun hier in Cusco einladen wollte. Ein Cousin von diesem Freund der beiden ist nun zufaellig Guide (okay, vielleicht nicht zufaellig; Dessen Bruder ist es auch und irgendwie jeder lauffaehige Mensche hier in Cusco) und bot ihnen an, sie kostenlos nach Machu Picchu zu fuehren. Und ich durfte mich mit dranhaengen! Also sind wir drei mit Henrique am Sonntag vor Silvester gestartet. Wie ich schon bei meinen eigenen Recherchen rausbekommen habe, ist man nicht auf den Inka Trail angewiesen, der ja wohl der bekannteste Zugang zu Machu Picchu ist. Mit ihm laeuft man 3 Tage lang auf dem alten und urspuenglichen Weg der Inkas entlang, um am vierten Tag frueh morgens die Sonne ueber der Steinstadt aufgehen zu sehen. Jetzt, in der Regenzeit, gibts aber keinen Sonnenaufgang weil es immer zu neblig ist und soviel laufen macht da ja auch keinen Spass. Abgesehen davon, dass man sich sowieso mind. einen Monat vorher anmelden sollte (in der Nebensaison!) und man die Preise einem Low Budget Traveller wie mir eigentlich nicht zutrauen kann. Nungut, es gibt ja Alternativen. Zum Beispiel kann man einfach mit dem (auch sehr teuren) Zug nach Aguas Calientes fahren, das „Machu Picchu Dorf“ am Fusse des Berges, oder aber von hinten ueber eine andere Route in dasselbige laufen. So taten wir es dann: Einen Tag mit dem Bus bis nach Santa Maria fahren, dort am Abend die heissen Quellen geniessen und von dort am naechsten Tag um dem Machu Picchu-Berg drumherumlaufen um frohen Mutes in Aguas Calientes die Nacht zu verbringen.

Machu Picchu selbst, was in Quechua soviel wie „der alte Berg“ heisst, ist auf jeden Fall beeidruckend und nicht zu unrecht in der Reiseroute eines jeden Suedamerikarreisenden. Die Stadt, die erst 1911 wiederentdeckt wurde, ist sehr gross, wurde authentisch restauriert und man kann sich vorstellen, wie die Inkas sie belebten oder benutzten. Schwierig ist es einzuschaetzen, was von dem Gelesenen und vom Guide erzaehlten war ist, was bewiesen wurde, was Mystik ist oder was einfach nur erfunden wurde. Das Problem ist, dass man ueber die Inkas nichts weiss. Denn sie hatten keine (oder keine verbreitete; es gab, so hoerte ich entgegen anderer Geruechte, wohl doch eine, die aber nur die Eltite nutzte) Schriftsprache und daher keine Aufzeichnungen, keine Chroniken. Alles was man weiss, wurde von den Cechuas muendlich ueberliefert oder aus den Steinen herausgelesen.

Aber das eigentlich beeidruckende und auch ohne alles, den Effekt noch verstaerkende Gehoerte, sind eben die Steine. Die normalen Wohnhaeuser sind nicht besondern imposant; schliesslich ist die Inkakultur ja erst sein 500 Jahren tot und die Roemer waren darin auch nicht schlecht. Doch die Steinhaukunst, wie sie bei den wichtigen Gebaeuden angewendet wurde, wie zB dem Temple del Sol, dem wichtigsten und am zentralsten gelegenen Haus, ist legendaer. Die am Berg natuerlich vorhanden Steine wurden so bearbeitet und aufeinandergesetzt, dass keine Luecke zwischen ihnen existiert. Es ist nicht moeglich, eine Nadel in die Ritze zu stecken. Und wie die Inkas (Inka = Gott in qechua) die behauenen Steine von einem Ort zum anderen transportiert haben, ist auch schwer vorstellbar, denn manche davon sind riesig.

Fuer den Weg von Machu Picchu zurueck nach Cusco entschieden wir uns, trotz des hohen zu investizierenden Betrages den Zug zu nehmen. Der brachte uns nach Ollantaytambo, eine der anderen wichtigen Staedte in heiligen Tal der Inkas. Dort kann man eine Festung sehen, von der aus die Inkas eine der wenigen erflogreichen Schlachten gegen die Spanier fuehrten. Die Strassen und Wege sind sehr eng und die Inkas bombardierten die anrueckenden und nicht durch die dicken Mauern kommenden Conquestadores wohl mit Steinen, bis diese aufgaben. Davon sieht man jetzt nichts mehr und auch die Festung selbst haben wir nicht gesehen da es einfach zu teuer ist, doch auf das riesige, in Felsen gehauene Gesicht konnte uns keiner die Sicht rauben. Schaut euch die Fotos an!

Die ersten Tage im neuen Jahr habe ich eher ruhig verbracht. Mit Jack und Aydon, die ich aus dem Hostal kenne, habe ich eine Tour nach Urubamba gemacht, in dessen Naehe man weitere Inkastaetten besichtigen konnte: Eine riesig grosse Salzanlage, die noch heute benutzt wird, und eine nach unten zu terassenfoermig angelegte Agrokulturflaeche, in denen die Inkas verschiedene Arten von Mais anbauten, die nur in veschiedenen Mikroklimazonen wachsen (Je weiter runter man geht, desto waermer wird es– man fuehlt es tatsaechlich!). Ausserdem machten wir eine Tageswanderung in Richtung des Chiclon, den mit 5530 Metern hoechsten Berg der Region. Wir erreichten ihn aber leider nicht – er war einfach zu weit weg, fuer nur einen Tag laufen.

Achja, was auch noch wichtig war, in diesen Tagen: Die Familie von Mundo, dem peruanischen Bekannten von Beo und Bibi, lud uns auch noch zum Essen ein: Zum tradionellen Gericht der Andenregion, zu Meerschweinchen (Cuy). Sie mochten die beiden wohl recht gerne und ich flutschte so ins Zielgebiet der Dankbarkeiten mit herein. Jedenfalls bekamen wir nebem dem (schrecklichen! Es war halbaufgeschnitten und man sah alle anatomischen Einzelheiten. Ausserdem ist kein Fleisch dran und die Haut, die man mitessen soll, ist zaeh wie Leder!) kleinen Tierchen, das uns vorher noch im Kaefig gezeigt wurde und uns zum Bewundern in die Hand gedrueckt wurde, noch andere Geschenke. Zum Beispiel einen Bilderrahmen! (Der Vater von Mundo und Beo sind beide Tischler) Leider wusste wohl der arme alte Herr nicht, was Rucksackreisen bedeutet. Aber ich konnte Beo und Bibi mein Geschenk mitgeben und werde sie dann einfach in Wien besuchen gehen.

 

Jetzt habe ich in mehreren Tagesetappen schon ziemlich viel geschrieben und habe, um ueberhaupt mal anzufangen, die emotionelle Seite aussen vor gelassen – Es ist einfacher, nur zu erzaehlen und aufzuzaehlen. Weil aber danach gefragt wurde, will ich auch dazu mal etwas schreiben:

Mir geht es gut. Jetzt sind schon fast dreieinhalb Monate rum, seit ich meine Reise in Venezuela begonnen habe und ich bin jetzt schon ein richtiger Backpacker. In vier der sechs Laender, die ich besuchen wollte, bin ich schon gewesen und mein Spanisch ist inzwischen schon so ausreichend, dass ich mit geduldigen Menschen Gespaeche fuehren kann. Ich vermisse zuhause nur selten und das so sehr andere Leben hier macht es schwer, sich „Zuhause“ vorzustellen. Und wenn ich es doch mal tue, freue ich mich meisstens hier zu sein. Auch wenn ich, gerade in der jetzt zurueckliegenden Weihnachtszeit die Familie und Freunde und das so zusammengestumpfte Kleingoerlitz vermisse. Aber hier gibts einfach komplett andere Fragen, mit denen man sich beschaeftigt. Wo man hinreisst, was man isst, fuer was man Geld ausgeben kann, mit wem man die Zeit verbringen moechte und was man noch alles erleben will. Die Auswahl ist ja ziemlich gross.

Sehr wichtig sind, auch wenn ich sie nur wenig erwaehne, die Menschen mit denen ich hier unterwegs bin. Fast noch wichtiger als das was ich sehe und wo ich bin, denn sie sind die Personen mit denen ich meine Eindruecke teilen kann. Wenn ich bisher etwas wichtiges gelernt habe, dann ist es, dass ich alleine nicht leben kann. Fuer andere mag es schoen und entspannend sein, aber Einsamkeit ist das schlimmste Gefuehl dass ich kenne. Auch wenn es das Leben sicher nicht leichter macht, nicht allein sein zu koennen: Das Wissen ist doch auch schon etwas wert, oder?

Gluecklicherweise habe ich aber bis jetzt immer jemanden gefunden, mit dem ich meine Zeit verbinge oder zumind. Etwas reden kann und so waren die meissten Tage hier gute Tage.

Das Wissen, das jetzt nur noch zweieinhalb Monate uebrig sind, ist komisch. Einerseits wuerde ich schon gern wieder die mir wichtigen Menschen zuhause wiedersehen und mit ihnen, die sie mich kennen und nicht erst kennenlernen muessen, zusammensein. Andererseit weiss ich auch, dass das Leben, dass zuhause auf mich wartet, wohl in den seltensten Faellen so spannend ist wie das, das ich hier fuehre. Es birgt ganz sicher weniger Ueberraschungen und Neuigkeiten und ist, von hier aus zu sehen, nur wenig reizvoll. Zumal ich mit meiner Entscheidung, was ich denn im neuen Semester mache, noch immer nicht weiter bin – abgesehen von weiteren Ideen, die die Moeglichkeiten eigentlich nurnoch vergroessern und eine Entscheidung nur noch schwerer machen.

 

Zurueckkommen werde ich aber auf jeden Fall und ich habe auch schon einen Plan gemacht: In den naechsten Tagen werde ich wohl einen Flug von Buenos Aires nach Madrid buchen, wahrscheinlich fuer Mitte Maerz. Dann kann ich mit Agnes und Gordon noch 2 Wochen in Barcelona verbringen, bevor die beiden dann zurueck nach Deutschland gehen oder noch ein bisschen durch Spanien reisen. Ich selbst werde dann hoffentlich mit Nora zusammentreffen, die auch gerne nach Spanien moechte und mit ihr noch einige Wochen das Land erkunden. Nach Goerlitz zurueck komme ich dann also wohl im Mai. Und werde mir dann auch sicherlich eine Arbeit suchen – ich habe schon jetzt vielmehr Geld ausgegeben, als ich geplant habe.

 

Mein, nicht so richtig existierender Plan fuer die naechsten Tage sagt, dass ich wieder zurueck nach Lima muss. Ich habe die letzten, sehr sehr ruhigen Tage im angenehmen Cusco sehr genossen und habe eigentlich keine Lust auf diese riesige, heisse und unangenehme Grosstadt. Doch muss ich dahin, um die neue Geldkarte abzuholen, die meine Eltern an einen Bekannten da geschickt haben. Um den grossen Umweg auszunutzen, werde ich dann wohl auch nochmal nach nahe Nasca fahren, um die beim letzten Mal verpassten Nascalinien anzusehen, bevor ich dann langsam meinen Weg nach Bolivien einschlage. Aber wie gesagt, es haengt ja auch alles von den Leuten ab, mit denen ich meine Zeit verbringe.

 

Euch Zuhause wuensche ich neben den ueblichen Weihnachts- und Neujahrsglueckwuenschen wirklich alles Gute. Ich habe mich sehr ueber die Pakete von den Eltern und Gregor (der Zauberberg! Dankolder Popolder!) und auch ueber das Weihnachtsvideo meiner Freunde und den Telefonaten. Es ist schoen und sehr wichtig fuer mich zu wissen, dass man Zuhause etwas hat, wofuer es sich lohnt zuerueckzukommen.

Bis hoffentlich balder als letztes Mal

Mathis

 

Nach Equador

Dezember 1, 2008 - 9 Antworten

Diesmal melde ich mich aus Quito. Die letzte Meldung ist schon wieder ein paar Wochen her und ich muss tatsaechlich ueberlegen, was ich denn alles erlebt habe seitdem.

Da ich gerade in Quito stecke, es schon Mittag ist und ich heute noch etwas unternehmen will, fasse ich mich mal etwas kuerzer.

Also, wo waren wir? In Kolumbien noch, wohl, in Santa Marta.

Richtig, nach der Tour zur Lost City und kurz vor dem Aufbruch mit Ziel Quito. In Santa Marta hatte ich naehmlich mit Larissa, dem deutschen Maedchen, was ich sowieso mal trefen wollte, ausgemacht, mich mit ihr in Quito zu treffen. Um dann gemeinsam SPrachschule zu machen. Hat auch eigentlich alles gut geklappt.. aber der Weg dahin ist ja auch interessanter. Der fuehrte mich naemlich durch ganz Kolumbien.

Von Santa Marta aus nahm ich einen ein-Tages Bus direkt nach Bogota, um dort Susy zu treffen, einer Freundin Franzi Stichels, einer Freundin Annelores, einer Freundin von Agnes. Ueber diese wirre Verbindung war ich sehr froh, denn Susy bot mir im vorherigen Emailkontakt an, ein paar Tage in ihrer Wohnung zu schlafen. In Bogota angekommen rief ich sie also gleich an und traf sie eine Stunde spaeter auf ihrer Arbeitsstelle. An diesem Wochenende war gerade Halloween und in ganz Bogota sah man verkleidete Kinder und Erwachsene rumrennen. Susy selbst traf ich als Schmetterling. Und am Abend gingen wir, Susy, ihre 12-jaehrige Tochter und ich, gemeinsam auf Suessigkeitenjagd in ihrem Viertel.

Bogota ist riesig. Ich glaube, ungefaehr 7 Millionen Einwohner. In der Mitte der Stadt liegt ein Berg, von dem man aus die Haeuser bis zum Horizont sehen kann.

Einen meiner Tage in Kolumbiens Hauptstadt habe ich mit ein paar anderen Deutschen verbracht, die Susy aus so einer Organisation kannte. Sie waren auch etwa in meinem alter und machten Dinge wie Zivildienst oder Voluntaersarbeit. Sowieso habe ich einige getroffen, die das machen. Das ist fast noch beliebter als Reisen. Und viele verbinden das auch. Wobei man als Zivi im Ausland eben ziemlich an einen Ort gebunden ist und oft auch nicht alles bezahlt bekommt.

Mit diesen Menschen jedenfalls habe ich das erste mal seit laengerer Zeit wieder deutsch gesprochen. Und war mit ihnen im historischen Kern Bogotas, um die Touri-sachen anzuschauen. Ausserdem im Theater und im Kino und abends auf dem Rock al Parque, einem riesigen, kostenlosen Openairfestival im Zentralpark. Leider leider habe ich unter den vielen bekannten Bands (Black Rebel Motorcicle club, Panteon Rococo) eine ziemlich gute verpasst: Bloc Party spielten erst am naechsten Abend, und da wollte ich ja schon wieder weg sein.

An sich haette man Bogota mehr Zeit geben muessen. Die Stadt hat mir gut gefallen, die Menschen, natuerlich, sehr nett und alles an sich sehr grosstaedtig. Es ist nicht so schlimm gefaehrlich wie man in Europa glauben mag – auch wenn man manche Viertel auf jeden Fall meiden sollte und Abends ein Taxi nehmen muss, um von einem Ort zum anderen zu kommen. Susy verteidigte die Stadt als ganz normal und sehr sicher, einer der Deutschen wurde aber schon zweimal beraubt. Wie immer ist es also ein Zwischending und man muss auf jeden Fall vorsichtig sein.

Da mein Ziel aber ja die Hauptstadt Perus war und nicht Kolumbiens, verliess ich schon nach drei Tagen die Stadt. Ich wollte einen Bus direkt zur Grenze nehmen, weil aber abends keiner mehr fuhr, nahm ich einen Nachtbus nach Cali, um von dort dann weiterzufahren. Um nicht nachts an der Grenze ankommen zu muessen, entschied ich mich fuer einen weiter Nachtbus von Cali, was mir einen Tag in dieser heissen kolumbianischen Stadt beschehrte. Cali ist vor allem bekannt fuer Salsa und Drogenprobleme in der Vergangenheit. Von beiden habe ich aber nichts bebekommen und habe mir in meiner Freizeit eigentlich nur den Zoo angeschaut, der als der Beste Kolumbiens gilt und auch wirklich sehr schoen war.

Eine Nacht spaeter in Ipiales, nach elendlangen Warten um das Einloesen eines Reisecheques (dass mann bei REISEcheques eine Adresse in Kolumbien verlangen kann ist schon auch etwas ironisch) und ermuedenden Grenzuebergangsformulitaeten fand ich dann einen Bus nach Quito, und konnte mich freuen, fast am Ziel zu sein. Am Anfang war ich der einzige im Bus, was mich freute und ich mir meine Kraxe mit nach oben nahm, was ja auch sicherer ist. Ich wusste aber noch nicht, dass die Busse, die entlang der Panamericana fahren, jeden aufpicken, der an der Strasse steht und wartet. Und als sicher Bus dann nach uns nach fuellte, durfte ich dann die verdammt schwere und grosse Kraxe auf meinen Schoss nehmen, um die restlichen Stunden nach Quito auszuharren.

Nungut. Quito, jetzt. Abends angekommen habe ich mich gleich mit Larissa getroffen, im Blue House, einem der vielen Hostels in Mariscal Sucre, dem Touristenviertel Quitos. Hier gibt es alles, was das Gringoherz begehrt und man ist eigentlich nie alleine. die vielen Touristen hier haben allerdings auch einige Kriminalitaet herbeigefuehrt, weswegen man schon ein bisschen vorsichtig sein sollte.

Die naechsten Wochen habe ich hier gelebt. Durch 4 Stunden Sprachschule am Tag, Hausaufgaben, Essen suchen und abends ausgehen sind die Tage ziemlich durch die Finger geschluepft. Durch Larissa bin ich auch gleich in einen losen Freundeskreis von Voluntaeren und Reisenden gekommen, die sich, wie immer, in der Sprachschule und im Hostel zusammengefunden haben. Die Leute sind recht cool und spiegeln sogar recht gut den Auslaenderanteil wieder: Viele Deutsche, Hollaender, USAler, Kanadier, Franzosen, Englaender und Schweizer. Und aus allen anderen westeuropaeischen Staaten natuerlich. Aber auch Suedamerikaner, Afrikaner und ziemlichen viele Japaner gibt es hier. Wobei man letztere fast nur im Internetcafe sieht, alle zusammen.

An den Wochenenden haben wir Touren in die naehere Umgebung Quitos gemacht. Einmal waren wir in Otavalo, wo es jeden Samstag den groessten Kunsthandwerksmarkt Suedamerikas gibt. Um Samstag frueh die vielen vielen Haendler ihre Staende aufbauen zu sehen und auch den Tiermarkt anschauen zu koennen, sind wir schon Freitag Abend in die kleine Stadt gefahren. Da das der Tag vor meinem Geburstag war, haben wir abends noch ein bisschen reingefeiert, in einer Karaokebar mit „Happy Birthday“ puenktlich 0Uhr. Auch wenn es, richtig gerechnet, ja 6 Stunden zu spaet ist.

Der Markt ist ziemlich imposant. Es gibt super viele Kunsthandwerksstaende, wo vor allem Toruisten regelmaessig uebers Ohr gehauen werden. Aber die Sachen sind auch ziemlich schoen und back home hat ja fast niemand Alpackapullover. Also was solls.

Der Tiermarkt ist auch nicht ohne. Ein Huhhn kostet einen Dollar und sie werden lebend in Tueten verkauft. Ausserdem habe ich gelernt was „schreien wie ein Schwein am Spiess“.

Und nicht genug der Grausamkeiten: Abends sind wir zum Hahnenkampf gegangen. Das Beste Wort ist wohl: Interessant. Man sieht wenig Blut, aber durch die kleinen Messer an den Beinen der Haehne weiss man, dass es zu argen Verletzungen kommen muss. Die Haehne sterben nicht immer, erklaerte mir ein Mann aus dem Otavalo, manchmal kaempfen sie ziemliche viele Kaempfe zuvor. Und ein guter Hahn ist durchschnittlich um die 700 Dollar wert. Das izt ziemlich viel hier..

Nungut. Ausserdem gibt es der Umgebung Otavalo einiges zu sehen. Wir machten Ausfluege zu einen ziemlichen schonen Wasserfall und einer auch sehr schoenen Lagune im Krater eines alten Vulkanes. Seht die Fotos..

Vorletztes Wochenende habe ich den Mittelpunkt der Welt gesehen. Es nichts besonderes, nur eine grosse Statue, die das verkuendet, aber wer kann schon sagen, dass er schonmal genau aus dem Equator gestanden hat? Vor langer langer Zeit haben die Uhreinwohner hier durch sicherlich primivere Technik herausgefunden, dass sie sich in der Mitte der Welt befinden. Durch ein Monument konnte man das herausfinden. Allerdings lagen sie ein wenig falsch (oder Die Erdachse hat sich verschoben) und das heutige Denkmal befindet sich wenige Kilometer neben dem der Vorfahren.

Die letzten Tage habe ich dann auch Ausserhalb Quitos verbracht. Die Sprachschule habe ich beendet und spreche jetzt auch jeden Fall besser spanisch als vorher. Wenn auch weniger, da ich durch die vielen anderen Reisenden um mich herum fast nur englisch und deutsch rede. Und Am Sonntag sind wir dann auf zu einer Tour zum Cotopaxi, einem der grossen und hohen Vulkane hier. Erst ging es mit dem Bus ziemlich weit nach oben, dann konnte man sich durch ein paar Meter kraxelnin der duennen Luft verausgaben und zur Belohnung durfte man sich dann ein Mountainbike fuehr den Weg zurueck nehmen. Das war cool.

Durch die Hoehe und meine sowieso immernoch dauerhaft verstopfte Nase (da hilft wohl auch Suedamerika nichts) habe ich dann eine eklige Erkaeltung bekommen, die mich den naechsten Tag pausieren liess und auch jetzt noch anhaelt. ABer trozdem sind wir einen Tag spaeter ausfgebrochen, um den „Loop“ in Angriff zu nehmen: Eine sehr schoene Gegend suedostlich von Quito, mitten im Hochgebige Equadors. In Chugchilan, dem grossten Dorf in der Gegend (was troztdem ziemlich klein ist) gibt es ein paar touristische Anlagen: Man kann zwischen drei Hosteln waehlen und einige Wanderrouten beschreiben. Wir nehmen das billigsten Hotel, das Hostel Cloudforest, was mit warmen Wasser und 2 Mahlzeiten am Tag trotzdem sehr angenehm war. Und machten eine Wanderung. Die Route begann an einer wunderschoenen Lagune und fuehrte durch Nebelfelder und Taeler, die man am Nachmittag auch Wolkenfrei erleben durfte, grosstenteils nach unten. Und mit Fragen („Ausgeschildert“ heisst nicht, dass man sich darauf verlassen kann) kamen wir dann nach 4 Stunden auch zurueck im Dorf an.

Zurueck in Quito werden wir in den naechsten Tagen die ersten Tage des Quito Festivlas erleben: Eine Woche vor dem 6. Dezember, der Staatsfeiertag Equadors, gibt es in der ganzen Stadt Konzerte, Vorfuehrungen, Sondervorstellungen und auch Stierkaempfe. Mal sehen, vielleicht bekommt man sowas ja auch mal zu sehen. Naechste Woche werde ich Quito dann jedenfalls entgueltig verlassen und vorerst Richtung Banos ausbrechen. Einer kleinen Stadt im suedlicheren Equador. Um dort die heissen Quellen zum Entspannen zu nutzen. Danach wollen wir (Ein paar der Leute, mit denen ich hier meine Zeit verbringe, dann noch an die Kueste, bevor es nach Peru weitergeht, Weihnachten plane ich in Equador zu sein, wer mag kann auch die Adresse haben ;)

Heute abend werde ich aber erstmal erfahren, was eine Chiva ist. Weiss es jemand schon? Hehe, ich werde es erstmak nicht verraten.

Eine schoene Winterzeit allen euch in Deutschland weilenden. Und bis bald.

p.s.: Fotos diesmal nur zusammenhangslos. Vielleicht spaeter nochmal richtig.


Aber leider kein Kristallschaedel

Oktober 30, 2008 - 7 Antworten

 Es ist schwer, immer neue Einstiege zu finden, um einen Artikel einzuleiten. Und jetzt ist auch dieser verschwendet. Verdammt!Im Moment sitze ich in einem kleinen Internetcafe neben meinem Hostel in Santa Marta in Kolumbien. Es ist superheiss, wohl um die 35Grad, schwuel und die Ventilatoren helfen nur ein bisschen gegen das stetige Schwitzen. Aber die Stadt (Das Zentrum und der Stadtstrand) ist angenehm, die Menschen offen und herzlich und alles an sich nicht so gefaehrlich. Ich mag es. Und es ist deutlich besser als zB Maracaibo, die Stadt, in die ich vor 2 Wochen gefahren bin, als ich den letzten Artikel so schnell beenden musste (Fotos habe ich jetzt nachgetragen).
Sorthin aufgemacht habe ich mich also, wie geplant, mit Megan und Sandra, zwei Maedchen aus Sligo, Irland. Sandra hat einen so starken irischen Akzent (Ich habe vergessen, welches County, aber soundso habe ich eine Menge ueber Irland gelernt), dass es mir schwer faellt, sie zu verstehen. Trotzdem kann ich inzwische deutlich besser English verstehen und sprechen und das ist, abgesesehen davon, dass ich eigentlich Spanisch lernen wollte, auch schon viel Wert. Nungut. Nach Maracaibo waren es lockere 9 Stunden Busfahrt, also eine Nacht durchgebraust. Dsas ist sehr praktisch, weil man so auch gleich die Unterkunft spart – in diesem Fall aber ein bisschen Schade, denn wir fuhren an einem Nationalpark vorbei, wo es ein weltweit einmaliges Phaenomen zu sehen gibt: Stetiges Blitzen ohne Donner. Von Maracaibo aus sahen wir, auf dm Balkon sitzend, noch einige Auslaeufer davon und konnten erahnen, wie schoen es sein kann, es auch weniger Entfernung zu beobachten. Im Bus haben wir jedenfalls naemlich geschlafen und von allem nichts mitbekommen.

 

Sandra und Megan beim Pizzaspachteln in einer der riesigen Centro Commercials, die es in jeder Stadt gibt. Hier ist es in Maracaibo. Anschliessend sahen wir "Una Pelicula de Guerra" im Kino. Ziemlich bloed aber auch ziemlich lustig.

Sandra und Megan beim Pizzaspachteln in einer der riesigen Centro Commercials, die es in jeder Stadt gibt. Hier ist es in Maracaibo. Anschliessend sahen wir Una Pelicula de Guerra" im Kino. Ziemlich bloed aber auch ziemlich lustig.

Nach einer langwierigen Hostelsuche im fruehen Maracaiboischen Morgen fanden wir doch noch eine Posada in der Altstadt und konnten uns freuen, dass sie direkt nebem dem Kunsthaus lag, in dem am naechsten Tag das John Lennon Tribute Festival stattfinden sollte – das war ja schliesslich der Grund unserer Reise in die Stadt. Als wir uns nach einer Dusche (Kakerlaken gibt es immer und ueberall) schliesslich aufmachten um Karten zu kaufen, konnte uns aber leider niemand helfen – Es wusste niemand irgendwas von einem Festival. So richtig interessieren konnten wir aber auch niemanden fuer unser Problem und so mussten wir annehmen, dass es wohl ein Druckfehler in der Zeitschrift oder eine Fehlinformation war, die uns in die an sich recht haessliche Grossstadt an der Kueste Venezuelas fuehrte

Ich kenne die Namen nicht, aber das sind so ein paar Gemuesesorten.. es hatte mal jemand nachgefragt.

Ich kenne die Namen nicht, aber das sind so ein paar Gemuesesorten.. es hatte mal jemand nachgefragt.

 Nach zwei Naechten flohen wir da also schnell wieder aus dem Moloch und machten uns auf nach Kolumbien. Wieviel Buerokratie im Einklang mit Korruption stehen kann, erfuhren wir auf dieser Fahrt. Zunaechst einmal kam der Bus nicht, obwohl wir 6Uhr morgends am Busbahnhof waren. Dann, gezwungenermassen ein Taxi nehmend, wurden wir ungefaehr 10mal angehalten und mussten die Paesse zeigen. Ausserdem muss man einmal anhalten, um eine Ausreisegebuehr zu zahlen, einmal, um einn Stempel zu bekommen, das man Venzuela jetzt verlaesst, und einmal, um einem Kolbianischen Stempel zu bekommen. Dort musste man sich auch einen neuen Bus suchen und sich von Geldwechslern uebers Ohr hauen lassen. Bei einer der Polizeikontrollen allerdings, gab es mehr zu tun, als nur die Paesse zu zeigen. Der Beamte liess uns aussteigen und nach kurzem Durchschauen der Paesse und demonstrativem Kopfschuetteln meinte er in meine Richtung etwas wie: Warum hast du kein Rueckflugticket? Ich hatte eines, aber nur aus Caracas und konnte daher keins vorzeigen. Er liess also die anderen wieder einsteigen und rief mich naeher zu sich. Warum er gerade mich auswaehlte, weiss ich nicht. Wohl, weil ich deutscher bin und allein reise. Jedenfalls sagte er ziemlich direkt: Money, Money. Meine Angst schlug sofort in Entaueschung um und nachdem ich ihm 20Bolvivares (5EURO) gab, half er mir sogar noch beim ins Auto einsteigen. Gut, was?

Nagut, soviel zu Venezuela. Nach einem Monat in diesem Land und vielemn Berichten anderer Reisender kann ich wohl sagen: Es gibt eindeutig besser Laender zum Reisen. Nichtnur die Preise sind unglaublich hoch, auch die Menschen sind nicht so freundlich wie zB hier in Kolumbien. Es gibt schoene Flecken, wie wohl ueberall, aber als Einsteigeland fuer Einsteigereisende ist es wohl eher unguenstig.

Ich jedenfalls habe meine Erfahrung gemacht und bin froh, jetzt weite zu kommen. Kolumbien ist nicht so gefaehrlich, wie man in Europa denkt. Hier sagen alle, es ist eines der Toplaender momentan und das stimmt wohl auch. Touristisch noch nicht so ausgebeutet und deutlich sicherer als vor ein paar Jahren ist es sicher der perfekte Zeitraum, das Land und die Menschen kennenzulernen.

Mein Ursprunglicher Plan war, sobald wie moeglich nach Bogota zu reisen, dort ein paar Naechte bei einer Freundin von Franzi (danke, danke!) zu naechtigen und dann in Quito mit Larissa, einer anderen Deutschen, mit der ich mich schon von Anfang treffen wollte, weiter Spanischstunden zu nehmen. Die beiden Irinnen erzaehlten mit jedoch von ihrem Plan, Von Santa Marta aus eine Tour zur Ciudad Perdida zu machen – einer der Lost Cities. Nachdem ich dann im Hostel hier die Fotos einer der zahlreichen Touranbieter sah, entschloss ich mich recht kurzfriestig, Quito noch eine Woche aufzuschieben und diese Tour mitzumachen. Das heisst: Fuer 150Euro einen 6Tagestrip in der Kolumbianischen Wald (ich weiss nicht, ob es Djungel ist..).

Am ersten Tag umhuellte uns ein dichter Nebelmantel. Hier sieht man ihn kommen.

Am ersten Tag umhuellte uns ein dichter Nebelmantel. Hier sieht man ihn kommen.

Letzten Mittwoch ging es frueh los. Im Gepaeck waren, nach einem Gespraech mit einem Reisenden, der die Tour schon hinter sich hatte, vor allem: Antimosquitomittel und unterschiedliche, gute trockenbare Klamotten. Ausserdem entschloss ich mich dazu, nicht meine guten, neuen Wanderschuhe zu ruinieren – auch, weil sie viel zu warm fuer diese Gefielde sind- sondern neue Schuhe zu kaufen. Ich entschied mich fuer Sandalen. Das das war wohl auch ganz gut so. Denn gleich am ersten Tag fing an an zu regnen. Nachdem es zunaechst im Jeep eineinhalb Stunden ueber Eklig kleine, schmale und ausgefahrene Wege ging, die man eigentlich nicht befahren kann, wurden wir am Ende der “Strasse” rausgeschmissen. Wir sind die Irinnen, Andrej, ein anderer Deutscher, und Jean, ein Franzose, mit dem wir auch noch die letzten Tage in Santa Marta verbracht haben. Uns natuelich Luis, unser Guide. Der kleine, recht kraeftige Mann um die vierzig war ziemlich eindrucksvoll. Er wusste zu allem etwas zu sagen (leider, leider nur in spanisch) und war mit einigen der Indigenas befreundet, die man unterwegs trifft, was uns einen Vorteil von einer traumhaft schoenen Badestelle beschehrte, die man sonst nicht zu sehen bekommt.

  
Nach einer Nacht in Haengematten (es ist sehr angenehm!) und leckeren warmen Kakao am morgen ging es auf die naechste Etappe: Diesmal 5 Stunden. Zwar regnete es nicht und die Wege waren dementsprechend besser, doch ging es ziemlich viel hoch und und runter und am Abend spuerte man schon sehr wohl, was man geschafft hatte. Parellel zu uns, reise uebrigens noch eine andere Gruppe von 10 Personen, so dass in der Stationshuetten Abends immer recht viel los war. An diesem Zweiten Tag ging es auch das erste Mal durch einen Fluss. Nachdem durch von-Stein-zu-Stein bringen die Haelfte des Tages trockene Fuesse behalten konnte, musste ich an einem groesseren Fluss das einsehen, dass ich es nicht durchhalte. Es ist aber auch nicht so schlimm – es ist ja ziemlich warm, die ganze Zeit. Das Wasser geht gluecklicherweise nur bis zum Becken – man kann der Rucksack also aufbehalten, doch die Stroemung, der man ientgegentreten muss, ist ziemlich stark und ich musste ganz schoen kaempfen, um durch den Fluss zu kommen. Ueberhaupt schiwtzt man ziemlich ziemlich viel. Ich habe ein Video gemacht, vom laufen, vielleicht kann ich es irgendwie in den Blog einbinden..In dier Zweiten Nacht gab es wieder Haengematten zum schlafen. Weil hoeher gelegen,wurde es aber doch kaelter, als erwartet und in den fruehen Morgenstunden begann begann ich in meinem superduennen Schlafsack zu frieren. Ist ja kein Problem, man kann sichja was anziehen, aber: Als ich wieder in der haengematte lag, mit langer Hose an, fuehle ich ploetzlich im Daumen einen ziemlich stechenden Schmerz. Und sah, als ich ihn schreckartig ansah. Einen Schatten von meiner Hand ans Mosquitonetz laufen. Ich machte schnell Licht und sah dann den kleinen Skorpion, der es ist nicht geschafft zu fluechten. In meiner Angst (Man hoert ja viel ueber kleine Skorpione und deren Bisse), kam ich zu dem Schluss, dass es am Besten ist, jemanden zu fragen. Ich erschlug den kleine Tier, um es vorzeigen zu koennen und rannte damit zu einem der guides, die schon auf wahren, um Essen zu kochen. Ich machte ihm deutlich, dass mich das da gebissen hatte (este, tzz, au!, aqui) aber konnte nur Gelaechter ernten. Er meinte, der ist zo klein, da brauch ich keine Angst haben und wandte sich wieder seinem Essen zu. Etwas entauscht trottete auch ich wieder zu meiner Haengematte zurueck. Aber hej – Wer von den lieben Lesern kann schon behaupten, von einem Skorpion gebissen worden zu sein? Ha!Der dritte Tage sollte der Anstrengenste sein. Um 6 Uhr aufstehen ist zwar kein Problem weil man, durch die lange Dunkelheit gezwungen, sowieso frueh ins Bett geht, aber die 5 Stunden Wanderung waren schon ziemlich anstrengend. Nach langem, Auf und Ab und einer Zwischenstation in einem Dorf der Indegenas (Ich habe keine Fotos- Man sollte auch besser keine machen.) erreichten wir einen Fluss, an dem wir 2 Stunden entlang liefen. Es gab wohl keine andeere Moeglichkeit mehr, auf andere Wege auszuweichen. Den Fluss musste man ungefaehr 10 mal durchqueren, und waehren meine bloeden Sandalen nicht alle paar Meter aufgegangen (Klettverschluss ist nicht gut im Schlammwasser), haette ich mich auch besser an die Flussueberquerungen gewoehnen koennen. Vielleicht bin ich auch einfach zu leicht und die Stroemung reisst mich schneller mit fort..
Nach einer letzten Ueberquerung erreichten wir dann die Treppe. Das klingt cool, war es auch, aber ich habe leider kein Foto davon (erst keins gemacht, spaeter Akku leer). Die Treppe hatte 1200 Stufen und man musste ganz schoen schnaufen, um dort hochzukommen. Vom schnaufen und vom ersten Blick auf die verlorene Stadt habe ich allerdings Bilder und die sind wirklich schoen!

  
Nach einem halbe Tag voller halb verstandender Geschichtsinformationen ging es zurueck ins Camp, was direkt in der Stadt liegt, und man konnte ein paar Stunden Regenschauen und ins Bett gehen. Achja, ich habe ziemlich viele neue Kartenspiele gelernt. Kennt Ihr Kabu? Ist ein israelisches – sehr lustig.
Die letzten beiden Tage brauchten wir fuer den Abstieg. Der ist zwar einfacher, aber unangenehmer. Zum einen Gibt es kein Ziel mehr, zum anderen schmerzen die Kniee sehr bald vom stetigen Aufstampfen. Aber gut, schoen war es trotzdem. Am letzten Tag gaben meine Sandalen dann auch fast ganz den Geist auf – sie waren wohl einfach schlechte Qualitaet. Aber egal, das war 2h vor Ankunft im Dorf, in dem wir abgeholt werden sollten, und so konnte ich mich noch den letzten Rest durchschleppen. Nach 2 Stunden beaengstigender Fahrt im Jeep kamen wir dann, voellig verdreckt und erschoepft, in Santa Marta an. Es hat sich voll gelohnt!
Jetzt, nach, 2 Stunden schreiben, werde ich noch einen Abend mit Sandra, Megan und Jean verbingen und morgen dann einen Bus nach Bogota machen. Ich freue mich ueber Rueckmeldungen.Bis dahin,
Mathis
 
 

 

Es ist eigentlich nicht dunkel - aber die Sonne sieht man trotzdem oft nie richtig

Es ist eigentlich nicht dunkel - aber die Sonne sieht man trotzdem oft nie richtig

Nur ein gfluechtiges Foto auf eines der Doerfer die Indigenas. Meisst gehen sie in ihre Haeser, wenn man vorbei kommt.

Nur ein gfluechtiges Foto auf eines der Doerfer die Indigenas. Meisst gehen sie in ihre Haeser, wenn man vorbei kommt.

Aber gut, ich volle schon wieder aus dem Rahmen. Am ersten Tag naemlich fing es kurz nachdem wir losliefen an zu regnen. Nicht sehr stark, aber ziemlich bestaendig. Und so wandelten sich die sowieso schon  ausgelatschten Wege in kleine Baeche um und man musste die Berge eher hoch unr runter waten, als laufen. Nach vier Stunden kamen wir aber in der Rasthuette an und nach einer Dusche gab es leckeren Saft und auch schon bald Essen. Viel imposanter als das eigene Laufen sind sowieso die Menschen, die den ganzen Esskram auf ihrem Ruecken durch die Gegend schleppen.

Ich war schon ganzschoen stolz, das alles gut geschafft zu haben..

Ich war schon ganzschoen stolz, das alles gut geschafft zu haben..

  
 
Bestimmt 20minuten stetiges Treppenlaufen. Unterwegs kam mir ein Indiojunge entgegengestuermt. In einem Video seiht man ihn auch vorbeibrausen..

Bestimmt 20minuten stetiges Treppenlaufen. Unterwegs kam mir ein Indiojunge entgegengestuermt. In einem Video seiht man ihn auch vorbeibrausen..

Nach einer erholsamen Nacht ohne weitere Skorpione bekamen wir am naechten Tag von Luis die Stadt gezeigt. Sie ist deutlich groesser, als man es erahnen kann, weil man durch den Wald nicht weit sehen kann, aber wen es interessiert, kann ja mal bei wikipedia nachschauenm vielleicht gibt es da eine Karte. Wir sahen auch nur einen Bruchteil, bekamen aber einiges erklaert. Auch spezielle Dinge, weil Sandra Archaeologin ist und Luis, davon angespornt, viel erzaehlt hat. Die Menschen, die da lebten, hiessen Tayros, von den Spaniern Tayronas genannt. Die Spanier selbst fanden die Stadt nie – sie wurde erst in den 70er Jahren den 20. Jahrhunderts von Bauern entdeckt. Die Tayronas verschanden aber schon viel eher, nach einem Hundertjaehrigen Krieg gegen die Spanier. Seit ihrem Verschwinden, gibt es immer eine Famile von Indigenas, die das Gebiet bewacht und zustaendig ist. Sie entscheiden auch heute, welche Gebiete zB von den Touristen gesehen werden duerfen.

Eine der vielen, runden Terassen. Insgesamt gibt es 800,  davon. Wenn ich mich richtig erinnere.

Eine der vielen, runden Terassen. Insgesamt gibt es 800, davon. Wenn ich mich richtig erinnere.

  

Chicos guapos

Oktober 21, 2008 - 3 Antworten

Seit vier Wochen haben wir jetzt schon vor, uns endlich mit unseren Barcelonaerzählungen einzureihen in die Berichte aus aller Welt, und zugegebenermaßen war es nicht die fehlende Zeit, die uns davon abgehalten hat. Eher ist es das Gefühl, nicht auf Reisen zu sein, Erinnerungen zu sammeln, Postkarten zu verschicken und Andenken zu kaufen, sondern einen Normalität zu suchen, die sich auch langsam einzustellen beginnt.
Aber zu berichten haben wir doch einiges. Am besten von Anfang an: als wir am 20. September in Barcelona ankamen, waren sowohl Gordon als auch ich von unseren vorherigen Aufgaben so verbraucht, dass wir viel lieber erst einmal eine Woche in Deutschland zur Ruhe gekommen wären, statt uns den Stress von Wohnungs- und Arbeitssuche zu geben. Aber die Übergangsphase fiel aus und es war nicht einmal Zeit gewesen um ein Hostel zu buchen. Also standen wir am ersten Abend mit vollen Taschen vor dem ausgebuchten Hostel, das wir noch kurzfristig angerufen hatten. Aber daran wollte sich dort niemand mehr erinnern. Zwischen 21 und 23 Uhr telefonierten wir durch die ganze Stadt und fanden schließlich ein Bett, zu dem wir uns völlig übermüdet schleppten. Am kommenden Tag fand sich zwar ein schönes Doppelzimmer mitten im Zentrum mit einer sehr hübschen Aussicht auf die umliegenden Berge, aber die Müdigkeit und die Anstrengung der letzten Wochen führten dazu, dass wir in den folgenden Tage nicht viel erleben wollten und uns eigentlich nur um das Nötigste kümmerten – beispielsweise ein Bankkonto eröffnen, ein spanisches Telefon besorgen und natürlich eine Bleibe zu finden.
Zuvor wurde uns von verschiedener Seite orakelt, ein Zimmer in Barcelona zu finden sei eine langwierige Sache, mindestens zwei Wochen sollten wir einplanen: aber schon beim ersten Besichtigungstermin bekamen wir ein tolles Angebot bei einer ziemlich verrückten und sympathischen alten Lady in ihrer zentralen, unheimlich geräumigen Judendstilwohnung als Untermieter einzuziehen. Wir waren schon nahe daran, zuzusagen als wir am darauffolgenden Tag auf unsere jetzige WG stießen: eine internationale, studentische, großzügige, komplett renovierte Wohnung im „Centro Centro“, dem Barrio Gotico, der Altstadt, die direkt am Meer liegt. Die Lage ist wirklich bestechend, schaut euch das mal in Google-Maps an: Carrer d’Avinyo 46, 08002 Barcelona.

Der einzige Wermutstropfen ist der Preis, den wir für unser weniger als 10qm großes Zimmer zahlen. Und da wir das erste Mal zusammen wohnen, hatten wir ein wenig Bedenken, es könnte zu eng werden. Aber bisher stellt sich noch keine Klaustrophobie ein.

Küche und Wohnzimmer sind sehr schön und neu und wir verstehen uns sehr gut mit unseren Mitbewohnern, drei Französinnen und einem Spanier, dessen Freundin in diesen Tagen einziehen wird. Juan kommt aus dem von ihm sehr geliebten Sevilla und arbeitet in Barcelona als Windmühleningenieur. Aber bisher ist er noch nicht sehr glücklich, er leidet unter dem Nationalismus der Katalanen und vermisst die emotionale Offenheit des Südens. Marion aus Nordfrankreich ist eine engagierte Studentenrätlerin und mit einem Pulk französischer Freunde, die zuvor alle gemeinsam in Schweden waren zum Austauschstudium der Materialwissenschaft hier. Mit beiden haben wir jetzt schon öfter gekocht und viel geredet: vor allem über comida, die Spezialitäten unserer Länder und Regionen. Als Juans Mutter zu Gast war, hat sie uns köstlich bekocht. Marions Eltern kommen nächste Woche…
Das Haus in dem wir wohnen hast einen fantastischen Patio und wenn man vor die Haustür tritt ist man mitten im Touri-Wahnsinn mit unglaublich vielen Shops, Bars und Cafes, und zu jeder Tageszeit viel Lärm. Am Samstagabend steigert sich das Ganze zu einem solchen Wahnsinn, dass der Lärm in den Patio schallt und man gar nicht auf die Idee kommt zu schlafen.
Nach unserem Einzug und meinen ersten sehr ernüchternden Unierfahrungen wurden wir erst einmal krank und lernten dadurch eine Woche lang intensiv unser kleines Zimmer kennen. Die spanische Grippe legte in dieser Zeit ganz Barcelona lahm und ich habe den Verdacht, dass sie sich über die Klimaanlage der Metro verbreitet. In diese Tagen war auch mein Geburtstag, der dementsprechend kläglich ausfiel. Gordon erwischte es besonders hart, aber er nutzte die Zeit, um nach einer Praktikumsstelle zu suchen. Dabei stellte er sehr bald fest, das sämtliche Architekturbüros Barcelonas auf Grund der hiesigen ‘Crisis’ gar keine Praktikanten gebrauchen können und die wenigen, die in Frage kamen, außer Zweifel ließen, das mit Bezahlung in irgendeiner Form nicht zu rechnen wäre. Also entschied er sich nach einigem Hin und Her für das Büro mit dem besten Renommee – nämlich Miralles Tagliabue Architekten (www.mirallestagliabue.com). Dieses Büro, welches den bestechenden Vorteil hat nur zwei manzanas von unserer Wohnung entfernt zu liegen, ist ein Arbeitsplatz mit internationaler Atmosphäre – Italiener, Deutsche, Amerikaner, Ungarn und Spanier, insgesamt um die 50 Mitarbeiter, darunter einige (unbezahlte) Praktikanten arbeiten zusammen beispielsweise an einem Projekt für die Hamburger Hafen City. Bisher beschränkten sich Gordons Aufgaben leider auf den Modellbau, für den er ja zweifellos bastante überqualifiziert ist, aber es besteht Hoffnung dass sich das in den nächsten Wochen ändert. Mit den Chicos aus dem Estudio waren wir am Freitag zum ersten Mal aus, und ich muss sagen sie sind ziemlich sympathisch.
Ich hab mich derweile in die Bürokratie der Hochschule (naja, eigentlich ist es nur eine Fakultät an der Uni) eingefitzt, deren Verschultheit mich am Anfang ziemlich frustriert hat. Die Arbeitsbedingungen sind ziemlich unter aller Sau. Es gibt kaum Atelierplätze, Materialien oder Ausstellungsgelegenheit, die Studenten sind ständig mit ziemlich zweitklassigen Kursen beschäftigt und haben keine Zeit für ihre eigenen Arbeiten, deren Qualität dementsprechend (von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen) zu wünschen übrig lässt. Es war am Anfang auch nicht besonders einfach, herauszufinden, was wie und wo stattfindet und funktioniert, obwohl ich wirklich penetrant jeden im Gang und in den Büros auf den Nerv gegangen bin. Überraschenderweise bin ich oft gegen Wände gelaufen. Ich hätte mehr freundlich Offenheit erwartet. Für die Erasmusstudenten fühlt sich hier niemand verantwortlich und eine studentische Organisation (zu der ich gern Kontakt aufgenommen hätte, zwecks Projekte) gibt es nicht. Aber ich lasse mich nicht so leicht frustrieren. In einem ziemlich guten Skulpturkurs kann ich jetzt lernen mit Holz umzugehen, das ist schwer, aber sehr schön. Und in einem der Nebengebäude der Uni habe ich im Atelierhaus einen kleinen Platz für mich erkämpft. Hier arbeiten alle in einer Etage ohne Zwischenwände. Es ist unheimlich voll und man kann sich gegenseitig bei der Arbeit zuschauen. Die Intimität der malerischen Entwicklung, die in Leipzig so hochgehalten wird, ist hier also nicht so gefragt. Der positive Effekt ist allerdings, dass ich in kurzer Zeit schon sehr viele Maler, Skulpteure und Performer kennengelernt habe. Darunter auch ein paar sehr nette und spannende Menschen. Mit einigen war ich schon Bier trinken und letzte Woche zum ersten Mal auf einer sehr skurrilen und amüsanten Ausstellungseröffnung. Und ich habe mein erstes Bild begonnen, in Ruhe und Gelassenheit, und es ist eine Freude wieder Zeit dafür zu haben. Die spanische tranquilidad hat uns beide: obwohl wir die ganze Woche bis spät abends arbeiten, empfinden wir keinen Stress, und das ist seit vielen Monaten das erste Mal der Fall. Wir genießen es wirklich sehr. Wir haben nur für uns selbst Verantwortung, und dafür eine gute Zeit zu verbringen – was für ein Luxus! Ich habe begonnen am Strand joggen zu gehen, was wunderschön ist. Überhaupt der Strand: dramatische Sonnenuntergänge, Spaziergänge mit Kristin (die andere Leipziger Erasmusstudentin) oder Annelore. Ja, Annelore: die hat uns nämlich letzte Woche besucht und heimlich (weil vom Vermieter verboten und kontrolliert) in unserem winzigen Zimmer auf dem Boden geschlafen. So waren wir schon zu dritt auf engstem Raum aber es war sehr gemütlich!

Ihr Besuch, den man auch in ihrem Fotoalbum bei StudiVZ nachvollziehen kann, gab uns die Gelegenheit ein paar touristische Barcelona Highlights mitzunehmen. Z.B. den Tibidabo, den höchsten Berg der Stadt, auf dem es ein tolles altmodisches Riesenrad gibt. Außerdem natürlich Tapas, Shopping und sehr gute Gespräche – Schade das sie wieder weg ist. Besuch hatten wir außerdem gleich in den ersten Tagen von Gordon Dresdner Mitbewohnerinnen Doreen und Adina, mit denen wir auch ein paar schöne Abende verbrachten. Adina blieb ein bisschen länger und so hatten wir die Gelegenheit mit ihr und unseren Mitbewohnern deutsche, französische und spanische Schlagerkultur auszutauschen, unter Mitgröhlen und Gelächter, was sich für die internationale Verständigung als der perfekte Kommunikationszünder erwiesen hat.
So viel an Eindrücken muss fürs erste genügen. Mehr Berichte aus dem spanischen Alltag folgen demnächst.

Eure Agnes &Gordon

Ola, otra vez

Oktober 17, 2008 - 6 Antworten

Merida bei Nacht. Leider ein bisschen verwackelt, aber vielleicht sieht man noch die Berge?

¿Ola, Ola, Coma estás?
Hier eine weitere Meldung aus Mérida. Die letzte Nachricht ist erst eine Woche her und soviel ist auch nicht passiert seit dem, aber ich will trotzdem etws schreiben. Auch weil ich gleich abfahre, aus der schoenen Andenstadt, zurueck an die knallig-warmen Kueste.
Die letzten Tage habe ich also dazu genutzt, Spanisch zu lernen und Leute kennenzulernen. Und beides hat auch ganz gut geklappt!
Nachdem ich Ben und Natascha also letzte Woche verabschiedet hatte, verliess ich auch unser Hostel. Um einen kuerzeren Weg zu den Spanischstunden zu haben, zog ich in die Stadt, un kam bei Patys unter – einer hosteligen Posada, der billigsten der Stadt. Auch deswegen sind hier viele Backpacker, was fuer mich, als Kontaktsuchenden, sehr von Vorteil ist. Die Posada liegt im touristischsten Viertel der Stadt. Um den Teleferico sammeln sich Touranbieter, Posadas, Kleinlaeden, die nachts Zigaretten und Suessigkeiten verkaufen, und “Kunsthandwerksstaende” –aus Equador eingeschleuste Muetzen, Baender, Ketten und anderer Kleinkram mit dem Aufdruck “Merida”. Ausserdem gibts hier die Panederia mit den leckersten Broetchen der Stadt.
Der Teleferico ist die laengste Seilbahn der Welt. Sie ueberwindet 3000 Hoehenmeter und bringt Passigiere ziemlich weit auf den Pico Bolivar, den hoechsten Berg Meridas. Nagut, brachte. Denn vor zwei Monaten kamen franzoesische Ingeniere (deren Vaeter hatten das gute Stueck gebaut) und schlossen nach einer Inspektion sofort die ganze Anlage. Schade fuer mich, ich haette gerne mal eine Tour gemacht. Schade auch fuer alle die Tourveranstalter, die darauf angewiesen sind. Aber besser wohl fuer die allgemeine Gesundheit.

Ein belieber Blog Meridas. Die Strassen sind meisst erstaunlich sauber dafuer, dass viele ihren Muell einfach bloss vor die Tuer kippen. Ueberhaupt - Muelltrennung gibt es nicht. Aber vielleicht haben die Menschen andere Probleme, sie sie mehr beschaeftigen als den Schutz der Erde.

Ein belieber Blog Meridas. Die Strassen sind meisst erstaunlich sauber dafuer, dass viele ihren Muell einfach bloss vor die Tuer kippen. Ueberhaupt - Muelltrennung gibt es nicht. Aber vielleicht haben die Menschen andere Probleme, sie sie mehr beschaeftigen als den Schutz der Erde.

 

Wenn es regnet, dann nachmittags und nachts und wenn dann auch richtig. Hier in Patys, beim melancholischem Regenschauen

Wenn es regnet, dann nachmittags und nachts und wenn dann auch richtig. Hier in Patys, beim melancholischem Regenschauen

Patys liegt direkt neben der Station. Wenn man morgends aus dem Hof auf die Strasse steigt, sieht man in ein weites Tal, das von den Kabeln der Seilbahn ueberwunden wird. Ein bisschen gestoert wird das Panoroma durch die einige Kraftprotze, die von frueh bis abends auf ein paar dort aufgebauten Turngeraeten ihr Koennen zeigen. Es ist sehr lustig – immer wenn man vorbei geht schauen sie, ob man schaut, und recken ihre Muskeln. Ich haette gerne eine Foto gezeigt, aber ich will den Sportlern diese Genugtuung nicht verschaffen..
Cesar, mein Spanischlehrer, ist Touristikstudent an der hiesigen Universidad de los Andes und sehr geduldig. Er hat mir, parallel zum selbststaendigen Arbeiten im mitgebrachten Lernbuch, einige Grundkentnisse im Suedamerikanischen Spanisch eingebleut und mir viele viele Woerter und noch mehr Zeitformen und zugehoerige Deklinationen zum Lernen gegeben. Daran werde ich wohl noch eine ganze Weile zu knabbern haben. Doch es wird besser! Wenn ich einem Gespraech lausche, verstehe ich nicht nur noch “blablabla?” – “blablabla!”, nein, inzwischen kann ich einzelne Woerter raushoeren. Und je mehr ich hoere und je oefter ich die Menschen, die die Geduld haben, sich mit mir zu unterhalten, bitte, doch etwas langsamer zu sprechen, desto haeufiger kann ich den Sinn des Gesagten erraten. Poca a poca.

Was ich da halte, ist ein leckerer Mix aus Milch und Vanillepudding. Am naechsten Tag gabs das mit frischen Erdbeeren. Hnjam!

Was ich da halte, ist ein leckerer Mix aus Milch und Vanillepudding. Am naechsten Tag gabs das mit frischen Erdbeeren. Hnjam!

Neben Spanisch lernen habe die letzten Tage auch damit verbracht, Kontake zu knuepfen und das Gelernte ein wenig zu ueben. Cesar hat mich Abends oft zur Rumba mitgenommen, ich habe ein andere Meridianer  kennengelernt und Bekanntschaft mit Bettnachbarn im Hostel gemacht. Ausserdem habe ich angefangen, mir mein Essen selbst zu kochen (anders reicht mein Budget ueberhupt garnicht aus, im voellig ueberteuerten Venezuela) und habe, waerenddessen, gelernt, wie Kakerlaken aussehen. Das heisst, ich weiss nicht, ob es Kakerlaken sind, aber ich glaube, ihr Aussehen mit Erzaehlungen ueber sie in Einklang bringen zu koennen. Diese Viecher sind unglaublich! Sie koennen fliegen, schwimmen, schnell laufen, sich ueberll verstecken und wenn man sie erschlaegt hinterlassen sie ihre Eier. Die Kakerlake an sich ist also untoetbar.. fantastisch.
Gerade eben hoere ich, wie der Internetcafetyp ziemlich demonstrativ die Rollaeden schliesst – ich werde mich also kurz fassen. Auch weil ich selbst nicht mehr viel Zeit habe. In 20 Minuten fahre ich mit 2 Irinnen im Nachtbus nach Maracaibo. Dort ist Samstag ein John Lennon Tribute Festival, ws ziemlich lustig klingt. Und es liegt auf dem Weg nach Kolumbien.
Uiuiui, der Man schaut gerade schon sehr boese.. ich melde mich. Fotos kommen nach. Bis dann!

ps: Hier also die versprochenen Fotos, wenn auch zwei Wochen zu spaet.

Next Station. Ein Reisebericht

Oktober 8, 2008 - 5 Antworten

Ich bin also gut in Merida angekommen. Nach einer erlebnisreichen Woche, fuehle ich mich wohler, angepasster und, von der Erkaeltung abgesehen, die mich seit Tagen flach halten laesst, ein wenig mehr angekommen.

Zeitsprung zurueck nach Porlamar. Einen Abend, nachdem ich im bagpackerfreundlicheren Hostel umtergekommen war, und den ersten, etwas deprimierten Blogeintrag geschrieben habe, bin ich auch tatsaechlich gleich auf zwei bagpacker gestossen: Ben und Natascha, er aus Lyon und sie aus Lausanne, kamen nach Porlamar, weil die Insel Margerita als eine der Topattraktionen Venezuelas empfohlen wurde. Nach einem Tag Strandliegen haben sie allerdings festgestellt, dass sie auch bald hier weg moechten und so haben wir uns zusammen getan und uns Merida als Punkt gemeinsamer Hoffnungen als Ziel vorgenommen.

Bevor es aber auf die Reise ging, lud mich Anais, eine gute Freundin Manuels, zum Abendessen ein. Der Abend war fuer mich praktisch ein Abschluss meiner ersten Reiesephase und der Woche mit Manuel. Anais, die eigentlich die Mutter von Manuels altem Schulfreund Raphael ist, zeigte mir Fotos aus dem alten Familenalbum und erklaerte mir die Familenverhaeltnisse der Personen, die ich der letzten Woche kennegelernt hatte. Sehr praktisch. Und ein wirklich schoener Abend – Danke dir, Manuel.

Auf der Faehre nach Cumana.

Verdammt, ich sprenge jetzt den zeitlich korrekten Rahmen.. Denn, was noch wichtig zu erzaehlen ist: Mein Bankkonto ist leer! Ha, gut was, und das in der ersten Woche.

Ich weiss nicht wie es passiert ist und kann nur spekulieren; sicher ist aber, dass 600€ von Konto verschwunden sind, die ich mit Sicherheit nicht abgehoben habe. Bemerkt habe ich es, als ich Geld abheben wollte und es nicht funktionierte. Also, als es laengere Zeit nicht funktionierte. Man muss naemlich wissen, dass die Bankautomaten in Venezuela, so wie viele andere Dinge (ich glaube, es ist das einzige Land, deren Zeitverschiebung nach 6 und eine halbe Stunde ist), ein wenig extravagant sind. Man muss innerhalb von 3 Sekunden eine Eingabe machen, sonst wird der Vorgang abgebrochen. Man kann nur selten Englischg als Sprache waehlen. Und man muss irgendwelche Ziffern des Reisepasses eingeben, die fuer Auslaender nicht funktionieren. Man muss also ziemlich viele Automaten probieren, ehe man an geld kommt. Gluecklicherweise war da so ein netter Mann, der mir holf und mir erklaerte, dass man auch einfach 00 eingeben kann, als Reisepassnummern.

Nun, und das sind auch schon die beiden Moeglichkeiten: Entweder haben die vielen Automaten, die den Vorgang abgebrochen haben, das Geld von meinem Konto abgebucht aber nicht ausgspuckt, oder aber der nette Mann hat schnell und gekonnt meine EC-Karte kopiert und irgendwie meine PIN rausbekommen. Beides sind echte Moeglichkeiten, denn Natascha und einigen Anderen, die ich getroffen habe, ist das gleiche passiert. Und bei mir waren es “nur” 600Euro.

Ich war dann jedenfalls mit Hilfe Nataschas und Ben bei der Polizei und meine Eltern haben alles mit der Sparkasse geklaert. Normalerweise kriegt man das Geld wieder.. ich kann also hoffen. Nur wie ich jetzt an neues Geld rankomme, ist noch offen.

Gut, zurueck nach Pormamar. Am naechsten Tag haben wir also ein Taxi nach Punta de Piedras genommen, einem anderen Kuestenort auf der Insel, und dann eine Faehre nach Cumana gesucht. Wie wir, bzw die anderen beiden, denn ich spreche kein Spanisch, in der Faehrstation dann erfuhren, sollte man sich Karten fuer eine Ueberfahrt wohl besser vorbuchen. Es gab nur die Moeglichkeit zu hoffen, dass gebuchte Karten nicht abgeholt werden und wir dafuer einspringen – also warten bis auf die letzte Minute. Nach tausendmaligem Nachfragen, liess uns eine ueberredbare Angestellte dann doch drei Karten kaufen und wir konnten losrennen, umdie Faehre noch gerade so zu erreichen.

Beim Fahren, mit einem Gefuehl der Hoffnung und der Kaelte (In Venezuela sind alles Transportmittel grundsaetxlich saukalt), wurden wir dann mit dem Dschungelbuch 2, einer bloeden Komoedie und, sage und schreibe, mit einer Modern Talking DVD beschallt. Man kanns kaum glauben, aber die sind die super bekannt..

Okay, ich merke schon, ich schreibe zu ausfuehrlich. Ich halte mich zurueck. Auch, weil ich gleich weggehen will, um den letzten Abend mit Ben und Natascha zu verbringen.

In Cumana angekommen, nahmen wir dann eine kleiner Faehre zur Peninsula de Araya, um dort in einem kleinen Kuestendorf einen Tag zu verbriungen. Das Dorf ist wirklich superklein – aber es gibt Sehenswuerdigkeiten: Eine Alte Burg die aelteste und groesste Venezuelas, und eine grosse Salzabbauanlage, die Salidas. Beides haben wir besichtigt, was interessant war (Kultur dieser Art gibt es nicht viel) und mir einen Sonnenstich zubrachte. Es ist wirklich superwarm,an der Kueste..

Eine der grossen Becken, in denen das Wasser verdampft und das Salz zurueckbleibt. Das Wasser aendert mit zunehmenden Salzgehalt die Farbe in Zartblau und spaeter rosa.

Am naechsten Tag ging es wieder zurueck nach Cumana. Dort Sofort weiter in einen Bus nach Puerto la Cruz und von dort im Anschlass gleich nach Merida. Gluecklicherweise hab es einen, der komplett durchfuhr. Nach lustigen Erlebnissen (der Busfahrer verirrte sich in einer Kleinstadt und schrammte unter allen vorhanmden Baeumen und Stromkabelb durch), kalten Stunden (kalt kalt kalt) und insgesmt 20h Fahrt kamen wir dann also im 1700m hoeher gelegenen Merida an.

Gleich am Busbahnhof fasste unsein Deutscher ab und warb uns fuer die Casa Alemana-Suiza an – auch erfolgreich, denn hier sitze ich gerade noch.

Die naechsten Tage waren eher ruhig. Ein bisschen in die Stadt gehen, eine Mountainbiketour machen und die Hoehenluft geniessen. Denn die ist wirklich toll hier! Die Stadt liegt auf einem Platao und geht die ganze zeit ueber schreag nach unten. Man sieht drumherum nur Berge (und zur zeit viele Wolken, weil gerade Regenzeit ist) und in der Stadt viele, viele junge Menschen. Das laesst mich auch hoffen, bald noch mehr Leute kennenzulernen.

Auch toll in Merida ist, dass man sehr viele Dinge tun kann – es ist die touristischste Stadt Venezuelas (und die sicherste, was auch sehr wichtig ist). So haben wir dann, um Geld zu sparen, eine kleine Wanderung ohne Guide gemacht. In den Bergen gibt es ein Projekt, das Andes Tropicales, um Touristen vorsichtig in die kleinern Doerfer der Region einzufinden. So gibt es an vielen verschiedenen Punkten sogenannte Mucuposadas, von denen man, meisste eine Tagestour entfernt, hin und her wandern kann. Mit warem Duschen und traditionellem essen am Abend. Weil das so toll klingt, wollten wir das machen. So nahmen wir den Bus bis in die naechste Region (Busse heissen hier Por Puestos, sind meisst alte Kleinbusse, die losfahren, wenn sie voll sind und rasen mit unglaubelicher Tollkuehnheit die Serpentinen entlang) und liefen dann drei Stunden bis zur ersten Mucuposada. Leider leider sind wir in der Regenzeit hier und das heisst, dass es jeden Nachmittag redet. Und leider leider war die Mucuposasa auf 3800m Hoehe, wo es wirklich saukalt ist , und ich hatte nicht genug warme Sachen Dabei. Summiert mit den kalten Bussen der letzten Woche und der Regendurchnaessten Mountainbiketour bekam ich also eine ordentliche Grippe, die mich am naechsten Tag in der Posada blieben lies, wahrend die anderen beiden eine Tagestour in der Umgebung machten. Ziemlich deprimierend, dass, wenn man schon mal da oben ist, man nur rumsitzen kann. Am naechsten Tag stiegen wir, geschlagen von der Kaelte, wieder ab. Aber schoen wars trotzdem, wie man an den Bildern sicher erahnen kann.

Die Mucuposada in 3800m Hoehe und eisiger Kaelte. Ohne Spanisch ist man hier ziemich aufgeschmissen.

Das war also gestern. Natascha wartet jetzt nurnoch auf ihre neue Kredeitkarte, die heute schon mit der Poist gekommen sein sollte, und dann fahren die beiden ab nach Brasilien, wo sie ihre Reise fortsetzen – ich bin dann also erstmal wieder allein.

Allerdings habe mich fuer Spanmischstunden angemeldet. Bei einem Studenten fuer Tourismus, wo man das deutlich billiger machen kann, als bei einer offziellen Schule.

 Der Plan ist jetzt, bis Ende naechster Woche hierzubleiben, Spanischstunden zu nehmen und viel zu lernen und hoffentlich neue Leute kennezulernen. Vielleicht finde ich ja sogar welche, mit denen ich nach Kolumbien reisen kann – was nicht so absurd ist, weil viele vor Kolumbien Rast in Merida machen. Ich hoffe also.. Und in 2 Wochen will ich dann wahrscheinlich in Quito sein, um mich mit Larissa zu treffen und mit ihr weitere Spanischstunden zu nehmen.

 

Insgesamt geht es mir also besser. Ich habe mich ein bisschen mehr eingelebt und komme nur besser zurecht. Ich hoffe, sehr bald neue Reisepartner zu finden, denn mit Ben und Natascha habe ich mich sehr gut verstanden (erstaunlicherweise nur in englisch..) und werde sie vermissen. Auch weil ich schreckliche Angst vor dem Alleinsein habe.

Jedenfalls hoffe ich das Beste, freue mich auf Reaktion von zuhause und gehe jetzt erstmal in die Stadt.

Bis bald,

Mathis

 

Eine heisse Quelle in der Umgebung Meridas, einen Halbtagesausflug entfernt. Dahin gelangt man nur ueber einen langen Trampelpfad und vorbei an einer grossen, boesen Kuh..

„Jak się masz?“ -“Fatalnie.“

September 26, 2008 - 3 Antworten

(…Einige Anläufe später:) Hallo Welt! Ich erspare mir und euch mal die Reflexion über das Medium des Blogs und seine Untiefen und beginne frank und frei mit meinem ersten Blogeintrag.
Was wichtig ist: ich bin in Warschau erstmal an- und untergekommen und es geht mir soweit gut

Womit soll man auch sonst eröffnen? Ich hab gehört, dass Stalin den Warschauern die Wahl zwischen dem Bau einer U-Bahn oder eines Prunkbaus ließ. Nun, immerhin heute haben sie beides.
Womit soll man auch sonst eröffnen? Ich hab gehört, dass Stalin den Warschauern die Wahl zwischen dem Bau einer U-Bahn oder eines Prunkbaus ließ. Nun, immerhin heute haben sie beides.

Stand ca. 20.09.:

Ich muss mich noch entschuldigen für meinen recht stereotypen, überstürzten Abschied. Das krieg ich wohl nicht besser hin. Sorry, das war alles arg auf Kante genäht. Mathis hatte ich zum Beispiel nichtmehr getroffen, was schade ist. Nach etwas mehr als 8 Stunden Fahrt, deren Eindrücke sich zunehmend im Fieberdelirium auflösten, kamen Julian – mein Gefährte in Polen – und ich Sonntag Nacht in Warschau an und bekamen auch prompt eine Unterkunft in einer Art Stundentenwohnheim mit jeder Menge postsowjetischen Charme. Geschmacklich grenzwertige Teppichböden, spartanische Einrichtung, speckige Filzgardinen, bröckelnder Putz (bis auf die Frontfassade, die wurde erneuert, offenbar um irgendeinen Schein zu waren) Im Treppenhaus rauchende und feixende Putzfrauen in blauen Kitteln, wenn man morgens das Haus verlässt. Kochgelegenheiten und Bäder im Gang. Leider kein Internet.
Hier sind wir für die Zeit unseres 10-tägigen Sprachkurses untergebracht. Die Tagesroutine sieht momentan wie folgt aus: zwischen 7 und halb 8 aufstehen, duschen, frühstücken. Um 9 bis 12:30 Sprachkurs. Danach eventuell etwas essen / Kaffee trinken, Kleinigkeiten erledigen, die Bibliothek zur Internetnutzung aufsuchen, und vor allem: Wohnungssuche. Die gestaltet sich zunehmend frustrierend. Die Preise liegen deutlich über Leipzig, viele Vermieter sind tendenziell skeptisch gegenüber ausländischen Studenten und die Nachfrage ist momentan natürlich berstend. Solange wir hier keine Bleibe gefunden haben, fühlen wir uns noch nicht wirklich angekommen, geschweige denn entspannt. Die Gefühlslage pendelt immer von zurückhaltender Hoffnung auf dem Weg zu einem Besichtigungstermin zu frustrierter Enttäuschung auf dem Rückweg. Immer beeinflusst von aufkeimenden Erkältungssymptomen beim Streifen durch Warschaus kalte, nasse Straßen mit durchweichten Schuhen und klammen Fingern am Stiel des Regenschirms. Ja, Warschau macht es einem nicht unbedingt leicht. Mein Immunsystem brauchte etwa die erste Woche um sich gänzlich einzueichen. Mein Fieber infolge des entzündeten Zahns ging noch gegen die 40 Grad, die Luft machte meinen Atem rasseln und meine Haut jucken. Aber mittlerweile ist meine Metabolismus gestählt (glaube ich).
Heute ist allerdings ein guter Tag, denn zum ersten Mal scheint die Sonne und es ist nicht so lausig kalt und nass, wie in den Tagen nach unserer Ankunft. Wir sehen zum ersten mal einen blauen Himmel über Warschau, das Sonnenlicht spielt mit dem Stahl, Glas und Beton der Bibliothek (kennst du den Bau eigentlich, Gordon? Ist eines der moderneren, eindrücklichen Gebäude Warschaus). 18 Grad sollen es am Wochenende werden!
Die Uni ist ziemlich schön. Der Hauptcampus (ein Campus! Das kenne ich ja aus Leipzig gar nicht) ist direkt neben dem Präsidentenpalast in der Innenstadt und unweit der Altstadt gelegen. Alles ist neu oder herausgeputzt, das Unipersonal ist sehr hilfsbereit, freundlich und insgesamt fühlt man sich sehr willkommen.

300 Erasmi auf einem Haufen
>300 Erasmi auf einem Haufen

Hier noch ein paar flüchtige Eindrücke aus der Uni:

Die neue Uni-Bibliothek von aussen. Etwa 7 Min. zu Fuß vom Hauptcampus entfernt.
Die neue Uni-Bibliothek von aussen. Etwa 7 Min. zu Fuß vom Hauptcampus entfernt.
Und von Innen. Ich hab gelesen, dass es 260000 Studenten in Warschau gibt. Verrückt.
Und von Innen. Ich hab’ gelesen, dass es 260000 Studenten in Warschau gibt. Verrückt.
Die Uni ist ganz gut ausgestattet. Auch die Cafeten sind vorzeigbar!
Die Uni ist ganz gut ausgestattet. Auch die Cafeten sind vorzeigbar!

Aufgrund meines eher miserablen Zustandes habe ich das Erasmusleben erstmal ruhig angehen lassen. Ich war erst einmal aus, aber das Nachtleben versprach einiges. Die Polen sind gleichzeitig höflich und ausgelassen. Sehr angenehm. Wir haben einige Erasmusstudenten aus Slowenien kennengelernt, mit denen wir häufiger etwas unternehmen (und die schon eine Wohnung gefunden haben).

In der Altstadt, zusammen mit Julian, den slowenischen Erasmi und ihrer polnischen Mentorin
In der Altstadt, zusammen mit Julian, den slowenischen Erasmi und ihrer polnischen Mentorin
Meine ersten, echtpolnischen Piroggen! Ui, wie lecker!
Meine ersten, echtpolnischen Piroggen! Ui, wie lecker!

Nachtrag 1.10.:

Mittlerweile hat sich noch einiges getan. Wir haben irgendwann die Wohnungssuche aufgegeben und uns stattdessen der Zimmersuche gewidmet. Per Beziehung bin ich schließlich auch an ein Zimmer gekommen. Und was für eins! Ca. 10 m² im Norden Warschaus im 11. Stockwerk eines sozialistischen Wohnblocks mitten in einer beeindruckenden Wohnsilolandschaft. Sogar mit Fototapete. Sehr authentisch! Aber seht selbst:

Julian nutzt den Parkettboden, bis er selbst was gefunden hat.
Julian nutzt den Parkettboden, bis er selbst was gefunden hat.
Fensterausblick. Ostseite.
Fensterausblick. Ostseite.
Von draussen. Wie man sieht, versuche ich per GPS-Navigation in diesem Häuserwald den Weg zu finden.
Von draussen. Wie man sieht, versuche ich per GPS-Navigation in diesem Häuserwald den Weg zu finden.

Abgesehen von mir und Julian, der sich noch auf Wohnungssuche befindet und vorrübergehend hier nächtigt, sind noch ein Deutscher, ein Holländer und ein italienisches Pärchen – alle Erasmi – in der Wohnung untergekommen. Alle sehr nett, ordentlich und einbringend. Es gibt hin und wieder Espresso und Pasta und heut abend bin ich zum Risotto mit Shrimps eingeladen. :)

Am Samstag wurde von dem ortsansässigen, sehr hilfreichen Erasmusnetzwerk ein Ausflug in den Süden Warschaus ins Schloss Wilanów organisiert. Auch der Sprachlaie könnte fast den lateinischen Ursprung des Wortes – Villa Nova – ausmachen. Eine Sommerresidenz und barocke Parkanlage im Stile Versailles (nehm ich mal an), welche in der wechselvollen Geschichte von Polen von den jeweils angesagten Herrschern genutzt wurde. Zum Beispiel August dem Starken. Die Führung war eher dröge: nur Fakten, keine Kontexte machen aus Norman einen stumpfen Jungen. Aber die Sonne schien und der Park und das Anwesen waren schön und sicher den Besuch wert.

Die Schlagzahl der Brautpaare, die sich vor diesem Hintergrund feiern und fotografieren ließen schätze ich auf ca. 8/h.
Die Schlagzahl der Brautpaare, die sich vor diesem Hintergrund feiern und fotografieren ließen schätze ich auf ca. 8/h.
Der Park schloss an einen erruderbaren See an. Sehr schön. Es gab weisse Tauben, flinke Eichhörnchen und Wlan!
Der Park schloss an einen erruderbaren See an. Sehr schön. Es gab weisse Tauben, flinke Eichhörnchen und Wlan!

Der letzte Sonntag war noch spannend. Ich wollte Hera – das Wohnheim – verlassen, hatte meinen ganzen Kram ins Auto gepackt und war etwas unter Zeitdruck, nachdem ich den Wohnungsschlüssel von einem Mitbewohner in der Stadt bekommen hatte, der dazu noch anmerkte, dass er versehentlich die restlichen Mitbewohner in der Wohnung eingeschlossen hatte und mich bat, mich sofort auf den Weg zu machen (Es macht mich wundern, dass es überhaupt möglich ist, die Wohnungstür von aussen zu verschließen ohne sie von innen aufschließen zu können. Das wirft Fragen über die Vormieter oder die polnische Familienkultur auf. Und beunruhigende Assoziationen Richtung Amstetten). Tja, warum nicht? „Vielleicht weil dich just in diesem Moment dein Auto im Stich läßt?“ - Ex-akt! Der Astra – mein treuer Packesel – blieb mitten in Warschau plötzlich stehen und ließ sich nicht mehr starten. Ich schob ihn noch gekonnt vor eine Feuerwehr (das Rot der Feuerwehrwagen war drohend durch das Sicherheitsmilchglas der sicher rasant aufklappbaren Ausfahrtstore auszumachen) und blickte mich einsam, verschüchtert und mit einem ganz neuen Bewußtsein über die Fremde der Umgebung nach Hilfe um. Keine Chance mein Zeug per Hand weiterzutransportieren. Deshalb hatte ich mich ja für das Auto entschieden. Ich hatte kurz vorher die Kühlflüssigkeit an einer Tankstelle nachgefüllt, aber mein eher beschränktes Wissen über KFZs im Allgemeinen machte da keine Kausalitäten zum Defekt aus. Erst schüttete ich noch etwas destilliertes Wasser nach, dann kaufte ich ein Starterkit und band den Tankwart in meine missliche Lage ein, der mir die nächste halbe Stunde Starthilfe gab. Dann füllten wir noch etwas Benzin nach. Das waren alles in der Situation ziemlich hilflose Gesten in einem magisch-beschwörenden Sinn. Jedenfalls half es irgendwie und er sprang dann tatsächlich irgendwann an! Es ist noch unklar, woran es lag. Ich dachte an Überhitzung, das Kühlsystem leckte zwischenzeitlich auch, jetzt aber plötzlich nichtmehr und er läuft einwandfrei. Nun, mein Zeug ist jetzt an Ort und Stelle und ich bin optimistisch, wieder nach Deutschland mit dem Wagen zu kommen.

Achja, zum Schluss noch zwei Bilder von Julians und meinem Zimmer in dem Studentenwohnheim „Hera“ und unserem Auszug:

Der Schreibtisch war Arbeits- und Speiseplatz.
Der Schreibtisch war Arbeits- und Speiseplatz.
Przepraszam, wo gehts hier zum Rocknroll?
Przepraszam, wo geht’s hier zum Rocknroll?

Die besseren Bilder sind übrigens alle von Julian und seiner Kamera.
In den nächsten Tagen wird die Kurseinschreibung folgen, irgendwie. Theoretisch könnten heute schon Veranstaltungen stattfinden, aber das System funktioniert noch nicht und ich kann mich natürlich immer auf meinen Erasmusstatus zurückziehen. Ich armer ausländischer Student. Für das Wochenende hoffe ich auf gutes Wetter, denn ich habe einen Kayakausflug in die Masuren gebucht. Und heute abend gibt’s noch ein Welcoming-Event nachdem nun tatsächlich alle Erasmi da sein sollten.

Soweit, sogut, man hört/liest sich. Viele Grüße!
Für Adressdaten bei Besuchswunsch (bitte bedenken: Viel Platz ist nicht) und Telefonnummer bitte nachfragen.

Und schon da

September 26, 2008 - 5 Antworten

Hallo jetzt erstmals aus venezuela. Sollte ich mal ein paar Woerter mich komischen Buchstaben schreiben, liegt das daran, dass ich gerade wenig Zeit habe und ich auf einer amerikanischen Tastatur schreibe.
Also los. Am Montag bin ich nach einem etwas wackeligen, sehr langem aber an sich ganz angenehmen Flug in Porlamar abgekommen. Im Flugzeug habe ich, erst 2h vor Ankunft allerdings, Manuèl kennengelernt, meinen Sitznachbarn. Er hatte bis dahin geschlafen. Manuèl ist DJ und Hotelfachverkaeufer in Duesseldorf und geborener Porlamerianer. Also hat sein Onkel, der am Flughafen arbeitet, uns beide gleich in Stadt gefahren und sie haben mir eine Unterkunft im Centre besorgt.
Mit Manuel habe ich die letzten Tage recht viel gemacht. Er hat mir immer neue Unterkuenfte besorgt und wir haben mit vielen unterschiedlichen Familienmitgliedern von ihm Strandtouren gemacht. Da heisst, er hat ein Auto besorgt und ich bin gefahren. Hinten sassen die vielen Cousinen und Neffinen.
Die Straende hier sind sehr sehr toll. Ich bin ja eigentlich kein Strand-rumhaengtyp, aber es macht doch Spass, den ganzen Tag an einem der Bilderbuchstraende rumzuhaengen.
Achja und Autofahren ist krass.. man kann sich nicht so richtig vorstellen, wie krass, wenn man es nicht gesehen hat. Zwischen riesigen USA Karren und alten, klappernden Por Puestos (private Busse, die den ganzen Tag eine Route hin und her fahren und man immer reinspringt, wenn man mitfahren will) draengeln sich Fussgaenger und Mopeds, die auf engen Strassen durch die Strassenblocks huschen. Auch wenn es wohl nicht an die Verkehrsverhaeltnisse von Caracas rankommt, so ist es doch eine Erfahrung wert.

Heute nacht (hier ist es 8Uhr, zuhause halb 3 nachts) treffe ich mich das ersta mal mit Bagpackern im Hostel zum quatschen. Ich bin sehr gluecklich, endlich jemanden gefunden zu haben, der deutsch spricht, denn die letzten Tage waren, von den Touren mit Manuèl abgesehen, ziemlich einsam. Die ziemlich haessliche Stadt, die grosse Entfernung nachhause, die voellig andere Kultur und die Sprachbarriere machen mir ganz schoen zu schaffen. Ich hoffe wirklich sehr, bald jemanden zu finden, mit dem ich reisen kann, denn die Einsamkeit ist sehr sehr ekelig. Vielleicht in Merida. Ich hoffe, bald dorthin zu koennen und denke, dass ich, auch wenn die Stadt groesser ist und sich vielleicht nicht so viel aendert, dort mehr Bagpacker treffe, mehr Kultur erlebe, abends auch mal auf Strasse gehen kann(Im Centre war ich eine Nacht im Hotel mit Blick auf Strasse und dachte an die Ghettos in Baltimore (The Wire), wo nachts die Dealer an denEcken stehen. Nur noch viel lauter (alle hupen immer) und aufdringlicher) und auch sonst mehr Moeglichkeiten habe, etwas zu unternehmen.
Vielleicht kann ich bald mal ein Foto hochladen. Dass zeigt dann auch mein verbanntes gesicht (immer Sommer, immer heiss (gerade noch heisser als sonst mit 35grad)) und die rinnenden Schweissperlen.
Das Bagpackerpaerchen im Hostel, das gerade seine Karibiktour beendet, hat mich gefragt, warum ich denn nach Venezuele gehe, hie sei es doch teuer, unsicher und an sich kacke. ich hoffe wirklich sehr, dass sie unrecht haben und will es auf jeden fall mal in Merida probieren.
Okay, das reicht erstmal. Ich freue mich ueber Antworten, Mails oder sonstiger Nachrichten aus der Heimat und bin bestimmt bald mal wieder online (auch im icq, am ehesten nachmittags (bei euch), da ist es hier morgen).
Achso, und ich habe bald ein Handy. Wen es interessiert, soll mal per Mail fragen.

Adios und hasta luego,
Mathis

ps: jetzt doch schon ein paar Fotos im Nachtrag

 

 

Aus dem Flugzeug ueber Antigua

Aus dem Flugzeug ueber Antigua

Am Strand

Am Strand

Schon fast unterwegs

September 11, 2008 - 4 Antworten

Das soll mal der erste Eintrag sein, im ersten und neuen Blog, bei dem ich mitschreibe. Wahrscheinlich werde auch ich es sein, der hier am meisten zu sagen hat, schließlich komme ich am weitesten herum. Aber erstmal ein paar Worte zur Einführung.Dieser Blog soll eine Möglichkeit der Kommunikation sein, für die Lammert und Tannhäuser Kinder, die ab Oktober allesamt aus Deutschland in die Welt gehen. Für sich selbst und für die, die es auch noch interessiert.
Markus wird ein Praktikum in Paris machen, 10 Monate lang. Agnes und Gordon gehen für ein Auslandssemester nach Barcelona, Norman macht eins in Warschau und ich werde ein halbes Jahr Südamerika bereisen.

Wenn es mal so klappt, wie ich es mir vorgestellt habe, kann hier jeder schön Fotos oder sogar Videos hochladen und von seinen Erlebnissen berichten. Wenn es klappt. Schließlich passiert ja nicht ständig viel erzählenswertes, wenn man an einem Ort bleibt.

Aber wir werden sehen. Bei mir gehts es jedenfalls am 22. September los und ich bin schon ziemlich aufgeregt. Als erstes fliege ich nach Venezuela, nach Porlamar. Und werde dann wohl bald weiter reisen: Nach Merida. Soll ein sehr schönes Studentenstädtchen in den Anden sein, dass billig, sicher und vielfältig sein soll. Ich melde mich wieder, wenn ich da bin.

Mathis

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